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Pilgerstrom: Tausende Christen feiern Weihnachten in Bethlehem

Zum Auftakt der Weihnachtsfeierlichkeiten sind Tausende Pilger in den Nahen Osten geströmt: Heiligabend im Heiligen Land hat für Gläubige einen besonderen Reiz - viele zieht es traditionell zur Geburtskirche nach Bethlehem.

24. Dezember: Heiligabend in Bethlehem Fotos
REUTERS

Bethlehem - Sie sind auf der Suche nach einem ganz besonderen Weihnachten: Tausende Gläubige feiern Heiligabend in Bethlehem. Am Samstagnachmittag erreichte die traditionelle Weihnachtsprozession aus Jerusalem die kleine Stadt im Westjordanland. Vor allem palästinensische Christen, aber auch Besucher aus aller Welt hatten die Prozession mit dem Lateinischen Patriarchen Fouad Twal an der Spitze stundenlang auf dem Manger-Platz bei der Geburtskirche erwartet. Palästinensische Pfadfinder marschierten zu lauter Dudelsack- und Trommelmusik über den Platz, der auch Krippenplatz genannt wird.

Die Kolonne aus etwa 30 Autos musste auf dem Weg in die Stadt, in der nach christlicher Überlieferung Jesus geboren wurde, die israelischen Sperranlagen zum Westjordanland passieren. Dafür wurde ein großes Eisentor geöffnet, das sonst nur dem israelischen Militär zur Verfügung steht.

Die Geburtskirche aus dem 6. Jahrhundert ist eines der ältesten christlichen Bauwerke und wurde über der Grotte errichtet, in der Jesus nach christlicher Überlieferung geboren wurde. Die Grotte befindet sich unter dem Hauptaltar der Kirche. Twal, ranghöchster Vertreter des Vatikans im Heiligen Land, liest wie jedes Jahr in der Katharinenkirche unmittelbar neben der Geburtskirche die Mitternachtsmesse.

"Hier ist die Atmosphäre zu Weihnachten ganz anders als in Deutschland", sagte eine Besucherin aus München. "In Deutschland hat man oft diesen Stress vor Heiligabend, aber hier sind alle ganz gelassen, man denkt gar nicht, dass heute Weihnachten ist." Bethlehem hat nur knapp 30.000 Einwohner, davon 27 Prozent Christen. Israel hat für die Weihnachtszeit mehrere tausend Reisegenehmigungen für Palästinenser aus dem Westjordanland ausgestellt.

Erzbischof Zollitsch moniert "Fehlentwicklung"

Die katholische Kirche in Deutschland beklagt unterdessen eine zunehmende Sinnentleerung des Weihnachtsfestes. "Wenn der Schwerpunkt oder der ganze Sinn von Weihnachten auf Geschenke und Konsum reduziert wird, ist das eine Fehlentwicklung", kritisierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, in der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung".

Dass die eigentliche Weihnachtsbotschaft ansprechend sei, sehe man jedoch an den gut besuchten Weihnachtsgottesdiensten. "Ich bin mir sicher, dass der Besuch der Christmette für manchen Anlass ist, die eigene Beziehung zu Gott wieder zu vertiefen", sagte Zollitsch.

Ähnlich äußerte sich der Münchner Kardinal Reinhard Marx. "Ich bin sehr froh über jeden, der sagt, für mich gehört der Gottesdienstbesuch zu Weihnachten dazu. Jeden Sonntag volle Kirchen wären schön. Aber dass an Weihnachten so viele Menschen kommen, zeigt, dass die Suche nach Gott nicht aufhört und Jesus auch heute die Menschen anzieht", sagte Marx der "Bild"-Zeitung.

Zugleich machten die katholischen Theologen deutlich, dass sie mit Sorge auf die Schuldenkrise in Europa blicken. Zollitsch forderte, Europa dürfe "nicht nur eine Frage der Euro-Rettung sein, sondern muss wieder stärker als Wertegemeinschaft wahrgenommen werden, die ganz andere Grundlagen hat".

EKD-Ratsvorsitzender kritisiert "Abgrenzung" durch den Papst

Marx sagte auf die Frage, was er sich zu Weihnachten wünsche: "Ich würde mir wünschen, dass Europa seine geistigen und geistlichen Wurzeln wiederfindet - einen Zusammenhalt, der über das Ökonomische hinausgeht. Es geht um viel mehr als den Euro, es geht um die Zukunft und um die Identität unseres Kontinents. Beides ist ohne das Christentum für mich allerdings nicht vorstellbar." Deswegen seien Politiker so wichtig, "die aus dem christlichen Menschenbild heraus handeln und auch selber betende Menschen sind".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat zum Weihnachtsfest eine gemischte Ökumene-Bilanz 2011 gezogen. Im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" kritisierte Schneider die öffentliche Rede von Papst Benedikt XVI. bei dessen Besuch im Erfurter Augustinerkloster im September.

Diese Rede sei "von Distanz und Abgrenzung bestimmt" gewesen, ganz im Gegensatz zu der Begegnung zuvor: "Die persönliche, nicht-öffentliche Begegnung mit dem Papst war sehr herzlich, sehr brüderlich. Dabei hat er sowohl Martin Luther als auch die Reformation deutlich gewürdigt." Schneider sagte weiter: "Wir wollen mit den Katholiken in Deutschland bis zum Reformationsjubiläum 2017 zu einer gemeinsamen Aufarbeitung unserer Geschichte kommen."

wit/dpa/dapd

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Verwirrte
marcshit 24.12.2011
Zitat von sysopZum Auftakt der Weihnachtsfeierlichkeiten sind Tausende Pilger*in den Nahen Osten*geströmt: Heiligabend im Heiligen Land hat für Gläubige einen besonderen Reiz - viele zieht es traditionell zur*Geburtskirche nach Bethlehem. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,805722,00.html
Is Jesus nicht im Sommer geboren worden? Ich meine der historische JC, nich der aus dem Märchenbuch. Schon erschreckend, die Unkenntnis über die eigentlichen Hintergründe des Weihanchtsfestes.......
2. Wenn ich Erfinder der Sprache wäre ...
caecilia_metella 25.12.2011
"Marx sagte auf die Frage, was er sich zu Weihnachten wünsche: "Ich würde mir wünschen, dass Europa seine geistigen und geistlichen Wurzeln wiederfindet..." Wenn ich also viele Institutionen mit der Pflege des Wortes beauftragt hätte (Gott war und ist wohl immer noch das Wort), dann würde ich jetzt sagen: Herr Marx! Sie sind schon ganz nah dran! Wagen Sie es! Sie dürfen! Sie dürfen sich etwas wünschen. Zur Feier des Tages. Oder: Wünschst du dir etwas, mein Sohn? Ja? Ich auch.
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