Papst trifft Missbrauchsopfer "Alle haben geweint"

Bei einem bewegenden Treffen hat Papst Benedikt XVI. auf Malta acht Missbrauchsopfern seinen Schmerz ausgedrückt. Er versicherte, die katholische Kirche werde für Gerechtigkeit sorgen. In Deutschland gibt es derweil neue Anschuldigungen - auch der Papst spielt dabei eine Rolle.

Papst Benedikt XVI.: Kirche will junge Menschen künftig vor Missbrauch schützen
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Papst Benedikt XVI.: Kirche will junge Menschen künftig vor Missbrauch schützen


Valetta/Berlin - Papst Benedikt XVI. ist am Sonntag während seines Besuchs auf Malta mit mehreren Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester zusammengetroffen. Der Papst sei von den Berichten der maltesischen Männer tief bewegt gewesen und habe seine Scham und seinen Schmerz ausgedrückt, berichtete der Vatikan. Benedikt traf die Männer hinter verschlossenen Türen in der Apostolischen Nuntiatur. Er betete auch mit den Missbrauchsopfern.

Der 38-jährige Joseph Magro sprach von einer bewegenden Zusammenkunft mit dem Kirchenoberhaupt. "Alle haben geweint", sagte er. Der Papst habe Tränen in den Augen gehabt und sich für jeden ein paar Minuten Zeit genommen.

Benedikt XVI. versicherte den Männern, dass die Kirche weiterhin alles in ihrer Macht stehende tun werde, "um Anschuldigungen (zu sexuellem Missbrauch) zu untersuchen, Verantwortliche der Justiz zuzuführen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die junge Menschen in der Zukunft schützen sollen". Das Gebet des Papstes richtete sich auf "Heilung und Versöhnung" bei allen Missbrauchsopfern, damit diese mit neuer Hoffnung voranschreiten könnten, so die Mitteilung des Vatikans.

Die maltesischen Missbrauchsopfer hatten um eine persönliche Begegnung mit dem Papst gebeten. Jedoch sollte das Gespräch nicht vor den Medien geführt werden, hatte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi betont. Benedikt XVI. hatte bereits Missbrauchsopfer in den USA und Australien getroffen und sich zu weiteren Gesprächen bereit erklärt. Auf der tief katholisch geprägten Mittelmeerinsel Malta nahm er an den Gedenkfeiern zur Ankunft des Apostels Paulus vor fast 2000 Jahren teil.

Papst sollte "aus der Schusslinie" genommen werden

In Deutschland weiten sich die Missbrauchsfälle derweil aus. Vertraute des früheren Generalvikars der Erzdiözese München und Freising, Gerhard Gruber, erheben in der Affäre um den pädophilen Priester Peter H. schwere Vorwürfe gegen das Ordinariat. Nach Informationen des SPIEGEL hat die zentrale Behörde des Erzbischofs Gruber offenbar gedrängt, die alleinige Schuld für die Versäumnisse der Kirche zu übernehmen.

Vertraute Grubers schilderten nun dem SPIEGEL, er stehe unter großem Druck und solle wohl als Sündenbock für den Papst herhalten. Es sei darum gegangen, den Papst "aus der Schusslinie zu nehmen". Als die Affäre Mitte März aufflog, sei er am Telefon eindringlich "gebeten" worden, die volle Verantwortung zu übernehmen, klagte Gruber gegenüber Freunden. In einem Brief an seine Vertrauten schreibt Gruber, er habe eine fertig formulierte Stellungnahme zugefaxt bekommen. Änderungswünsche habe er anmerken können.

Über die Darstellung des Bistums und darüber, dass man ihm "eigenmächtiges Handeln" im Fall H. vorwarf, empfinde er jedoch großen Unmut. Auch der Ausdruck "Eigenmächtigkeit" sei nicht mit ihm abgesprochen worden. Gruber hatte bisher alle Schuld auf sich genommen.

Gruber war Anfang der achtziger Jahre Generalvikar des damaligen Erzbischofs Joseph Ratzinger, als Peter H. trotz massiven sexuellen Missbrauchs von Kindern erneut als Seelsorger eingesetzt wurde. Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., leitete auch die Sitzung, in der über H.s Aufnahme in München entschieden wurde.

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