Polizei-Einsatz in Großbritannien Notruf aus Einsamkeit

Britische Polizisten haben auf den Hilferuf eines älteren Ehepaars reagiert. Sie hatten es dann allerdings nicht mit einem klassischen Notfall zu tun, sondern mit zwei einsamen Menschen. Die Beamten blieben zum Plausch. Nun werden sie gelobt - und kritisiert.


Der Notruf ging am Dienstagnachmittag ein. Eine 95-jährige Frau war am Apparat, es war nicht leicht zu verstehen, was genau geschehen war. Die Polizei vermutete, ihrem Ehemann sei etwas zugestoßen, deshalb schickte sie zwei Beamte zum Haus der Frau. Er habe gedacht, der Mann sei gestürzt, sagte Polizist Stu Ockwell. Als er jedoch mit seinem Kollegen bei dem älteren Ehepaar ankam, sei schnell klar gewesen, dass keine medizinische Hilfe nötig war. "Es war ein Notruf aus Verzweiflung", zitiert der britische "Telegraph" den Polizisten.

Er und sein Kollege hätten ein "bezauberndes älteres Pärchen" vorgefunden, das sich umeinander kümmere. Den beiden falle die Pflege füreinander aufgrund ihres Alters jedoch recht schwer. "Alles, was sie brauchten, war ein wenig Gesellschaft."

Also blieben die beiden Beamten im Haus der Senioren, sie verbrachten dort etwa eine halbe Stunde, heißt es in dem Bericht. Sie kochten Tee und hörten sich die Geschichten des Seniors Fred Thomson an, der aus dem Krieg erzählte. Er sei ein "großartiger Mensch", sagte Ockwell anschließend. Thomson habe ihn sehr zum Lachen gebracht und ihm den Tag versüßt.

Später twitterte der Polizist über den ungewöhnlichen Einsatz: Er habe es gerade mit einem Paar im Alter von 95 Jahren zu tun gehabt, schrieb er auf dem Account seines Arbeitgebers, der Polizei in Middleton im Metropolitan County Great Manchester. "Sie haben die Polizei gerufen, weil sie einsam waren. Was hätten wir anderes tun können, als ihnen eine Tasse Tee zu kochen und zu plaudern."

Zahlreiche Twitter-Nutzer reagierten positiv auf diese Nachricht. Sie lobten die Polizei für ihre "Menschlichkeit". Es gehe nicht nur darum, die Bösen zu jagen, sondern auch darum, sich um die Guten zu kümmern, so der Tenor.

Doch es gab auch Kritik. Die Geschichte klinge nett, schrieb ein Nutzer. Doch die Polizei solle sich besser um ernsthafte Zwischenfälle kümmern und Mörder oder Bankräuber jagen.

Die Polizei habe zahlreiche solcher Beschwerden bekommen, sagte Ockwell laut der Zeitung. Ihm liege jedoch viel an dieser "menschlichen Seite der Polizeiarbeit". Das Paar werde aber auch von Nachbarn und der Familie unterstützt. "Manchmal tun sich Menschen schwer, gerade in dieser Jahreszeit. Aber Hilfe ist da."

Thomson selbst scheint sich über den Einsatz der Beamten gefreut zu haben. "Es war schön, zur Abwechslung mal jemand anderen zum Reden zu haben", sagte er in einem Video, das der "Telegraph" veröffentlichte. "Es tat sehr gut zu wissen, dass Hilfe da ist. Und es tat gut, mit ihnen zu sprechen. Denn manchmal kannst du dich ein bisschen isoliert fühlen, wenn du älter wirst."

aar

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.