Philippinen nach dem Taifun Mit Gottes Hilfe

Die Menschen auf den Philippinen leiden unter den Folgen von Taifun "Haiyan", doch sie finden auch Zuflucht - im Glauben. Die Philippinen sind ein katholisches Land, die Kirche hat großen Einfluss auf den Alltag und die Politik des Landes.

AFP

Cristina Gonzales glaubte nicht daran, dass sie an diesem Tag sterben sollte. Sie glaubte an Gottes Hilfe und das Leben. Die Frau von Taclobans Bürgermeister Alfred Romualdez hatte mit ihren beiden Töchtern das am Meer gelegene Familiendomizil verlassen und in einem Gästehaus im Landesinneren Zuflucht vor dem herannahenden Taifun gesucht.

Doch auch hier waren sie nicht sicher. Der Sturm riss das Dach des Hauses weg, und er brachte Wassermassen mit sich. Cristina Gonzales und ihre Töchter suchten Halt, klammerten sich an Dachbalken. Die Kinder hätten furchtbare Angst gehabt, erzählte die beliebte Schauspielerin dem "Philippine Daily Inquirer".

Sie selbst suchte innere Zuflucht bei Gott, Stärke im Glauben: "Ich habe einfach gebetet. Gebetet und gebetet, mit meinen Kindern", sagte sie der Zeitung. Psalm 91 habe sie rezitiert ("Der Herr ist deine Zuflucht, du hast dir den Höchsten als Schutz erwählt") und Kirchenlieder gesungen, um ihren Kindern Kraft zu geben.

Kreuze baumeln vom Rückspiegel

Für Cristina Gonzales ist klar, dass Gott sie erhört hat. Diese Überzeugung teilt sie mit vielen Überlebenden der Katastrophe. Die Philippinen sind seit der Eroberung durch die Spanier im 16. Jahrhundert ein katholisches Land, das einzige in Südostasien. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum katholischen Glauben, für viele Menschen gehören Kirchenbesuche und Gebete zum Alltag. In den meisten Taxis oder Bussen baumeln Kreuze vom Rückspiegel oder kleben Madonnenbilder auf dem rostigen Blech.

An Karfreitag lassen sich Gläubige an Kreuze nageln, um damit an die Leiden Jesu zu erinnern und Sünden zu sühnen. Das Ritual ist umstritten, von der katholischen Kirche wird es verurteilt, und doch findet es alljährlich statt.

Die katholische Kirche ist neben der Politik und dem Militär die dritte bedeutende Macht im Archipel. Die Bischöfe mischen sich ungeniert in gesellschaftliche und politische Fragen ein und predigen vor wichtigen Wahlen von der Kanzel, an welcher Stelle gute Christen beim Urnengang ihr Kreuz zu setzen haben.

"Kooperation und Gebete werden unserer Nation helfen..."

Kirche und Politik sind auf den Philippinen untrennbar miteinander verbunden: Geistliche waren am Sturz von Ex-Diktator Ferdinand Marcos beteiligt. Und sie gingen auf die Barrikaden, als der jetzige Präsident Benigno Aquino sich für die sogenannte Reproductive Health Bill aussprach. Das erbittert umkämpfte Gesetz sieht unter anderem Sexualkundeunterricht in Schulen vor und die kostenlose Ausgabe von Kondomen an Arme. Obgleich Millionen Kinder im Inselstaat jährlich in große Armut hineingeboren werden, gilt Verhütung der erzkonservativen katholischen Kirche als Teufelswerk. Landesweit wurde von Kanzeln gegen das gottlose Gesetz gewettert. Geholfen hat es dieses eine Mal nicht, die Zustimmung war groß, auch wenn noch eine Entscheidung des obersten Gerichtes über die Einführung aussteht. Inzwischen sprechen die Kardinäle auch wieder mit Präsident Aquino.

