Papst-Kult "Time" kürt Franziskus zur "Person des Jahres"

Dass er das Potential zur Ikone hat, bestreitet niemand. Jetzt hat das US-Magazin "Time" den ersten Schritt gemacht und Papst Franziskus zur "Person des Jahres" gekürt. Den notorisch bescheidenen Pontifex dürfte das erfreuen, aber kaum beeindrucken.

AFP/ TIME Magazine/ Jason Seiler

New York - Papst Franziskus ist der Mann des Jahres 2013. Kaum ein anderer Akteur auf der Weltbühne habe jemals "so schnell so viel Aufmerksamkeit" von allen Seiten erhalten wie das seit neun Monaten amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche, begründete das US-Magazin "Time" seine Wahl.

Der Kardinal und Erzbischof von Buenos Aires war im März für viele unerwartet zum Papst gewählt worden, nachdem sein deutscher Vorgänger Benedikt XVI. in einer historischen Entscheidung von seinem Amt zurückgetreten war. Der 76-Jährige macht seitdem mit durchaus ernst gemeinten Reformanstrengungen und dem Versuch, die katholische Kirche auch strukturell zu erneuern, auf sich aufmerksam.

"Johannes Paul II. und Benedikt XVI. waren Theologie-Professoren. Franziskus ist ein ehemaliger Pförtner, Türsteher, Techniker und Literaturlehrer", schreibt "Time" und verweist auf die Praxisbezogenheit und Nähe zu den Menschen, die den neuen Papst vom ersten Tag an auszeichneten und für die er viel Sympathie bekommt. "Die Leute hatten es satt, ewig über Sexualmoral zu debattieren", so die Blattmacher.

Die leitende Redakteurin Nancy Gibbs erklärte, es sei Franziskus gelungen, auf außerordentliche Art und Weise den Ton, die Wahrnehmung und den Blick auf eine der weltgrößten Institutionen zu verändern. "Was diesen Papst so bedeutend macht, ist die Geschwindigkeit, mit der er die Vorstellungskraft von Millionen erobert hat, die es aufgegeben hatten, auf die Kirche zu hoffen", heißt es auf der Website von "Time".

Auf dem zweiten Rang landete Whistleblower Edward Snowden, "der dunkle Prophet". Im vergangenen Jahr war US-Präsident Barack Obama nach seiner Wiederwahl zum zweiten Mal der Titel als Persönlichkeit des Jahres verliehen worden. Im Jahr 2011 hatte sich das Magazin für einen anonymen Demonstranten entschieden und damit die Menschen geehrt, die von den Protesten in der arabischen Welt bis zur Occupy-Bewegung in New York auf die Straße gingen.

ala/dpa/Reuters



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