Penthouse-Pädagogin Lehrerin wegen Nacktfotos vom Beruf ausgeschlossen

Weil sie sich hüllenlos für ein Magazin ablichten ließ, ist einer Pädagogin in Neuseeland die Lehr-Erlaubnis entzogen worden. Man wolle ihr viktorianische Moralvorstellungen aufzwingen, protestierte die Frau. Sie habe den gesamten Berufsstand diskreditiert, befand die Disziplinarstelle.


Wellington - "Ich bin im Schlafzimmer unterwürfig, weil ich tagsüber im Klassenzimmer die Kontrolle haben muss": Mit diesen Worten zitierte die australische "Penthouse" im Januar 2010 die neuseeländische Grundschullehrerin Rachel Whitwell. Dazu veröffentlichte das Magazin wenig inspirierte Erotik-Fotos der Pädagogin - in braven Dessous im Whirlpool, topless mit schwarzem Handschuh, als strenge Schulmeisterin mit transparentem Slip und Intellektuellenbrille an der Tafel.

"Ich habe erotische Geschichten für ein Erwachsenenmagazin geschrieben und leite ein eigenes Studio für Table-Dance", stellte sich das Model unter dem Namen "Lexy" in der Sparte "New Aussie Babes" vor. Die insgesamt sechs Fotos - davon zwei komplett textilfrei - verhalfen Whitwell zu zweifelhaftem Ruhm und jeder Menge Ärger.

Schon kurz nach der Veröffentlichung hagelte es Kritik, die unverstanden blieb: Die Fotos würden ihre Arbeit nicht beeinträchtigen, sagte sie damals der "Sunday Times". "Die Leute können bestätigen, dass ich eine gute Lehrerin bin." Außerdem sei sie davon ausgegangen, dass niemand in Neuseeland die Aufnahmen aus dem australischen "Penthouse" zu Gesicht bekommen würde, so die 29-Jährige.

Doch die Disziplinarstelle des neuseeländischen Lehrerverbandes interpretierte das Verhalten der Lehrerin als ernsthaftes Vergehen. Das Nacktfoto und Whitwells Aussagen hätten dem Ansehen des gesamten Berufsstandes geschadet, urteilten die Beamten und betonten, "dass die meisten im Lehrerberuf Frauen sind, die das Verhalten der beklagten Person (…) als besonders geschmacklos empfinden könnten". Whitwell wurde ein Berufsverbot erteilt.

"Ich habe viele verschiedene Modeljobs, dies war einer von ihnen. Ich bin nicht der Herausgeber des Magazins, es war nicht meine Entscheidung, den Inhalt so zu publizieren", führte Whitwell zu ihrer Verteidigung an. Wegen eines Fotos in einem frei verkäuflichen Magazin dürfe ihr nicht die Lehr-Erlaubnis entzogen werden.

Der Lehrerverband habe kein Recht, ihr "außerhalb des Klassenraums viktorianische Moralvorstellungen aufzuzwingen". Die 29-Jährige kündigte im Sender Radio New Zealand an, Berufung gegen die Entscheidung des Lehrerverbandes einzulegen, um nach ihrer Model-Karriere in ihren Beruf zurückkehren zu können. Whitwell hatte ihre Stelle an einer Grundschule in Auckland kurz nach Veröffentlichung der Fotos aufgegeben.

ala/AFP



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