Dieser riet seinen Landsleuten nach "Haiyan": "Zusammenhalt und Gebete werden unserer Nation helfen, diese Katastrophe zu überstehen!" In zahlreichen Kirchen des Landes werden Gedenkgottesdienste für die Opfer des brutalen Taifuns abgehalten. Für die meisten Philippiner ist die Kirche ein Zufluchtsort, ein Hort der Ruhe.

Umso irritierter reagiert die Öffentlichkeit, wenn ein Prominenter einen unreligiösen Kommentar von sich gibt. So wie der Bürgermeister von Davao City, Rodrigo Duterte. Der Politiker von der südlichen Insel Mindanao war nach Leyte geflogen, um Hilfsgüter zu bringen.

Angesichts der Zerstörungen sagte er laut philippinischen Zeitungsberichten: "Gott muss irgendwo anders gewesen sein, oder er hat vergessen, dass es den Planeten Erde gibt."

Die Äußerung löste wütende Kommentare aufgebrachter Leser aus. Dutzende ließen sich über die gottlose Bemerkung Dutertes aus.

Wenige wiesen darauf hin, dass sich die Debatte doch um die Katastrophe in Tacloban drehen müsse, nicht um Glauben und Kirche. Doch auf den Philippinen ist beides nicht zu trennen.

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
zorga 13.11.2013
1. Gott?
"Angesichts der Zerstörungen sagte er laut philippinischen Zeitungsberichten: "Gott muss irgendwo anders gewesen sein, oder er hat vergessen, dass es den Planeten Erde gibt." Die Äußerung löste wütende Kommentare aufgebrachter Leser aus. Dutzende ließen sich über die gottlose Bemerkung Dutertes aus." Warum sind die Menschen so dumm? Wenn es einen Gott gäbe, dann hätte er sowas nicht zugelassen. Statt sich zu freuen, dass jemand die Wahrheit sagt, flippen alle aus. Religionen sind das schlimmste Übel dieser Erde.
Sentinel 13.11.2013
2. Kirche für die hohen Opferzaheln mitverantwortlich
Leider sind die weitverbreitete Kirchenhörigkeit in den Philippinen und der Mangel an Familienplanung auch dafür verantwortlich, dass immer mehr Menschen an Strassenränderm, Flussufern und in Überschwemmungsgebieten leben muss. Religion sollte den Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, nichts eines in wackeligen Holzbauten direkt am Rande des Meeres, somit den Taifunen und Fluten hilflos ausgesetzt.
Bernd R. 13.11.2013
3. Hirn an, (Aber-) Glauben aus
10 oder mehr Taifune im Jahr. Wenn's einen Gott gäbe, scheint er seine philippinischen Schäfchen nicht wirklich gern zu haben ... Aber manche lernen's irgendwie nicht. Ohne diese Kirchenhörigkeit stünde es vermutlich besser um die Philippinen.
outsider-realist 13.11.2013
4.
Zitat von zorga"Angesichts der Zerstörungen sagte er laut philippinischen Zeitungsberichten: "Gott muss irgendwo anders gewesen sein, oder er hat vergessen, dass es den Planeten Erde gibt." Die Äußerung löste wütende Kommentare aufgebrachter Leser aus. Dutzende ließen sich über die gottlose Bemerkung Dutertes aus." Warum sind die Menschen so dumm? Wenn es einen Gott gäbe, dann hätte er sowas nicht zugelassen. Statt sich zu freuen, dass jemand die Wahrheit sagt, flippen alle aus. Religionen sind das schlimmste Übel dieser Erde.
Immer das gleiche bla bla.....als ob eine Welt voller Atheisten eine bessere wäre. Erzählen sie mal ihre Erkenntnis den Menschen in Nordkorea. Einem Land frei von jeder Religion.
mischamai 13.11.2013
5. Glaube
Verheerend wenn Menschen an etwas glauben was es nicht gibt.So langsam müsste doch auch der Letzte erkannt haben das es immer die gleichen Menschen trifft,gäbe es da auch nur im Anschein eine fremde Macht die helfend zur Seite stehen würde,so hätten die Menschen schon lange etwas davon verspürt.Leider aber verfallen sie immer wieder dem Gift des Glaubens.
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