In deutschen Partykellern Im Untergrund von Twistringen

Hier steht man am privaten Tresen, feiert Geburtstag oder probt mit der Band: Die Fotografin Janine Meyer hat sich in deutschen Partykellern umgeschaut. Für sie war es eine Reise in die Vergangenheit.

Janine Meyer

Ein Interview von


  • Kai Stuht
    Janine Meyer, Jahrgang 1985, studierte Kommunikationsdesign und Integriertes Design. Sie arbeitet seit 2015 als freiberufliche Fotografin in Hamburg.

SPIEGEL ONLINE: Für Ihre Fotoserie "Zum Lachen in den Keller" haben Sie Partykeller in Ihrem Heimatort Twistringen in Niedersachen fotografiert. Wurden da Erinnerungen wach?

Meyer: Ja, gerade im Teenageralter haben wir uns regelmäßig bei Freunden getroffen, die so einen Keller hatten. Es war ein Rückzugsort, man musste nicht bei den Eltern im Wohnzimmer sitzen - und die hatten auch ihre Ruhe. In Twistringen hatten sehr viele so einen Raum, das war fast schon normal.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind Sie dorthin zurückgekehrt?

Meyer: Ich wollte schon lange eine Serie machen, die sich mit meinem Heimatort beschäftigt. Mir sind dann die Keller eingefallen, weil ich damit sehr schöne Erinnerungen verbinde. Außerdem denke ich, dass es die bald nicht mehr geben wird.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Meyer: Jüngere Leute bauen sich nicht mehr so einen Keller. Und die, die einen haben, nutzen ihn oft nicht mehr. Wenn man diese Atmosphäre haben möchte, geht man eher in Bars oder Kneipen, die auf den alten Partykeller-Charme setzen.

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12  Bilder
Deutsche Partykeller: Hier ging es ab

SPIEGEL ONLINE: Warum waren die Keller früher so beliebt?

Meyer: Die Leute konnten spontan und ausgelassen feiern, ohne das Haus zu verlassen. Außerdem hatte man den Dreck nicht in der Wohnung und konnte nach einer Feier erst mal alles stehen lassen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Gemeinsamkeiten zwischen den Partykellern haben Sie entdeckt?

Meyer: In vielen hängen Poster, Peter Maffay ist beispielsweise sehr beliebt. Deutschlandflaggen habe ich auch einige gesehen, ebenso wie Bars mit Holzvertäfelung oder Billardtische. Ansonsten haben alle Besitzer ihre Räume sehr individuell gestaltet, manche mit großer Liebe fürs Detail.

SPIEGEL ONLINE: Die Menschen zeigen Sie aber nicht.

Meyer: Nein, mir ging es nur um die Räume. Es war aber spannend zu hören, wie euphorisch manche Besitzer über ihre Partykeller sprachen - auch wenn sie sie gar nicht mehr nutzen. Viele schwelgten in Erinnerungen. Alle waren sehr offen und haben sich gefreut, dass ich ihren Keller für meine Serie ausgewählt habe.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollten Sie die Partykeller fotografieren?

Meyer: So authentisch wie möglich. Dafür habe ich ausschließlich natürliches Licht verwendet und auf große Verschönerungen in der Nachbearbeitung verzichtet. Mir ist es wichtig, dass man beim Betrachten der Bilder ein Gefühl für den Ort bekommt, erahnen kann, wie es dort riecht, sich anfühlt - und sich womöglich an eigene Erfahrungen erinnert.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es mit Ihrem Projekt weiter?

Meyer: Die Serie ist für mich noch nicht abgeschlossen. Mich interessiert, wie Partykeller in anderen Teilen Deutschlands aussehen und ob es das Phänomen auch in anderen europäischen Ländern gibt. Wer einen Partykeller oder Hobbyraum zu Hause hat, den er gerne fotografieren lassen möchte, kann sich gerne bei mir melden.

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