Petzen bei GEZ Jeder achte Bundesbürger würde Schwarzseher denunzieren

Trübe Aussichten für Zahlungsverweigerer: Zwölf Prozent aller Deutschen sind laut einer Umfrage dazu bereit, Schwarzseher bei der Gebühreneinzugszentrale GEZ anzuzeigen. Schon gePEZt?


Hamburg - Ist es modernes Denunziantentum oder der legendäre deutsche Ordnungswahn? Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid ist jeder Achte in Deutschland dazu bereit, einen illegal fernsehenden Mitbürger anzuschwärzen.

Die GEZ in Köln: Immer um neue Kunden bemüht
DPA

Die GEZ in Köln: Immer um neue Kunden bemüht

Die tröstliche Botschaft der von "Bild am Sonntag" in Auftrag gegeben Erhebung: Immerhin 83 Prozent - und damit eine satte Mehrheit - der Deutschen würden auf eine Anzeige verzichten. Erstaunlich ist vor allem das Ost-West-Gefälle bei den Ergebnissen: Während in Westdeutschland nur neun Prozent der Befragten einen Menschen melden würden, der keine Rundfunk- und TV-Gebühren bezahlt, erklärten sich 21 Prozent der Ostdeutschen dazu bereit.

Derzeit erhebt die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) in Köln 17,03 Euro Rundfunkgebühren pro Monat. Die nächste Erhöhung auf 17,98 Euro ist für den Januar 2009 bereits beschlossen und ist vielen Verbrauchern bei steigenden Lebenshaltungskosten ein Dorn im Auge. Immer wieder gab es Berichte über dubiose Praktiken und rücksichtsloses Vorgehen der Gebühreneintreiber.

Einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge soll im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort sogar ein Toter von der GEZ aufgefordert worden sein, Auskunft über die Zahl seiner Rundfunk- und Fernsehgeräte zu geben. Dem seit 16 Jahren verstorbenen Helmut Utermöhlen wurden demnach Bußgeldforderungen bis 1000 Euro und Nachforderungen angedroht.

Erst kürzlich musste die GEZ eine empfindliche Schlappe einstecken: Das Verwaltungsgericht in Koblenz entschied Ende Juli, dass für beruflich genutzte Computer keine Rundfunkgebühr gezahlt werden muss. Damit wurden die Rechte der Verbraucher deutlich gestärkt, das Urteil vom Dienstag habe "grundsätzliche Bedeutung", sagte der Koblenzer Verwaltungsrichter Christoph Gietzen. Der Gebühreneintreiber kann allerdings noch in Berufung gehen.

Im vergangenen Jahr nahm die GEZ für die öffentlich-rechtlichen Sender knapp 7,3 Milliarden Euro Rundfunkgebühren ein. Weil immer mehr Haushalte aus sozialen Gründen gebührenbefreit sind, rechnet man mit in den kommenden Jahren mit steigenden Gebührenausfällen.

ala/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.