Peinliche Rekrutenwerbung: Österreichs Armee zieht sexistischen Panzerspot zurück

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Dieser Schuss ging nach hinten los: Das österreichische Bundesheer wollte mit einem albernen Macho-Video für den Wehrdienst werben. Feministinnen im Land liefen Sturm gegen das frauenfeindliche Werk - mit Erfolg.

Bundesheer-Homepage: "Absolut niveaulos und peinlich" Zur Großansicht

Bundesheer-Homepage: "Absolut niveaulos und peinlich"

Hamburg - Der Werbespot hat fast alles, was junge Leute gemeinhin spannend finden: schicke Mädels, tolle Autos, flotte Beats für die Herren und kernige Jungs für die Damen.

Dem Video des österreichischen Bundesheeres fehlt leider nur eines: Ironie.

Breitbeinig sitzt da ein muskelbepackter, glatzköpfiger Mann auf dem Kühler seines Sportwagens. "Hey, Mädels, wollt ihr eine Spritztour machen mit einem flotten Flitzer?", fragt er keck zwinkernd eine Gruppe junger Frauen. Die Kamera zoomt verheißungsvoll auf ein Dekolleté, zeigt lange Beine in engen Stiefeln.

Doch die Reaktion der vier Damen ist verhalten. Nein, man passe ja gar nicht in das enge Gefährt, nörgeln sie. Was für ein Glück, dass gerade aus einer Nebelwand gegenüber ein Panzer des österreichischen Bundesheeres hervorprescht und mit einer Vollbremsung vor dem Grüppchen zum Stehen kommt.

Ein fescher Soldat entsteigt dem Kettenfahrzeug und offeriert eine Rundfahrt. Dieses Angebot kommt bei den Damen weit besser an als der Trip im schnöden Sportwagen. Als der Tank davonbraust - übrigens ohne eine der Frauen an Bord zu nehmen - laufen sie dem Gefährt sogar aufgeregt hinterher, um doch noch ein Plätzchen zu ergattern.

"Kommt zum Bundesheer", lautet die frohe Botschaft an "die Jugend ab 18". Denn alles andere sei "Alltag", heißt es zur Begründung. Der Spot ist - oder besser: war - Teil der Kampagne "Heer 4U", mit der Austrias Armee auf der eigene Website um Rekruten buhlt. Jetzt allerdings hat das Bundesheer das Filmchen kassiert, auf Veranlassung von Verteidigungsminister Norbert Darabos.

"Vollkommen unzeitgemäß"

Das lag nicht an der dilettantischen Machart - bei den Schauspielern hat man offenbar gespart. Die Laiendarsteller - im wahren Leben ein Disco-Türsteher und vier Hotelfachschülerinnen - erscheinen im Kontext des ohnehin schlecht gemachten Films vor allem unprofessionell. Viel verheerender wirkte jedoch der offen vorgetragene Sexismus.

"Das Video ist absolut niveaulos und peinlich", empört sich Judith Götz vom Referat für feministische Politik der Österreichischen HochschülerInnenschaft. "Es ist vollkommen unzeitgemäß, so eindeutig sexistisches Bildmaterial zu zeigen, wo doch längst auch Frauen in den Streitkräften arbeiten", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Kein Wunder, schließlich sei das Militär ein typischer Ort, an dem Männlichkeit "konstruiert, sozialisiert und reproduziert" werde, so die Politologin.

Hergestellt wurde das umstrittene Video in der Abteilung Personalmarketing des Heeres, das sich bei der Entwicklung laut eigenen Angaben gern von Studenten der Filmakademie Wien unterstützen lässt. "Unser Clip ist so deppert, dass es schon wieder genial ist", verteidigte Marketing-Mitarbeiter Oberst Johann Millonig in der "Süddeutschen Zeitung" den Film tapfer.

Im Verteidigungsministerium gibt man sich defensiver. "Natürlich haben wir bewusst mit Klischees gearbeitet", sagte Sprecherin Ute Axmann SPIEGEL ONLINE. Schließlich überschreite die Werbung oft bestimmte Grenzen. "Aber wir nehmen Rücksicht auf die Gefühle der Bürger." Deshalb habe man das Video von der Website entfernt.

Was natürlich wenig bringt, denn der Film ist auf dem besten Weg, in den Weiten des Internets Kult zu werden. Findige YouTube-Nutzer haben das Video kopiert, weshalb es jetzt rasant eine weite Verbreitung findet (siehe YouTube-Film oben). Was einmal im Netz ist und viral unter Abertausenden Nutzern gestreut wird, lässt sich eben nicht mehr einfangen.

Feministin Judith Götz sieht im Löschen des Videos auf den offiziellen Seiten denn auch nur "einen Pro-forma-Akt": "In Bezug auf die Geschlechtergleichheit muss sich in Österreich noch sehr viel mehr tun." Tatsächlich liegt die Alpenrepublik in Sachen Gleichstellung nicht eben weit vorn: Im "Global Gender Gap Report", der die relative Benachteiligung von Frauen in 115 Ländern untersucht, landete die Alpenrepublik auf Platz 26 - gleich hinter Tansania und Jamaika.

