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Reise durch Afrika: Papst wettert gegen den "Gott des Geldes"

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AFP

Papst Franziskus: Reise durch drei afrikanische Länder

Papst Franziskus hat erbarmungswürdige Zustände in afrikanischen Slums verurteilt. Privilegierte sorgten sich um Geld und Macht, aber nicht um das Gemeinwohl.

Auf seiner Afrika-Reise haben Slum-Bewohner in Nairobi Papst Franziskus bejubelt. Der Papst verurteilte die "abscheuliche Ungerechtigkeit", die Millionen Menschen zum Leben in Elendsvierteln zwinge. Dafür seien Minderheiten verantwortlich, die sich nur um Geld und Macht sorgten, aber nicht um das Gemeinwohl, sagte der 78-Jährige.

Der Besuch in Nairobis Armenviertel Kangemi gilt als eine der wichtigsten Stationen der sechstägigen Afrika-Reise des Papstes. In dem Slum leben etwa 100.000 Menschen auf engstem Raum zusammen. Mehr als die Hälfte der rund drei Millionen Einwohner Nairobis lebt in Slums.

Die Armen "haben einen besonderen Platz in meinem Leben und meinen Entscheidungen", sagte das Kirchenoberhaupt. "Ich bin hier, weil ich möchte, dass ihr wisst, dass mir eure Freuden und Hoffnungen, eure Ängste und Traurigkeiten nicht gleichgültig sind." Auf ein solides Dach über dem Kopf, trinkbares Wasser, eine Toilette und Strom hätten alle Familien ein Recht, sagte der Papst.

Männer brauen in Nairobi Chang'aa an, kenianischen Hirseschnaps. Das Getränk ist vor allem in Armutsvierteln weit verbreitet und wird auch "Kill me Quick" genannt.

Zwei Verdächtige werden in Nairobi von bewaffneten Polizisten bewacht. Die Männer wurden festgenommen, weil sie selbstgebrannten Schnaps verkauft haben sollen. Papst Franziskus forderte zum Auftakt seines Keniabesuchs einen stärkeren Kampf gegen Armut.

Am Freitag, dem letzten Tag seines Keniabesuchs, fuhr Franziskus in das Armenviertel Kangemi. Er verurteilte die "furchtbare Ungerechtigkeit" bei der Verteilung des Reichtums. Eigennützige Minderheiten lebten verschwenderisch und klammerten sich an Macht und Reichtum, während die große Mehrheit in "vernachlässigte, schmutzige und heruntergekommene" Siedlungen an den Rändern verdrängt werde, so der Papst.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat zum Anlass des Papstbesuchs die Armut und die Kriminalität in Kenias Armutsvierteln in Bildern dokumentiert. Dieser Verletzte soll von einem fahrenden Auto geschubst worden sein.

Blick auf einen Slum: Rund zwei Millionen Menschen leben in den Elendsvierteln rund um die Hauptstadt Nairobi.

Männer treffen sich in einer Bar in Nairobi. In Slums fehlt vielen Bewohnern der Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen.

Drogensüchtige konsumieren Heroin. Franziskus hat die Bekämpfung der Armut zu einem Kernanliegen seines Pontifikats gemacht. Die Armen "haben einen besonderen Platz in meinem Leben und meinen Entscheidungen", sagte er nun bei seinem Besuch in Kenia.

Polizeieinsatz im Viertel Dandora: "Wenn ein junger Mensch keine Arbeit hat, wenn er nicht weiß, was für eine Zukunft auf ihn wartet, dann kann er verführt und von Radikalen rekrutiert werden", sagte der Papst.

Diese Frau verkauft Fleisch in einem Straßenstand in Kariobangi, Nairobi.

Alice (l.) berichtet, ihr Mann sei vor fünf Jahren bei einer Schießerei gestorben. Sie habe keine Mittel mehr gehabt, sich und ihr Baby zu ernähren. Sie sah nur einen Ausweg: die Prostitution.

Ein junger Mann zeigt in Nairobi seine Waffe. Obwohl Kenia mit einem Bruttoinlandsprodukt von 60,8 Milliarden US-Dollar (2014) Ostafrikas leistungsfähigste Volkswirtschaft ist, muss ein Viertel der Kenianer mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftszweig, wird aber von der problematischen Sicherheitslage mit Terroranschlägen und hoher Kriminalität beeinträchtigt.

Ein Mann geht in Dandora an brennendem Müll vorbei. Nach seinem Besuch in Kenia reist Franziskus weiter nach Uganda und in die Zentralafrikanische Republik. Afrika ist die Weltregion, in der die katholische Kirche am meisten wächst.

