Präimplantationsdiagnostik Die Gewissensfrage

Wann beginnt das menschliche Leben? Und welches Leben ist lebenswert? Der Bundestag entscheidet, ob Präimplantationsdiagnostik erlaubt sein soll. Die Mutter eines gesunden und die eines behinderten Kindes haben sich längst entschieden. Zwei Antworten auf eine sehr persönliche Frage.


Wer im Wartezimmer der Berliner Kinderwunschpraxis Platz nimmt, hat die große Hoffnung, das Leben beginne wieder nach dem Tod. Hier sitzen Frauen, die Fehlgeburten erleiden und Abtreibungen hinter sich bringen mussten. Frauen, die ihre Babys beerdigen mussten. Frauen, die sich seit Jahren mit künstlichen Befruchtungen, Hormonbehandlungen, Therapien plagen. Frauen, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Kind.

Matthias Bloechle nährt ihre Hoffnung. Er ist der einzige bekannte Arzt in Deutschland, der Embryonen auf ihre Lebensfähigkeit untersucht, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden - er praktiziert die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID).

Das Prozedere: Es kommt zu einer künstlichen Befruchtung im Reagenzglas, dann zur Untersuchung in einer Petrischale. Darin kann der Arzt die Embryonen auf Chromosomenfehler testen und nur die gesunden, die keinen Erbgutdefekt in sich tragen, in die Gebärmutter einsetzen. Die anderen werden vernichtet.

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PID-Debatte: Wann beginnt das Leben?
Die PID gibt Auskunft darüber, was lebensfähig ist und was nicht. Bislang glaubte man, dass diese Methode gegen das deutsche Recht verstieß, weil danach schon die befruchtete Eizelle als schützenswert gilt - bis sich Matthias Bloechle 2005 selbst anzeigte.

Der Bundestag entscheidet

Zuvor hatte er sich erst ein Rechtsgutachten eingeholt und anschließend bei drei Paaren die Embryonen-Untersuchung durchgeführt. "Ich wollte für mich eine Klärung, inwieweit ich meinen Patienten helfen kann", so der Spezialist für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Dass er eine derartige Debatte lostreten würde, hätte er nie für möglich gehalten. Denn im Herbst 2010 entschied der Bundesgerichtshof, die PID sei teilweise zulässig. Er sprach Bloechle frei - und die Diskussion begann.

Am Donnerstag entscheidet nun der Bundestag, ob Paare, in deren Familien es Erbkrankheiten gibt, gesunde Embryonen auswählen und die genetisch kranken vernichten dürfen. Die zentrale Frage lautet: Wann beginnt Leben? Wie kann man sicherstellen, dass Ärzte verantwortlich mit der PID umgehen? Inwieweit muss man den Kinderwunsch eines Paares respektieren? Pfuscht man der Natur ins Handwerk, spielt der Mensch Gott? Was geschieht mit den Embryonen, bei denen Behinderungen oder Erbkrankheiten festgestellt werden?

Fragen an das Gewissen einer Gesellschaft, die erlaubt, dass Frauen ein gesundes Kind bis zur zwölften Schwangerschaftswoche nach der Befruchtung und in begründeten Fällen bis zum Einsetzen der Wehen - wenn das Baby fast ausgewachsen ist - abtreiben können. Eine Gesellschaft, die Fruchtwasseruntersuchungen erlaubt, bei der die gleichen Erbkrankheiten geprüft werden wie bei einer PID.

Auf die meisten Argumente gegen eine PID reagiert Bloechle grantig. Richtig in Rage bringt ihn eines der Hauptargumente der PID-Gegner: Die Vermutung, potentielle Eltern würden mit der Methode ein Baby nach Wunschvorstellungen - beispielsweise blaue Augen, blonde Haare, besondere Begabung - "kreieren" wollen.

