Holocaust-Überlebende Zwei Verdächtige nach Mord an 85-jähriger Jüdin festgenommen

In Paris wurde eine 85-jährige Holocaust-Überlebende getötet. Wegen des Mordes an Mireille Knoll in einer Pariser Sozialwohnung hat die Polizei nun zwei Männer in U-Haft genommen.

Tatort in Paris
AFP

Tatort in Paris


Nach dem mutmaßlich antisemitisch motivierten Mord an einer 85-jährigen Jüdin in Paris hat die französische Justiz Ermittlungen gegen zwei Verdächtige eingeleitet. Die beiden jungen Männer seien wegen vorsätzlicher Tötung in Untersuchungshaft genommen und vernommen worden, hieß es aus Justizkreisen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Frau wegen ihres jüdischen Glaubens Opfer der Gewalttat wurde.

Die Leiche der 85-jährigen Mireille Knoll war am Freitag kurz vor 19 Uhr in einer Sozialwohnung im 11. Arrondissement gefunden worden, wo sie allein lebte. Rettungskräfte hatten die Frau laut der französischen Zeitung "Le Figaro" im Schlafzimmer auf einem Bett entdeckt. Die Wohnung befand sich auf der zweiten Etage eines zehnstöckigen Gebäudes.

Eine Nachbarin hatte die Feuerwehr alarmiert, weil Brandgeruch aus der Wohnung gedrungen war. Das Feuer in der Wohnung wurde laut "Figaro" nach 40 Minuten gelöscht. Die Leiche der Frau wies Messerstiche und Verbrennungen auf. Knoll gehörte zur jüdischen Gemeinde. Schnell kam der Verdacht auf, das Verbrechen könne antisemitisch motiviert sein.

Nur knapp der Deportation entkommen

Am Wochenende wurden zwei Verdächtige festgenommen, unter ihnen ein Nachbar der alten Dame. Der 1989 geborene Mann hatte die 85-Jährige nach Angaben ihres Sohnes gut gekannt und sie öfter besucht. Nach Polizeiangaben war er wegen Vergewaltigung vorbestraft. Ein 21-Jähriger, der wegen Raubes polizeibekannt war, war am Freitag ebenfalls in dem Haus gesehen worden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich betroffen über das "entsetzliche Verbrechen". Auf Twitter bekräftigte er seine "absolute Entschlossenheit", gegen Antisemitismus vorzugehen. Der Rat der jüdischen Institutionen in Frankreich (Crif) forderte laut "Figaro" eine lückenlose Aufklärung und "totale Transparenz" bei den Ermittlungen. Die Organisation rief zu einem Gedenkmarsch für Mireille Knoll auf. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, teilte mit: "Vertreiben wir den Antisemitismus aus Europa, ein für alle Mal."

Knoll war nach Angaben ihres Sohnes 1942 nur knapp der Deportation entkommen. Sie war im Alter von zehn Jahren vor einer Großrazzia gegen mehr als 13.000 Juden in Paris mit ihrer Mutter nach Portugal geflohen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie in die französische Hauptstadt zurückgekehrt und hatte einen Holocaust-Überlebenden geheiratet.

Vor knapp einem Jahr hatte schon einmal ein Mord an einer Rentnerin die jüdische Gemeinschaft in Paris erschüttert. Der Fall hatte Kritik ausgelöst, weil die Ermittler zunächst nicht explizit von einem antisemitischen Motiv ausgegangen waren - erst im Februar stufte die Justiz die Tat an der 65-jährigen orthodoxen Jüdin als mutmaßlich antisemitisch ein.

apr/ala/AFP



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