Waldbrand in Portugal "Noch viel Wald, der brennen kann"

In Portugal kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen einen verheerenden Waldbrand. Die Flammen fressen sich immer weiter vorwärts, ein Ende des Infernos ist nicht in Sicht.

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Mit Hundertschaften kämpft die Feuerwehr in Portugal gegen eine Flammenwalze. Der schlimmste Waldbrand seit Beginn der Aufzeichnungen könnte in dem Land noch mehr Opfer fordern als bisher. Die Flammen in der bergigen Waldregion im Bezirk Leiria nordöstlich von Lissabon bedrohen mehrere Dörfer. Auch die Nachbarbezirke Coimba und Castelo Branco seien inzwischen in Gefahr, berichtet die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa.

Feuerwehr, Zivilschutz und das Militär leisten Schwerstarbeit. Trockenheit, Temperaturen über 30 Grad sowie starke Winde erschweren ihr Vorankommen zusätzlich. Im Kreis Pedrógao Grande sind einer Mitteilung des Zivilschutzes zufolge mehr als 900 Feuerwehrleute mit 3000 Fahrzeugen und vier Löschflugzeugen im Einsatz.

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Waldbrand in Portugal: Das Feuer wütet weiter

Mindestens 62 Menschen starben bisher durch das Feuer. Viele Opfer wurden auf der Flucht in ihren Autos überrascht und verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Portugiesische Behörden warnen, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen kann. Einige betroffene Dörfer habe man wegen des wütenden Brandes nicht erreichen können, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Jorge Gomes. Schon jetzt ist es der Waldbrand mit den meisten Todesopfern in Portugal seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Feuerwehrchef von Pedrógao, Rui Barreto, warnte: "Es gibt noch viel Wald, der brennen kann."

Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. "Die Tragödie schockiert uns durch ihre Dimension", sagte Ministerpräsident António Costa. Die EU sagte Portugal Hilfe zu. Auf Bitte des Landes würden Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe sofort drei Maschinen zugesagt. Zusätzlich helfe Spanien mit zwei Flugzeugen.

Auch die Bundesregierung bot Portugal Hilfe an, Kanzlerin Angela Merkel brachte gegenüber dem Ministerpräsidenten António Costa die Anteilnahme der Deutschen zum Ausdruck. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schickte Rebelo de Sousa ein Kondolenzschreiben.

Das Feuer war am Samstag infolge eines Blitzschlags in Pedrógao Grande ausgebrochen. Menschen irrten durch zerstörte Dörfer, liefen hilflos über Felder. Augenzeugen berichteten von verzweifelten Schreien der Anwohner, die nach Angehörigen suchten.

Video: Rettungskräfte stoßen auf immer weitere Opfer

asz/dpa/Reuters



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