Personalentscheidung im Vatikan: Papst setzt slowakischen Erzbischof ab

Es ist eine seltene Machtdemonstration von Papst Benedikt XVI.: Überraschend hat er den Erzbischof von Trnava, Róbert Bezák, abgesetzt. In der Slowakei ist die Empörung groß, Intellektuelle und Politiker protestieren gegen die Entscheidung.

Bratislava/Rom - Es ist ein Tag der wichtigen Personalentscheidungen im Kirchenstaat: Erst wurde bekannt, dass Papst Benedikt XVI. den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum neuen Präfekten der einflussreichen Glaubenskongregation berufen hat. Dann verkündete der Vatikan, dass der Erzbischof von Trnava, Róbert Bezák, seines Amtes enthoben wurde.

Die Abberufung sei Folge einer Apostolischen Visitation - einer Überprüfung durch einen Beauftragten des Papstes - in der Kirchenprovinz, bestätigte die katholische Bischofskonferenz am Montag der staatlichen Nachrichtenagentur TASR. Näheres wurde nicht bekannt. Italienischen Medienberichten zufolge sind finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Diözese Schuld an der Entscheidung. Bezák soll häufiger öffentlich Kritik an der Kirche und Geistlichen geübt haben.

Die "Katholische Presseagentur Österreich" zitiert den früheren slowakischen Parlamentspräsidenten František Mikloško, der von einem Komplott gegen Bezák spricht. Demnach könne seine Abberufung "irgendwie mit den kürzlich publik gemachten Finanzproblemen im Vatikan" zusammenhängen. Zuletzt hatte der Kirchenstaat mit der sogenannten VatiLeaks-Affäre sowie mit Turbulenzen in der Vatikanbank für Aufsehen gesorgt.

Die Absetzung eines Bischofs gilt als unüblich. Im Normalfall reichen sie im Alter von 75 Jahren ihren Rücktritt ein - Bezák ist 52. Und selbst wenn sich ein Bischof im Amt etwas zuschulden kommen lässt, wird ihm vom Vatikan üblicherweise nahegelegt, selbst seinen Rücktritt einzureichen.

Die überraschende Absetzung von Bezák hat in der Slowakei für Empörung gesorgt, Intellektuelle und Politiker protestierten gegen die Entscheidung des Vatikans. Bezák selbst hatte sie schon am Sonntag während eines Gottesdienstes bekanntgegeben. Eine Videoaufzeichnung zeigt Gläubige, die ihm daraufhin stehend applaudieren.

aar/AP/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Nörgler
Peter.Lublewski 02.07.2012
"Papst setzt slowakischen Erzbischof ab" Beim Lesen der Überschrift dachte ich gleich, der hat bestimmt genörgelt. Beim Lesen des Textes "Bezak soll häufiger öffentlich Kritik an der Kirche und Geistlichen geübt haben." wurde mir das dann bestätigt :-)
2. Wegen Korruption...
alettoria 02.07.2012
wäre es ja mal was ganz was Neues gewesen. Ich hatte ja eine halbe Zeile lang gehofft, er wäre deshalb gefeuert worden, aber nein, es ist wieder mal der böse Ungehorsam gewesen.
3. Nörgeln und die Wahrheit sagen ist verboten
guteronkel 02.07.2012
Klar, wer nörgelt sagt oft ungewollt die Wahrheit. Das darf man nicht im katholischen Staat. Kinder schlagen und misbrauchen ist zwar nicht erwünscht aber ... nicht so schlimm. Da kann man schon erwarten dass die Kirchenoberen den Missetäter versetzen. Natürlich an eine adäquate Stelle, damit wieder Kinder misbraucht werden könnnen. Und was macht die deutsche und österreichische Justiz? Offensichtlich nichts. Oder die sind blind, oder faul, oder beides und noch viel mehr. Weiß Gott was da los ist?
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