Medizinisch sei das gar nicht möglich, betont Bloechle. Die PID könne nur die Bedingungen herstellen, unter denen eine gesunde Schwangerschaft eintreten kann. Zudem gehe es seinen Patientinnen lediglich darum, ein gesundes Baby zu bekommen - egal welche Augen- oder Haarfarbe es haben könnte.

Bloechle weiß, wovon er spricht. Er ist Vater von fünf Kindern, drei Mädchen, zwei Jungen. Ihm fällt es schwer, anderen Menschen zu sagen, dass sie keine Eltern werden oder ihren Kinderwunsch nur im Rahmen einer Adoption verwirklichen können.

Für den Mediziner geht es um Grundsätzliches, um die Mündigkeit der Frauen. "Eine Frau muss für sich selbst entscheiden können", sagt der Mediziner. "Ich persönlich will nicht, dass meine drei Töchter vorgeschrieben bekommen, wann und wie sie ihre Kinder bekommen."

Was bedeutet der Schritt für betroffene Familien? Warum sind sie für oder gegen PID?

Sonja Werner

PRO

Sonja Werner:
"Wir wollten unbedingt ein Kind, ich habe nicht locker gelassen"

Redwitz in Oberfranken, ein Dorf mit 3400 Einwohnern. Hier lebt Maxima, die Tochter von Sonja und Michael Werner. Sie wurde nach einer PID geboren, im Januar 2007.

Ein fröhliches Mädchen mit blonden Haaren, das sich sehnlich Geschwister wünscht.

Drei Fehlgeburten hatte das Paar vor der Geburt durchlitten, jedes Mal ist ein Teil von ihnen mitgestorben. "Ein ungeborenes Kind nimmt immer etwas mit von dir", sagt Sonja Werner. Natürlich werde Maxima von ihren Eltern mit bedingungsloser Liebe und Zuneigung überschüttet. "Allerdings würde sie das auch, wenn wir das nicht alles durchgemacht hätten."

Erst nach der zweiten Fehlgeburt hatte eine Humangenetikerin festgestellt, dass Sonja Werner einen seltenen genetischen Defekt in sich trägt: "Familiäre Translokation zwischen den Chromosomen 2 und 22." Den ungeborenen Kindern hatte sie dadurch eine Trisomie 22 vererbt. Die Wahrscheinlichkeit, so die Ärztin damals, dass Sonja Werner ein schwerstbehindertes Kind zur Welt bringe, liege bei über 80 Prozent.

"Für uns brach eine Welt zusammen", sagt die 29-Jährige. Zu dieser Welt gehörten Kinder, eine große Familie. Ein dritter Versuch scheiterte: Die Herztöne blieben aus, die Wehen wurden künstlich eingeleitet. Erneut, die Herztöne blieben aus. Sonja Werner verlor ihr Baby.

Zwischen Verzweiflung und Rechtfertigungszwang

Die Trauer wich einer Hartnäckigkeit, die sich die gebürtige Fränkin heute nicht mehr erklären kann. "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich einen Gendefekt habe. Wir wollten beide unbedingt ein Kind, ich habe dann einfach nicht mehr locker gelassen", sagt Sonja Werner und es klingt so, als würde sie sich noch immer über sich wundern.

Ihre Familie, ihre engsten Freunde standen ihr bei, teilten mit ihr die Verzweiflung. Doch es gab auch Demütigungen, einen Zwang, sich zu rechtfertigen. "Es hieß, künstlich befruchtete Kinder seien hyperaktiv, hätten oder bereiteten später Probleme", erinnert sich Sonja Werner.

Aber auch diese Meinungen brachten sie nicht ab von ihrem Weg. Die gelernte Industriekauffrau stellte Kontakt her zur Kinderwunschpraxis von Matthias Bloechle. Die Hoffnung auf ein gesundes Baby wuchs schnell und mit ihr die Bereitschaft, nichts unversucht zu lassen, um endlich Mutter zu werden. Bloechle führte die PID durch - und zeigte sich selbst an.

