Philippinen Hunderttausende bei Prozession unterwegs, ein Gläubiger stirbt

Sie erhoffen sich Sinn fürs Leben und glauben an Heilkräfte: Auf den Philippinen läuft die größte religiöse Prozession des Landes. In Manila wollen Hunderttausende dem "Schwarzen Nazarener" nahekommen.

AFP

Bei der größten religiösen Prozession auf den Philippinen ist am Samstag ein Mann gestorben. Der 27-Jährige habe Krämpfe gehabt und sei dann bewusstlos geworden, teilte das Rote Kreuz mit. Im vergangenen Jahr starben bei der Prozession zwei Menschen.

Bei der Feier sind mehr als eine Million Gläubige auf den Beinen. "Die Menschenmassen sind wie eine Welle im Meer", sagte der Direktor der Zivilverteidigung von Manila, Johnny Uy. Die Menschen huldigen in der Millionenmetropole einer lebensgroßen Jesus-Statue, dem "Schwarzen Nazarener", die jedes Jahr am 9. Januar durch die Straßen getragen wird. Eindrücke von der Größenordnung der Prozession liefert unsere Fotostrecke.

Prozession in Manila: Viele Menschen auf engem Raum
DPA

Prozession in Manila: Viele Menschen auf engem Raum

Die Philippinen sind das einzige mehrheitlich katholische Land Asiens. Mehr als 80 Prozent der Einwohner sind Katholiken, und die meisten sind tiefgläubig. Spanische Missionare brachten die Statue im 17. Jahrhundert aus Mexiko mit. Sie ist wahrscheinlich schwarz, weil bei der Überfahrt ein Brand an Bord des Schiffes ausbrach.

"Der Nazarener unser Herr hat meinem Leben Sinn gegeben", erzählte der 30-jährige Bauarbeiter Nino Barbo der Nachrichtenagentur AFP. Der tätowierte Mann mit einem Metallohrring sagte, er habe sich das sechste Jahr in Folge für die Prozession freigenommen, um die Statue berühren zu können.

Viele Gläubige versuchen, die Statue zu küssen oder Lappen zu ergattern, die die Statue berührt haben. Sie glauben, dass die Tücher dann magische Kräfte haben und etwa Kranke heilen können. "Wenn Familienmitglieder krank werden, machen wir ihnen damit kalte Umschläge", sagte die 36-jährige Hausfrau Dang Villacorta, die mit ihrer Familie in einem Park auf die Prozession wartete. "Auf diese Weise sparen wir uns das Geld für den Arzt."

Wegen der Menschenmassen dauert die Prozession oft mehr als 20 Stunden. Bei sengender Hitze fallen jedes Jahr Hunderte Gläubige in Ohnmacht oder werden im Gedränge verletzt.

mbö/dpa/AFP

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