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Pferdetherapie bei Autismus Ausritt ins Leben

Rowan Isaacson: Der Pferdejunge
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Scherz Verlag/ Justin Hennard

2. Teil: Die Tür zu Rowans Welt geht einen Spalt breit auf

Erst der Tag, an dem er auf Pferd Betsy trifft, wird das Leben der Familie verändern. Rowan ist kognitiv zurückgeblieben, aber motorisch gut entwickelt. Er kennt sich aus in dem Wäldchen hinter dem Haus der Familie. In der Natur wird er ruhig. Stundenlang kann er sich auf dem Boden sitzend Sand durch die Finger rieseln lassen. Fasziniert betrachtet er ein halbe Ewigkeit ein gelb gefärbtes Blatt. Käfer und andere Kriechtiere ziehen ihn magisch an. In der Natur findet Rowan seinen Frieden. Die neurologischen Blitze, die durch seinen Körper zucken, ruhen, wenn er draußen sein kann.

Nach dem ersten Treffen mit Betsy führt Rowan seinen Vater immer wieder auf die Weide zu den Tieren. Und er beginnt zu sprechen. Er artikuliert mit Worten, was er sonst nur durch Anfälle äußern konnte - was er will und was nicht.

Betsy ihrerseits lässt eine ganz besondere Nähe zu dem Jungen zu: Während sie zu Erwachsenen durchaus ruppig ist, lässt sie Rowan gewähren. "Er ist ihr immer und immer wieder mit dem Bobbycar in die Hinterbeine gefahren. Doch sie hat sich nicht geregt", erinnert sich Isaacson.

Wende in der Mongolei

Der Vater reitet mit seinem Sohn täglich auf dem Pferd des Nachbarn. Stunden vergehen, immer länger werden die Touren. Unterwegs lacht und singt Rowan, er macht Fortschritte, reagiert auf Ansprache, äußert seinen Willen. Die Tür zu Rowans Welt geht einen Spalt breit auf. Doch zurück Zuhause ist alles beinahe unverändert. Hier spricht er nicht, hier brüllt er.

Im selben Monat, in dem Rowan die Bekanntschaft mit Betsy macht, verändert noch eine weitere Begegnung sein Leben. Rupert Isaacson begleitet eine Delegation von Buschmännern aus der afrikanischen Kalahari-Wüste zu den Vereinten Nationen und besucht mit ihnen eine Tagung traditioneller Heiler, Stammesführer und Schamanen in Kalifornien. Rowan ist mit dabei. Der Junge rennt zwischen den maskierten und bemalten Delegierten umher, schleudert seine Puppen mit aller Kraft über die Schulter in Richtung Heiler, stößt Altäre um und verstreut heilige Kräuter.

Doch Rowan reagiert auch auf den Gesang der Schamanen, auf ihre Zeremonien. Er geht mehr und mehr auf andere Menschen zu. Doch der Erfolg ist nie von Dauer. "Es war dieses Zusammenspiel aus den Pferden und den Schamanen, das ihm gut getan hat", sagt Rupert Isaacson. Er plant, mit seinem Sohn und seiner Frau in die Mongolei zu reisen - auf dem Pferd zu den Naturheilern.

Seine Frau erklärt ihn für verrückt. Zweieinhalb Jahre vergehen, bis er sich traut, die Idee noch einmal vorzubringen. "Wenn es schief geht, kann ich es Dir wenigstens ewig vorhalten", erwidert sie - und willigt ein. "Das Schlimmste, was passieren konnte war, dass nichts passiert", sagt Isaacson. Er plündert das Konto, organisiert einen Reiseführer und Kontakt zu den Schamanen.

In der Natur der Mongolei wird Rowan ruhiger, macht innerhalb kurzer Zeit große Fortschritte. Er reagiert auf seinen Namen, spielt mit Gleichaltrigen, lernt binnen weniger Tage, nicht mehr in die Windel zu machen. "Das war so, als hätte England die Weltmeisterschaft gewonnen", kommentiert der Brite. Der Fünfjährige lernt, sich in seinem Autismus zurecht zu finden, er kann mit seiner Krankheit umgehen. Es gelingt ihm immer besser, sich auszudrücken und mitzuteilen.

"Ich kann nicht sehen, dass dieses Kind autistisch ist"

Die sich rhythmisch wiederholenden Schaukelbewegungen des Reitens zwingen Rowan, seine Balance ständig neu zu finden und stimulieren so die Bereiche des Gehirns, in denen sich die Lernrezeptoren befinden. Vergleichbares passiert auch beim rhythmischen Singen und Klatschen der schamanischen Rituale.

