"Gelbwesten"-Proteste in Paris Flammen auf den Champs-Élysées

Zehntausende Demonstranten, brennende Autos, Dutzende Verletzte - die Proteste gegen die Politik von Frankreichs Präsident Macron eskalieren. Premier Philippe sagte seine Reise zum Klimagipfel ab.

YOAN VALAT/EPA-EFE/REX

Die Proteste der französischen "Gelbwesten"-Bewegung gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron sind in Gewalt umgeschlagen. In den Straßen von Paris kam es zu chaotischen Szenen, als Randalierer Barrikaden errichteten, Autos anzündeten und Fensterscheiben einwarfen. Nach gewaltsamen Ausschreitungen nahm die Polizei in der Hauptstadt mehr als 200 Menschen fest. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, darunter elf Polizisten.

Einige der Demonstranten warfen Pflastersteine auf Lastwagen der Gendarmerie, wie ein AFP-Reporter berichtete. Vermummte und behelmte Demonstranten stimmten am Arc de Triomphe, einem Monument für Frankreichs Kriegstote, unter anderem die Nationalhymne an. Andere lieferten sich Scharmützel mit der Polizei und setzten Fahrzeuge in Brand. Die Nachrichtenagentur AP berichtet von der schlimmsten Stadtgewalt Frankreichs seit einem Jahrzehnt.

Nach Angaben von Premierminister Edouard Philippe beteiligten sich etwa 5500 Menschen an den Protesten. Er sprach von einem "selten erreichten Ausmaß der Gewalt". Die Demonstranten hätten "Symbole Frankreichs in Frage gestellt", den "Arc de Triomphe mit Graffiti besprüht" und "rund um das Grab des unbekannten Soldaten eine gewalttätige Demonstration" organisiert, sagte Philippe. Dies sei "schockierend".

Sein Büro teilte am Abend mit, dass Philippe seine Reise zum Klimagipfel nach Polen absage. Der Premier werde in Frankreich bleiben und nicht wie geplant am Sonntag und Montag an den Gipfelberatungen in Katowice teilnehmen. An seiner Stelle werde Umweltminister François de Rugy die französische Delegation leiten.

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Eskalation: Paris im Ausnahmezustand

Auf der für den Verkehr gesperrten Prachtstraße, die Champs-Élysées, befanden sich zahlreiche Lastwagen mit Bereitschaftspolizisten, Passanten wurden überprüft. Einige Schaufenster von Geschäften waren durch Holzbretter geschützt. Unter den Demonstrierenden waren auch zahlreiche Vermummte, die Barrikaden errichteten und sich Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Mehr als zwölf Metro-Stationen wurden gesperrt. Die traditionsreiche französische Warenhauskette Galeries Lafayette und andere Warenhausbetreiber schlossen angesichts der zunehmenden Gewalt ihre Türen.

Macron verurteilt Gewalt

Es gab allerdings auch friedliche Kundgebungen. Mehrere Hundert "Gelbwesten" liefen am Arc de Triomphe friedlich hinter einem Transparent her mit der Aufschrift "Macron, hör auf, uns für dumm zu verkaufen!".

Frankreichs Präsident verurteilte die Krawalle scharf. "Ich werde immer Protest akzeptieren, ich werde immer der Opposition zuhören, aber ich werde nie Gewalt akzeptieren", sagte er während einer Rede beim G20-Gipfel in Buenos Aires. Wer so gewalttätig sei, wolle keine Veränderung, sondern nur Chaos. Nichts rechtfertige Angriffe auf die Polizei, Plünderung oder Vandalismus.

Die "Gelbwesten" fordern unter anderem Steuersenkungen sowie eine Anhebung von Mindestlöhnen und Renten. Es war der dritte nationale Aktionstag an einem Samstag in Folge, wobei die Teilnehmerzahl stetig sank. Am 17. November beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums 282.000 Menschen an den landesweiten Protesten, am 24. November waren es demnach 106.000, davon 8000 in der Hauptstadt. Damals hatte es 103 Festnahmen gegeben.

mal/AP/AFP/dpa/Reuters

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