In den ersten Wochen der Schwangerschaft nach der PID fühlte sich Sonja Werner noch fremdbestimmt von Angst, fragilen Muttergefühlen. "Doch je runder mein Bauch wurde, desto ruhiger wurde ich. Als ich das Kind dann richtig spürte und es strampelte, verflüchtigte sich meine Panik komplett. Auf einmal ging es mir supergut."

Werner unterstützt Bloechles Kampf

Als Maxima zur Welt kam und zunächst keinen Mucks machte, erschrak Sonja Werner ein letztes Mal. Sie bat den entbindenden Arzt, das Mädchen erst zu testen und ihr dann in den Arm zu legen. "Ich dachte, sie müsste sofort losschreien, aber alles war gut, sie war gesund."

Von der Selbstanzeige Bloechles wusste sie nichts. Heute unterstützt sie seinen Kampf für die PID nahezu bedingungslos. "Ich hoffe, ich kann zur Aufklärung und zur Entscheidungsfindung beitragen und gleichzeitig anderen Betroffenen Mut machen", sagt Sonja Werner.

Sie kenne viele Frauen, die sich für ihre Fehlgeburt schämten, daran zu zerbrechen drohten. Auch sie habe sich mit Schuldgefühlen geplagt, sagt Sonja Werner. "Es dauert lange, bis man realisiert hat, dass man als Frau nicht unbedingt dafür verantwortlich ist."

Es ärgert Sonja Werner, dass sich an der PID-Debatte viele beteiligen würden, die offensichtlich keine Ahnung hätten. "Keine Frau unterzieht sich dieser Tortur, nur um ein Designerbaby zu bekommen oder das Geschlecht auswählen zu können." Und selbst wenn doch: "Wozu gibt es denn sonst ein Strafrecht?"

SPIEGEL ONLINE

CONTRA

Jeanne Nicklas-Faust:
"Eva ist geistig behindert, aber nicht dämlich"

Eva liebt Geräusche. Mit ihren kleinen Händen presst sie eine Zeitung fest an ihr Sandmännchen-T-Shirt, bis es raschelt. Sie zieht die Schultern hoch, kneift ihre blauen Augen zusammen und lacht mit stockendem Atem. Dann knüllt sie mit der rechten Hand ein Stück Zeitung zusammen und stopft es sich in den Mund Genüsslich kaut sie darauf herum, bis sie es zu einer Kugel geformt hat.

Eva hat das Angelman-Syndrom, eine schwere geistige Behinderung als Folge einer seltenen Genbesonderheit auf Chromosom 15. Sie ist 20 Jahre alt und auf dem geistigen Entwicklungsstand eines einjährigen Kindes.

Evas Mutter, Jeanne Nicklas-Faust, ist Ärztin und Professorin. Als Bundesgeschäftsführerin des Behindertenverbandes "Lebenshilfe" lehnt sie Lockerungen der PID ab, weil sie gegen die Menschenwürde verstießen. "Gibt man die PID frei, rückt die Vermeidbarkeit von Behinderung stärker in den Fokus", sagt die 48-Jährige.

Seit anderthalb Jahren lebt Eva in einer betreuten Wohngemeinschaft in Berlin-Wilmersdorf. In ihrem Zimmer steht ein knallrotes Sofa vor einer orangefarbenen Wand. Rechts hängt ein großes Bild ihrer Eltern, so, dass sie es vom Bett aus sehen kann. Überall liegen Kuscheltiere und Spiele für Einjährige.

"Eva ist raffiniert"

Eva liebt frische Luft. Am liebsten läuft sie durch den Park. An der Hand mag sie nicht mehr gehen, seit kurzem ist sie in der Pubertät, vor wenigen Tagen hatte sie ihren letzten Schultag. Bald kommt sie in eine Werkstatt und arbeitet an Filzpuppen.

