Waldbrände in Portugal Zivilschutz korrigiert Berichte über abgestürztes Löschflugzeug

In Portugal ist doch kein Löschflugzeug abgestürzt. Der Katastrophenschutz in Lissabon korrigierte am Dienstagabend frühere Angaben. Ungeachtet dessen wird Kritik an den Behörden im Umgang mit den Waldbränden laut.

Löschflugzeug im Einsatz (Symbolbild)
AFP

Löschflugzeug im Einsatz (Symbolbild)


Verwirrung um ein angeblich in Portugal abgestürztes Löschflugzeug: Der Zivilschutz des Landes dementierte am Dienstagabend Berichte, wonach eine Maschine im Waldbrandgebiet rund um Pedrógão Grande verunglückt sei. Zahlreiche Medien hatten zuvor unter Berufung auf die örtlichen Behörden berichtet, in der Region sei eine Canadair-Maschine abgestürzt, die am Kampf gegen die Flammen beteiligt gewesen sei.

Laut der Zeitung "Público" berichteten Feuerwehrleute zudem, sie hätten einen Knall gehört und einen Feuerball gesehen. Der Zivilschutz erklärte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein anderes Fluggerät verunglückt sei, das aber nichts mit den Löscharbeiten zu tun habe, oder dass Gasflaschen im Feuer explodiert seien. In der Region sind elf Löschflugzeuge aus Spanien, Frankreich und Italien im Einsatz.

Bei den aktuellen Waldbränden in Portugal kamen bislang mindestens 64 Menschen ums Leben, 157 wurden verletzt. Die Brände waren am Samstagnachmittag durch ein Trockengewitter ausgelöst worden. Die Flammen breiteten sich in der Hitze und angefacht vom Wind schnell in vier Richtungen aus. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. "Die Tragödie schockiert uns durch ihre Dimension", sagte Ministerpräsident António Costa. Die EU sagte Hilfe zu.

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Waldbrand in Portugal: Das Feuer wütet weiter

Viele Menschen wurden auf der Flucht in ihren Autos von der Feuerwalze eingeholt, andere starben in ihren Häusern. Elf Verletzte schweben nach Angaben des Zivilschutzes in Lebensgefahr, darunter ein Kind.

Haben die Behörden versagt?

Das Feuer hat in Portugal aber auch eine Debatte über mögliche Versäumnisse der Behörden ausgelöst. Der Pfarrer in der Ortschaft Figueiro dos Vinhos, José Gomes, sagte, einige Bewohner hätten in dem Inferno "keine Hilfe der Feuerwehr und manchmal nicht einmal Wasser" gehabt. "Es gibt einen Geist der Revolte gegen die Rettungsdienste", sagte er. Manche fragten sich, warum die Landstraße in dem Gebiet nicht rechtzeitig gesperrt wurde.

Die Zeitung "Publico" berichtete, die Einsatzpläne der Feuerwehr müssten eigentlich alle zwei Jahre überarbeitet werden, doch die Abgeordneten im Parlament hätten dies in den vergangenen Jahren "nicht als dringlich angesehen". Die Zeitung "Jornal de Noticias" schrieb, die Kommunikationsantennen der Einsatzkräfte seien durch die Hitze beschädigt worden, was die Arbeit der Feuerwehr behindert habe.

Der Klimaexperte João Camargo machte in "Publico" die massenhafte Anpflanzung leicht entzündlicher Eukalyptusbäume in der Region für das Ausmaß der Katastrophe verantwortlich. In Portugal habe es in den vergangenen Jahren mehr Waldbrände gegeben als in anderen Mittelmeerstaaten. Der Oppositionspolitiker Helder Amaral schrieb auf Facebook, die Katastrophe könne "nicht niemandes Schuld" sein.

Video: Drohnenbilder zeigen Ausmaß der Katastrophe

REUTERS

apr/AFP/Reuters



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