Die österreichischen Streitkräfte - unterfinanziert und unmodern

Für das Bundesheer kommt der peinliche Werbepatzer zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Seit Jahren unterfinanziert ist das österreichische Militär in einem desolaten Zustand. Die Ausrüstung ist laut Insidern völlig veraltet. Massive Einsparungen sollen dazu geführt haben, dass auch die Ausbildung kontinuierlich an Qualität einbüßt. Zeitungsberichten zufolge sollen inzwischen selbst Fahrten auf entlegene Übungsplätze ausfallen, weil sie zu kostspielig sind.

Das Heeresbudget sank 2008 mit 2,04 Milliarden Euro auf rund 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Damit ist Österreich neben Irland und Luxemburg das einzige europäische Land, das weniger als ein Prozent des BIP in sein Militär investiert.

LiveLeak
Auch das umstrittene Panzervideo hat sich das Bundesheer offenbar nicht selbst ausgedacht - sondern wohl von den ukrainischen Kollegen übernommen. Die Armee des osteuropäischen Landes soll der "Süddeutschen Zeitung" zufolge die Vorlage (siehe Film links) geliefert haben.

"Ich kenne dieses Video nicht", sagt die Sprecherin des Verteidigungsministeriums SPIEGEL ONLINE. Allerdings seien ähnliche Motive und Geschichten keine Seltenheit, weil die Marketingstrategen der Nato-Mitgliedsstaaten untereinander regelmäßig Ideen austauschten, zum Beispiel anlässlich einer jährlich stattfindenden audiovisuellen Arbeitsgruppe, bei der auch Videos vorgeführt würden.

Ob das auch für den neuen Film auf der Heeresseite gilt? Dort ist jetzt ein Werbevideo mit einem konditionsstarken Soldaten zu sehen, der in Rekordzeit zu einem Rendezvous rennt - mit einer langbeinigen Brünetten im kurzen Schwarzen und extrem hohen, sehr sexy Pumps.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 124 Beiträge
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1. Lappalie
Christoph 28.01.2010
Zitat von sysopDieser Schuss ging nach hinten los: Das österreichische Bundesheer wollte mit einem albernen Macho-Video für den Wehrdienst werben. Feministinnen im Land liefen Sturm gegen das frauenfeindliche Werk - mit Erfolg. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,674625,00.html
Ehrlich geschrieben, ich habe nicht die geringste Ahnung, was daran frauenfeindlich sein soll. Welcher Frau geht es durch diesen Film denn konkret schlechter? Manchmal frage ich mich, ob viele Frauen eigentlich kein Selbstbewusstsein haben, dass sie sich so schnell beleidigt fühlen (wollen). Wäre der Film mit umgekehrten Geschlechterrollen gedreht worden (also die Frauenrollen gegen Männerrollen ausgetauscht worden und umgekehrt) und ein Mann würde mir erzählen, der Film sei männerfeindlich, dann würde ich ihn auslachen.
2. Überraschung
Erebos 28.01.2010
Als ich den ukrainischen Werbefilm vor längerer Zeit im Internet sah, wurde sich dort in den Kommentaren zum Video sehr über die billige Machart lustig gemacht, zumal die Realität (im Gegensatz zu dem im Video dargestellten Verlauf der Geschichte) dann wohl doch anders aussieht als im Wunschdenken der Macher (oder besser deren Auftraggeber). Nicht im Leben hätte ich gedacht, dass ein solches Meisterwerk noch kopiert würde. Ich bin begeistert. Das Leben bietet doch noch Überraschungen.
3. Gefährliche Sekte
wilde Socke 28.01.2010
Zitat von sysopDieser Schuss ging nach hinten los: Das österreichische Bundesheer wollte mit einem albernen Macho-Video für den Wehrdienst werben. Feministinnen im Land liefen Sturm gegen das frauenfeindliche Werk - mit Erfolg. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,674625,00.html
Ja, diese "Sekte" breitet sich in Europa leider immer mehr aus und zerstört die Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Erst wenn der letzte echte Kerl vetrieben ist, werdet ihr sehen, dass Frauen mit Weicheiern keinen Spaß haben. Hier ein langer Hintergrund-Artikel über die schädlichen Wirkungen des Feminismus: http://futurist.typepad.com/ In Großbrittannien gehen Männern schon freiwillig zu Scharia-Gerichten, weil sie vom Islam besser behandelt werden als vom westlichen Staats-Feminismus.
4. Übertreibung
tobias1980 28.01.2010
Der Film ist sicher keine intelligenzmäßige Großtat; man schmunzelt höchstens anstatt zu lachen. Aber gleich wieder die Feminismus-Keule rauszuholen spricht auch Bände über die verbiesterten Emanzen, die zum Lachen wohl in den Keller gehen müssen.
5. aber
Herz_aus_Stahl 28.01.2010
aber wenn sich sexistische werbung gegen männer richtet ist alles ok oder was? Die Fernsehsender sind voll davon und die meisten juckts nicht mal....
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