Eva hat oft den Schalk im Nacken. Dann linst sie frech über ihre gekrümmte Schulter, büxt aus, greift nach Dingen, von denen sie die Finger lassen soll und freut sich sichtlich.

"Sie ist raffiniert", sagt Jeanne Nicklas-Faust. "Sie weiß genau, was sie nicht darf und das macht sie natürlich am liebsten." Früher juchzte sie vor Freude, wenn sie im Arbeitszimmer ihrer Eltern Unfug trieb und rief die beiden so auf den Plan. Heute schleicht sie sich mucksmäuschenstill in den Raum, schließt von innen leise die Tür. "Eva ist geistig behindert, aber sie ist nicht dämlich", sagt ihre Mutter.

Man könne den Einsatz der PID zwar regeln, so Nicklas-Faust, doch sei es wahrscheinlich, dass die PID in Zukunft ausgeweitet werden würde - wie beispielsweise die Nackenfaltenuntersuchung. Fast jede achte Frau bekäme danach die Diagnose, das ungeborene Kind habe eventuell ein Down-Syndrom. "Dabei sind 90 Prozent dieser Kinder mit zu dicker Nackenfalte gesund. Doch der Schreck ist groß und auch auf Verdacht hin wird abgetrieben."

Kein Grund zur Sorge, sagte der Arzt

Jeanne Nicklas-Faust kann verstehen, wenn sich ein Paar gegen ein Leben mit einem behinderten Kind entscheidet. Und sie glaubt auch nicht, dass Embryonen nach einer Lockerung der PID unbedingt aussortiert werden würden, weil sie das falsche Geschlecht haben. "Aber ich kann mir vorstellen, dass Eltern auf bestimmte Merkmale schauen und die Annahme ihrer Kinder ohne Bedingungen verloren geht. Sollte man das nicht verhindern?"

Eva liebt Wasser. Am liebsten reißt sie den Hahn auf, spritzt mit Wasser um sich oder hält ihren Kopf darunter. Wenn sie mit ihrer Familie schwimmen geht, kann sie ihre unbändige Freude kaum im Zaum halten.

Jeanne Nicklas-Faust war aufgeregt, als sie das erste Mal schwanger war. Mit Evas älterer Schwester Johanna. Die zweite Schwangerschaft ging sie routinierter, lässiger, auch euphorischer an - bis ihr Arzt in der 20. Woche bei einer Ultraschalluntersuchung sagte: "Da könnte was sein, muss aber nicht."

Wochen später war der Verdacht ausgeräumt, alles sei bestens, kein Grund zur Sorge. Jeanne Nicklas-Faust blieb beunruhigt. Eva kam zur Welt, die Haare dicht und dunkel, zwei Stunden später durften Mutter und Tochter nach Hause. "Wir ahnten nichts", erinnert sich Nicklas-Faust.

Sechs Monate später wusste sie: "Es ist doch nicht alles in Ordnung." Als Eva ein Jahr alt war, diagnostizierten die Ärzte eine verzögerte Myelinisierung mit guter Prognose, die Nervenfunktion entwickele sich also langsamer, sonst alles gut. Es folgten harte Jahre voller Fehldiagnosen und epileptischer Anfälle, manchmal bis zu hundert pro Tag. Mit knapp vier Jahren fiel Eva für zehn Tage ins Koma.

Am besten schläft Eva, wenn es laut aus den Boxen dröhnt

Kurz darauf dann endlich die richtige Diagnose: Angelman-Syndrom. "Wir waren beruhigt, weil wir endlich wussten, dass sie an ihrer Behinderung nicht sterben muss", sagt Nicklas-Faust. Gleichzeitig wussten sie nun auch, dass Eva nie sprechen würde.

Als Eva fünf Jahre alt war, fingen sie an, ihr die Gebärdensprache beizubringen. Mit 14 war sie dann so weit, sich mit wenigen Ausdrücken verständlich zu machen. Menschen, die ihr nahe sind, verstehen sie.

