Ausbildung zur Polizistin in L.A. Eine muss den Job ja machen

Eine Afroamerikanerin gibt ihren Job auf, um Polizistin zu werden - zu einer Zeit, in der Polizeigewalt gegen Schwarze Dauerthema ist. Warum tut die 36-Jährige das? Fotografen haben sie bei der Ausbildung begleitet.

AP

Renata Phillip arbeitete seit elf Jahren als Lehrerin, als sie ihrer Familie eine Mitteilung machte: Sie werde die Schule verlassen und Polizistin werden. Phillip ist schwarz. Und ihre Entscheidung kommt zu einer Zeit, in der immer wieder Gewalt von US-Polizisten gegen unbewaffnete Schwarze die Schlagzeilen bestimmt.

Phillip wuchs in der überwiegend von Weißen bewohnten Stadt Diamond Bar 30 Meilen östlich von Los Angeles auf. Rassenfragen seien für sie keine Motivation gewesen, die Polizisten-Ausbildung im vergangenen Jahr zu beginnen. Aber sie seien inzwischen eine Motivation geworden, die Ausbildung zu beenden. "Alles war passiert treibt mich an, ein wenig härter zu arbeiten", sagt die 36-Jährige.

Sie will all jenen ein positives Beispiel sein, die noch nie mit einem schwarzen Polizisten zu tun hatten. Asia Hardy weiß, wovon Phillip spricht. Sie ist ebenfalls schwarz, wuchs ebenfalls behütet auf und arbeitet seit einem Jahr in einer der gefährlichsten Gegenden von Los Angeles. "Ich wusste, dass dort viele Afroamerikaner leben", sagt sie. "Sie sehen mich und wissen 'Wow, da ist eine Polizistin, eine schwarze Polizistin.' Ich wollte dieses Beispiel sein."

Polizei hat Probleme, schwarze Rekruten zu gewinnen

Hardy sagt, Phillip könne sich nicht nur auf Lob einstellen. "Manchmal werde ich als Verräterin bezeichnet", sagt Hardy. Dann werde ihr gesagt: "Warum tust du die Arbeit der Weißen?" Aber es gebe auch viele Menschen, die sich freuten, dass eine Schwarze in der Polizei präsent sei. Wenn ein Mädchen sage: "Schau mal Mama, da ist eine Polizistin", dann verschönere das ihren Tag. "Ich will, dass dieses Mädchen weiß, dass es auch zur Polizei gehen kann, wenn es groß ist."

Phillip spricht ein Problem an: Vielerorts tut sich die Polizei damit schwer, schwarze Rekruten zu gewinnen. Ein Beispiel: Die Polizei von Los Angeles wurde 2004 von der Regierung dazu angehalten, mehr Angehörige ethnischer Minderheiten anzustellen. Selbst in dem Fall wurden die Vielfältigkeits-Ziele verfehlt.

Phillip ist eine von zwei schwarzen Frauen unter 84 Rekruten. Mehr als die Hälfte sind weiße oder hispanische Männer. Laut Ausbilder Scott Gage schaffen nur drei von hundert Bewerbern das einjährige Training.

"Lasst die Proteste hinter euch und schickt uns eure Bewerbung"

Nun, da die Spannungen zwischen Polizei und Bevölkerung allzu oft blutig enden, wird es nicht leichter, etwa Schwarze für den Polizeidienst zu begeistern. Stellvertretend dafür steht die Aussage des Polizeichefs von Dallas, David Brown. Er ist schwarz und appellierte nach den tödlichen Schüssen auf fünf Polizisten im vergangenen Monat an schwarze Demonstranten: "Dient eurer Gemeinde. Wir stellen ein. Lasst die Proteste hinter euch und schickt uns eure Bewerbung."

Renata Phillip hat diesen Schritt längst vollzogen. Als Lehrerin stellte sie fest, dass sie immer mehr Zeit damit zubrachte, ihren Schülern bei außerschulischen Problemen zu helfen. Ein Teenager starb bei Gang-Streitigkeiten, worauf der Freund des Opfers in der Schule störte, kriminell wurde und Drogen nahm. Phillip fand heraus, weshalb er sich so schlecht entwickelt hatte und schaffte es, ihn an eine andere Schule zu schicken - weit weg von negativen Einflüssen.

ulz/AP



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