Ex-Bischof als Kindsvater: Die Nächstenliebe des Fernando Lugo

Priester, Bischof, Präsident: Fernando Lugo hat in Paraguay eine beachtliche Karriere hingelegt. Nun hat er die Vaterschaft für ein Kind anerkannt, das er als Bischof zeugte. Das Geständnis überrascht nicht einmal mehr die Kirche - schließlich ist es nicht das erste dieser Art.

Paraguays Präsident: Als Bischof Vater geworden Fotos
REUTERS

Asunción - Ein ehemaliger Bischof wird Staatsoberhaupt. Ein Jahr nach seiner Vereidigung gibt er zu, während seiner Zeit im Klerus ein Kind gezeugt zu haben - und bleibt im Amt. Drei Jahre später das gleiche Spiel: Der Mann erkennt eine weitere Vaterschaft an, wieder wurde das Kind gezeugt, als er noch Bischof war. Trotzdem bleibt der Mann im Amt. Klingt wie der Plot eines schlechten Polit-Thrillers? In Paraguay ist es Wirklichkeit.

Die Protagonisten sind Präsident Fernando Lugo, die ehemaligen Geliebten des 61-Jährigen und mehrere Kinder, die aus diesen Beziehungen hervorgingen.

Als Lugo 2008 Präsident wurde, wollte er die Paraguayer einen, die Armut im Land ausrotten. Lugo beendete mit seinem Wahlsieg 61 Jahre Herrschaft der Colorado-Partei. Er hatte eine beachtliche Karriere hingelegt: Theologiestudium, 1977 Priesterweihe, Soziologiestudium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, 1994 Bischof von San Pedro im Zentrum des Landes. 2008 gab Papst Benedikt XVI. Lugos Antrag statt, in den Laienstand zurückversetzt zu werden, um erster Mann im Staat werden zu können.

Politische Betätigung sei "die höchste Form der Nächstenliebe", zitierte Lugo nach seinem Wahlsieg Papst Pius XI. Sein Entschluss, in die Politik zu gehen, sei gefallen, weil sein sozialer Einsatz als Bischof wenig gebracht habe - der politische Wille habe einfach gefehlt.

Seit Jahren Unterhalt gezahlt

Angesichts dieses moralisch aufgeladenen Programms ist für Lugo umso peinlicher, was nun bekannt wurde: Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren musste er eingestehen, als Bischof ein Kind gezeugt zu haben. Inzwischen ist der Junge zehn Jahre alt.

Der Fall wurde bekannt, als Narcisa Delacruz, die Mutter des Kindes, an die Presse ging, um die Anerkennung der Vaterschaft zu erreichen. "Wir sind oft zum Wohnsitz des Präsidenten gegangen und wurden nicht hereingelassen. Dadurch fühlte er sich sehr schlecht. Er fragte: 'Wieso gehen so viele Leute mit ihm hinein, und ich, sein Sohn, darf nicht?'", sagte die Krankenschwester. Ihr zufolge zahlt Lugo bereits seit Jahren Unterhalt. Nun teilte der Präsident über seinen Anwalt mit, er werde die Vaterschaft anerkennen.

Laut CNN sagte Delacruz, sie habe sich damals von ihrem Mann getrennt und sich von Bischof Lugo "spirituelle Orientierung" gewünscht. Weil sie Probleme mit ihrem Ehemann gehabt habe, seien sie und der Geistliche sich näher gekommen.

Ganz offensichtlich sehr nahe. "Ich habe ihn kontaktiert, als das Baby zehn Monate alt war und es ihm gezeigt. Er sagte, es sei ein schönes Kind und von diesem Tag an hat er finanziell bei der Unterstützung des Kindes geholfen", zitiert die BBC die Mutter. Demnach ging Delacruz nicht früher an die Öffentlichkeit, um Lugos politische Ambitionen nicht zu gefährden.

"Es ist bekannt, dass Lugo viele Kinder hat"

Dass die Reaktionen auf den Skandal nicht so gewaltig sind, wie man annehmen könnte, liegt auch daran, dass das Land die Geschichte 2009 schon einmal erlebt hat. Damals waren viele Leute empört, als Lugo die Vaterschaft eines Dreijährigen anerkannte.

Politisch kann Lugo nichts mehr passieren: Seine Amtszeit endet im August 2013. Artikel 229 der Verfassung verbietet es, dass er sich dann zur Wiederwahl stellt. Die Regierung versucht sogar, die peinliche Episode als etwas Gutes darzustellen. "Das Wichtigste ist, dass er früher oder später die Verantwortung für seine Vaterschaft übernommen hat", sagte Gesundheitsministerin Esperanza Martinez. Lugos Leute verteidigen ihn offensiv: Durch die Anerkennung der Vaterschaft wolle er wohl, schreibt die "New York Times", den Schaden im jüngsten Skandal begrenzen.

Denn es könnte ja nicht der letzte gewesen sein. Seit 2009 haben zwei weitere Frauen Vaterschaftsklagen gegen Lugo eingereicht. In einem Fall entlastete ein DNA-Test den Präsidenten. Im anderen behauptet die Klägerin, sie habe eine Beziehung mit Lugo gehabt, als dieser Bischof gewesen sei.

In Paraguay würde es nicht einmal mehr die katholische Kirche wundern, wenn noch weitere Zölibatsbrüche Lugos bekannt würden. Zacarías Ortiz, Bischof von Concepción, sagte über den aktuellen Fall, die Kirche habe die Fehler ihres früheren Bischofs akzeptieren müssen. "Es ist bekannt, dass Lugo viele Kinder hat und dieses ist eines mehr."

ulz/dpa

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