Eva liebt Musik. Am besten schläft sie ein, wenn es laut aus den Boxen dröhnt. Gerne legt sie die Hände auf den Staubsauger, wenn er in Betrieb ist. Das wirkt auf sie beruhigend. Es hilft ihr dabei, die Welt zu ordnen, in der sie sich in diesem Moment nicht zurechtfindet.

Evas Vater, ein Ingenieur, war anfangs noch entspannt. "Das macht doch nichts, wenn unser Kind behindert ist", hatte er seine Frau in der Schwangerschaft beruhigt. Als die Diagnose dann feststand, setzte sie ihm mehr zu als ihr. "Es ist ein enormer Unterschied, ob man die Diagnose vor der Geburt erhält oder ob man Zeit hatte, das Kind kennen- und lieben zu lernen", sagt Nicklas-Faust. Sie habe das immer als Chance gesehen, zu Eva eine unbefangene Beziehung aufbauen zu können.

Erst im Alter von sieben lernte Eva laufen. Die hohe Anzahl der Anfälle hatte sie oft gelähmt, erschöpft und Dinge, die sie gelernt hatte, wieder vergessen lassen. "Ja, das Leben mit einem behinderten Kind ist anstrengender, aber nicht weniger glücklich", sagt ihre Mutter. Ständig kämpfe man gegen das Vorurteil an, man führe ein unglückliches Leben.

Aber nicht nur Evas Entwicklung barg Rückschläge. "Ich kenne keine intakte Familie mit einem behinderten Kind", hatte die Kinderärztin Jeanne Nicklas-Faust wissen lassen. Sie selbst empfindet es genau umgekehrt: "Mein Mann und ich sind viel partnerschaftlicher organisiert." Auch die Zuneigung der älteren Schwester zu Eva sei bedingungslos und nicht von Verpflichtung getragen.

Eva liebt Waschmaschinen. Wenn sie blinken und schleudern, sitzt sie fasziniert vor dem Bullauge und schaut den Lichtern und dem sprudelnden Wasser zu. Manchmal legt sie sich auch davor, nimmt den Daumen in den Mund.

Mehr als alles andere liebt Eva das Leben

"Wenn der Niedlichkeitsfaktor vorbei ist, und Eva manchmal mit Schnoddernase rumläuft, da gibt es schon sehr viele Berührungsängste", sagt ihre Mutter. Manchmal stibitzt sich Eva im Supermarkt einen fremden Einkaufswagen. Nicht jeder habe dafür Verständnis.

Gerne wird Jeanne Nicklas-Faust auch gefragt: "Wussten Sie nicht, dass Ihr Kind behindert sein wird?" Diese Erwartungshaltung, dass man sich in jedem Fall dagegen entschieden hätte, ärgert die Internistin.

Sie selbst stand nie vor der Entscheidung. Nur dass sie ihren Traum von vier Kindern nicht verwirklicht habe, das bereut sie manchmal. "Ich dachte, wir würden es nicht packen, heute weiß ich: Auch das hätten wir geschafft."

In ihrer Argumentation gegen die PID fühlt sich Nicklas-Faust oft machtlos. "Gegen die Gefühlskarte anzukommen, ist schwer

Die 48-Jährige verurteilt niemanden, der ein womöglich behindertes Kind abtreibt. "In erster Linie verurteile ich die Ärzte, die - auch aus Selbstschutz - oft automatisch zu einem Abbruch raten." Mit ihrer heutigen Erfahrung ist sich Nicklas-Faust sicher, dass sie ein Baby mit Angelman-Syndrom nicht abtreiben würde - obwohl das Leben mit Eva ihr eigenes stark verändert hat. "Was glaubst du, wie schrecklich wir geworden wären ohne Eva?", fragt Bernhard Faust oft seine Frau.