Doch mit der Rückkehr kommen auch die Anfälle wieder. "Rowan ist als Autist in die Mongolei gefahren, und er ist als Autist zurückgekommen", resümiert Isaacson. Doch Rowan macht Fortschritte. Er lernt sprechen, besucht eine Schule. Und er findet sich nach und nach im Alltag zurecht. Er weiß, was er zu antworten hat, wenn man ihn fragt, wie es ihm geht. Er hat gelernt, sich in der Welt, die für ihn voller Reizüberflutungen steckt, zurecht zu finden. "Er braucht diese Fähigkeiten, um in unserer Gesellschaft zu überleben. Aber das bedeutet nicht, dass er nicht er selbst sein darf", sagt sein Vater. Ob er je alleine wird leben können, in einer eigenen Wohnung, mit einem Job - all das weiß Rupert Isaacson nicht.

Vor kurzem stand er gemeinsam mit seinem Sohn vor dem Londoner Aquarium. Die Schlange war lang, viel zu lang. Isaacson und seine Frau wollten Rowan den Frust der Warterei ersparen, gingen nach vorne zur Kasse für Behinderte. "Ich kann nicht sehen, wo dieses Kind autistisch sein soll", sagte die Dame hinter dem Schalter. Und verwies die Familie zurück zu den Wartenden. "Ich werte das einfach als Erfolg", sagt Isaacson.