Franziskus bezeichnete den Zugang zu sicherem Trinkwasser als fundamentales Menschenrecht. "Einer Familie unter irgendeinem bürokratischen Vorwand das Wasser zu verweigern, ist eine große Ungerechtigkeit, vor allem, wenn aus dieser Not ein Nutzen gezogen wird." Menschen seien wichtiger als der "Gott des Geldes", sagte Franziskus. Der Argentinier hat die Bekämpfung der Armut zu einem Kernanliegen seines Pontifikats gemacht.

Nach dem Besuch im Slum hielt der Papst eine Ansprache vor Zehntausenden Jugendlichen. Er warnte eindringlich vor Korruption, die ein "Weg des Todes" sei. Wer Bestechungsgeld akzeptiere, zerstöre sein Herz, seine Persönlichkeit und sein Land. Die Opfer seien Arme, die von der Regierung vernachlässigt würden, und Kranke, für deren Behandlung kein Geld mehr da sei.

Franziskus forderte zudem dazu auf, sich einsamer junger Menschen anzunehmen, um eine Radikalisierung zu verhindern, die zu Gewalt und Terror führen könne. Kenia wurde in den vergangenen Jahren von Terroranschlägen der aus Somalia stammenden islamistischen Schabab-Miliz erschüttert.

Afrika ist die Weltregion, in der die katholische Kirche am meisten wächst. Am Nachmittag stand der Weiterflug nach Uganda auf dem Programm. Dort will Franziskus bis Sonntag bleiben und dann in die Zentralafrikanische Republik weiterreisen.

Dort ist die Not gewaltig: Laut Unicef brauchen rund 1,2 Millionen Kinder dringend humanitäre Hilfe. Fast drei Jahre religiös motivierter Gewalt zwischen Christen und Muslimen hätten katastrophale Folgen für das Leben von Kindern gehabt. Der Papst will bei seinem Besuch zur Versöhnung der verfeindeten Gruppen beitragen.

ulz/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
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1. Was ist mit der Vatikanbank?
yvowald@freenet.de 27.11.2015
Wie lautet das bekannte Sprichwort: "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!". Auch Papst Franziskus weiß nur zu gut, welch` skandallöse Vorkommnisse es rund um die vatikanische Bank (beschönigend betitelt als "Institut der guten Werke") gegeben hat. Und bis sollte wohl nicht wirklich geklärt werden, welche "Geschäfte" dieses vatikanische Bankinstitut wirklich betreibt. Da ist von der Verwaltung von Schwarzgeld ebenso die Rede wie von der Finanzierung des Drogen- und Waffenhandels. Auch die Frage, weshalb eine "Kirche", also eine Religionsgemeinschaft überhaupt eine "kapitalistische" Bank betreibt? Hier sollte Papst Franziskus also zunächst einmal mit dem "eisernen Besen" fegen und vor der Weltöffentlichkeit Klarheit über die Finanzgeschäfte des Vatikans schaffen. Erst dann sollte er gegen den "Gott des Geldes" wettern, durchaus zu Recht.
2. er bringt es auf den Punkt!
Spiegelleserin57 27.11.2015
DANKE für diese klaren Worte. Er sollte unbedingt auch mal in Deutschland vorbei schauen. Da hätte er mit Sicherheit viel zu sagen! Hoffentlich werden auch mal seine Worte erhört denn eigentlich sollte dies den Wohlhabenden doch schon peinlich sein.
3. Der Papst überschläft sich fast
micromiller 27.11.2015
vor sozialer Güte. Seine Vereinigung verfügt über ein endloses Milliardenvermögen und könnten den Schriften folgend und .. unendlich viel Gutes anrichten .. keine wird sie daran hindern... warum sind die Herren so zögerlich?
4. scheinheilig
rolarndt 27.11.2015
Er zeigt, mit Recht, auf die ungerechte Verteilung des Wohlstandes. Aber im eigenen Haus nimmt er es nicht so genau, das zeigt die Anklage gegen die Enthüllungsjournalisten, die Verschwendung im Vatikan anprangern. Wer im Glashaus sitzt....
5. Das Problem:
florian29 27.11.2015
der Papst ist der einzige im Vatikan der in Armut lebt. der Rest der Kurie schert sich einen feuchten Dreck um die worte des papstes.
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Fläche: 571.416 km²

Bevölkerung: 45,546 Mio.

Hauptstadt: Nairobi

Staatsoberhaupt und Regierungschef:
Uhuru Kenyatta

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