Dann geht das Kopfkino wieder los. Ein immer wiederkehrender Gedanke dabei ist: "Eva hat uns immer das Gefühl gegeben, dass sie gerne lebt und dass sich für sie die Frage nie gestellt hat, ob sie bei uns ist oder nicht."

Denn mehr als alles andere liebt Eva das Leben.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 760 Beiträge
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Seite 1
mitbürger 07.07.2011
1. Ignoranten
Wer die PID verbieten will, hat nichts verstanden.
Bhigr 07.07.2011
2. Pro Präimplantationsdiagnostik!
Zitat von sysopWann beginnt das menschliche Leben? Und welches Leben ist lebenswert? Der Bundestag entscheidet, ob Präimplantationsdiagnostik erlaubt werden soll. Die Mutter eines gesunden und die eines behinderten Kindes haben sich längst entschieden. Zwei Antworten auf eine sehr persönliche Frage. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,772826,00.html
Ich bin für die völlige Freigabe der Präimplantations-Diagnostik. Denn eine befruchtete Eizelle besitzt keine Menschenwürde. Die Menschenwürde wird durch die Freiheit des Menschen begründet. Freiheit bedeutet, die Fähigkeit bewusst zu handeln. Bewusstsein erlangt ein Mensch nur mit einem Funktionsfähigen Gehirn. Deswegen wird die Funktionsfähigkeit des Gehirns als Maßstab dafür genommen, ob ein Mensch lebt. Der sogenannte Gehirntod definiert den Tod eines Menschen aus medizinischer Sicht. Eine befruchtete Eizelle besitzt kein Gehirn, sie besitzt noch nicht einmal Nervenzellen. Nach allem, was wir wissen, fehlt der befruchteten Eizelle das Bewusstsein und der Wille, der seine Würde begründen könnte LG Bhigr
der M 07.07.2011
3. Kehrseiten
Auf der einen Seite eine Partnerschaft, die auf biegen und brechen ein Kind wollen, obwohl die Voraussetzungen alles andere als gut sind und sich nicht damit abfinden wollen/können keine "gesunden" Kinder zu bekommen. Auf der anderen Seite eine Frau, welche die Behinderung ihres Kindes durch die rosarote Brille sieht. Wenn die Mutter dann irgendwann nicht mehr kann, dann liegt es am Staat sich um den Menschen zu kümmern. Sprich die allgemeinheit muss für den egozentrischen Wunsch einer Frau aufkommen, dass PID "Teufels Werk" ist. In meinen Augen haben beide Seiten ein gehöriges Problem. Ich für meinen Teil würde PID immer nutzen, denn wenn ich mal Kinder haben möchte, dann sicher kein behindertes.
bennoko, 07.07.2011
4. Lebensrecht ist fundamentaler als Selbstbestimmungsrecht
Zitat von sysopWann beginnt das menschliche Leben? Und welches Leben ist lebenswert? Der Bundestag entscheidet, ob Präimplantationsdiagnostik erlaubt werden soll. Die Mutter eines gesunden und die eines behinderten Kindes haben sich längst entschieden. Zwei Antworten auf eine sehr persönliche Frage. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,772826,00.html
Das Thema birgt ein ethisches Dilemma, das nicht eindeutig beantwortet werden kann. Eine Argumentation, die pro PID argumentiert, scheidet aus meiner Sicht allerdings von vornherein aus: Die Rechtfertigung durch Verweis auf das Selbstbestimmungsrecht von Frau oder Mann. Einer Güterabwägung zufolge ist das Recht auf Leben fundamentaler als Selbstbestimmungsrecht. Letzteres setzt ersteres sogar voraus.
Progressor 07.07.2011
5. Kein Problem
Die PID ist ausser in Österreich in allen europäischen Ländern erlaubt. Der deutsche Bundestag kann also beschließen was er will, ein kleiner Abstecher nach Holland schafft Abhilfe. Ansonsten finde ich es ein bissl mittelalterlich, Gewissensfragen per Gesetz allen aufzuzwingen.
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