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Ich glaube daran, dass Kinder und Tiere eine besondere Verbindung haben/aufbauen können. Aber ob das ein Pferd, oder ein Delphin sein muss bezweifle ich. Das ginge auch mit einem Hund, einer Kuh, oder jedem anderen Tier, welches [...]
Zitat von sysopRowan Isaacson ist anders als andere Kinder: Er schmeißt sich brüllend auf den Boden, schlägt seinen Kopf immer wieder gegen den Bordstein. Rowan ist Autist. Durch seinen kleinen Körper zucken Nervenblitze, das Leben ist eine Qual - bis sein Zusammentreffen mit Pferden alles verändert. .....
Ich glaube daran, dass Kinder und Tiere eine besondere Verbindung haben/aufbauen können. Aber ob das ein Pferd, oder ein Delphin sein muss bezweifle ich. Das ginge auch mit einem Hund, einer Kuh, oder jedem anderen Tier, welches z.B. ausreichen groß ist um auch ein stürmisches zusammentreffen hinnehmen zu können. Die Beschäftigung eines Therapeuten und die Begleitung des Kindes ist wichtiger, als ein exotisches Tier in fernen Ländern. MfG. Rainer
Shuzette 13.10.2009
schön für den Jungen,aber warum darf der Junge auch wenn er Autist ist der Stute immer wieder mit dem Bobycar in die Flanke fahren ohne,dass ein Erwachsener eingreift nur weil ein Tier sich ziemlich viel gefallen lässt muss man es [...]
schön für den Jungen,aber warum darf der Junge auch wenn er Autist ist der Stute immer wieder mit dem Bobycar in die Flanke fahren ohne,dass ein Erwachsener eingreift nur weil ein Tier sich ziemlich viel gefallen lässt muss man es nicht zu lassen sondern es auch vor dem Kind beschützen. Aber das ist leider das was man auch bei nicht autistischen Kindern erlebt die stauchen nach Hunden ziehen sie am Schwanz packen grob Katzen aber wehe man sagt was,dann heißt es lassen sie ihn doch der will nur spielen und es ist ja schließlich nur ein Kind aber wehe,das Tier wehrt sich,dann ist natürlich böse. Ich halte nicht viel von der Delfin Therapie,da meistens Tiere in Becken verwendet werden,die dort eigentlich nicht hingehören aber bei Haustieren die für den Job ausgebildet wurden und gegebenenfalls von ihrem Trainer vor den Kindern beschützt wurden habe ich nichts im Gegenteil ich halte es sogar für sinnvoll,aber eben nur kontrollierten Bedingungen für beide Seiten.
shenshen_ie 13.10.2009
Ich denke, das laesst sich von aussen nicht beeinflussen, auf welches Tier das Kind reagiert oder nicht. Selbst bei normalen Kindern nicht.
Zitat von Rainer HelmbrechtIch glaube daran, dass Kinder und Tiere eine besondere Verbindung haben/aufbauen können. Aber ob das ein Pferd, oder ein Delphin sein muss bezweifle ich. Das ginge auch mit einem Hund, einer Kuh, oder jedem anderen Tier, welches z.B. ausreichen groß ist um auch ein stürmisches zusammentreffen hinnehmen zu können. Die Beschäftigung eines Therapeuten und die Begleitung des Kindes ist wichtiger, als ein exotisches Tier in fernen Ländern. MfG. Rainer
Ich denke, das laesst sich von aussen nicht beeinflussen, auf welches Tier das Kind reagiert oder nicht. Selbst bei normalen Kindern nicht.
trettjan 13.10.2009
"Nur wenige Autisten weisen eine geistige Behinderung auf - die meisten hingegen haben ganz besondere intellektuelle Fähigkeiten." Diese Information ist schlichtweg falsch. Bei 70 Prozent der betroffenen Menschen [...]
"Nur wenige Autisten weisen eine geistige Behinderung auf - die meisten hingegen haben ganz besondere intellektuelle Fähigkeiten." Diese Information ist schlichtweg falsch. Bei 70 Prozent der betroffenen Menschen findet sich eine Intelligenzminderung. Besondere intellektuelle Fähigkeiten sind eine ausgesprochene Seltenheit (vgl. "Savant-Autismus").
Sonja Röder 13.10.2009
Die Grundkenntnisse in Sachen Autismus sind allgemein noch sehr bescheiden, um nicht zu sagen: äußerst sparsam im Geiste. In den Köpfen vieler schwirrt immer noch die nachhaltig nach Bettelheim u. a. die lieblose karrieregeile [...]
Die Grundkenntnisse in Sachen Autismus sind allgemein noch sehr bescheiden, um nicht zu sagen: äußerst sparsam im Geiste. In den Köpfen vieler schwirrt immer noch die nachhaltig nach Bettelheim u. a. die lieblose karrieregeile Kühlschrankmutter, die ihr Kind zum fühllosen Monster verdirbt. – Nach (dem guten Film) Rainman mit Dustin Hoffmann ist andererseits die Vorstellung eines Hochbegabten, besser noch: eines Savants, gewachsen. O-Ton: "Autismus? Interessant! Was kann Ihres denn Besonderes?" Sie sollen doch wenigstens auswendig Telefonbücher in Operetten singen. Für den Großteil der Autisten sind diese beiden Bilder fühllos und hochbegabt unbrauchbar. Die Folge ist für Betroffene und Eltern eine noch stärkere soziale Isolation. Nachbarn, Freunde: quitt; Kinderärzte: Randständiges Wissen. Autismus ist Autismus - frühkindlicher über Asperger bis hin zu high functioning Autismus: Ab in einen Krankheitspott. - Erzieher, Lehrer, selbst Sonderpädagogen: Wenn Autismus in ihrer Ausbildung oder im Studium glückseligerweise vorkam, so haben sie oftmals Silberhochzeit mit ihrer Wissensaquisition gefeiert ohne irgendeinen Luxus von Fort- oder Weiterbildung. Aussonderung auch von Autisten in Förderschulen ist in Deutschland erbärmliche Regel; Die UN-Konvention zur Integration, besser noch: Inklusion behinderter Kinder, die Schlußlicht Deutschland dann peinlich spät aber immerhin unterschrieben hat, ist in den Schulen noch nicht angekommen. Ein Kind kann lesen seit es drei ist, es braucht aber mit fünf noch eine Windel: In der Bemühung um einen Platz für ein hochbegabtes autistisches Kind im Gemeinsamen Unterricht werden Eltern behandelt, als kämen sie von den Zeugen Jehovas: mit dem OUTistischen Geschöpf ein unliebsames, überflüssiges Angebot im Gepäck, die Schulen haben doch auch so ihre "Klientel", und, so die Lehrer: Sind wir denn nicht genug belastet mit Schülern mit Migrationshintergrund oder Kindern aus sozial schwachen Familien, so lautet der Vorwurf. O-Ton einer Direktorin einer Bonner Gesamtschule: Autismus, das hört man ja jetzt öfters, gibt es das schon länger? - Der Rechtsanspruch ist da, die Praxis kennt Einzelfälle von Autisten, die das Abi schaffen dürfen. Nach den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz sollen Lehrer fast ein therapeutisches Wirken an den Tag legen – leider bislang meist ohne die Möglichkeit, Elementarwissen im Vorfeld zu erwerben. Fortbildung: keine Zeit, kein Geld. Konzepte, Pilotprojekte wie das eines additiven Kindergartenmodells für Autisten, knapp: eine Mischform zwischen integrativer und heilpädagogischer Form: zwei autistische Kinder, acht im Normalverständnis gesunde Kinder, zwei Erziehende mit profunden Kenntnissen oder Erfahrungen - sie versanden. Eltern finden die kleinen Klassen genial, nur: färbt der Autismus nicht ab, steckt er gar an? ... Sonja Röder, Bonn
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Autismus
Kindliche Entwicklungsstörung, die sich in einer gestörten Beziehung zur äußeren Umwelt manifestiert. Die Kinder reagieren darauf mit einem Rückzug in eine eigene Vorstellungs- und Gedankenwelt und isolieren sich häufig von ihrer Umgebung, sprechen kaum und bauen keine engen Beziehungen zu Bezugspersonen wie Eltern und Geschwistern auf. Autismus tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf. Überdurchschnittlich häufig haben Autisten eine sogenannte Inselbegabung – auch Savant-Syndrom genannt. Sie bezeichnet das Phänomen, bei dem Menschen, oft mit kognitiver Behinderung , in einem kleinen Teilbereich außergewöhnliche Leistungen vollbringen. mehr auf der Themenseite...

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