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Prepper-Bewegung in Deutschland: In Herrn Blums Bunker

Von , Krefeld

Prepper in Deutschland: Herr Blum geht auf Nummer sicher Fotos
SPIEGEL ONLINE

Gasmasken, Medikamente, Wasserfilter: Bastian Blum ist ein Prepper, er wappnet sich mit Notdepots und Spezialausrüstung für mögliche Katastrophen. Einblick in das Leben eines Mannes, der akribisch vorbeugt für den Ernstfall.

Der Weg in die Sicherheit ist kurz. Rechts hinter der Haustür die Kellertreppe runter, weiter in den Gang, dann direkt rechts durch die Holztür. Bastian Blum geht diesen Weg regelmäßig von seiner Reihenhaus-Wohnung im Norden der Krefelder Innenstadt. Denn der kleine Kellerraum soll ihm, seiner Frau und dem fünf Monate alten Sohn im Ernstfall das Leben retten.

In der keilförmig zum Fenster zulaufenden Kammer hortet der 36-Jährige alles, was aus seiner Sicht nötig ist: Schutzhelme und Seile, Trockennahrung und Kanister, Wolldecken, Gaskocher, Desinfektionsmittel. "Ich brauche das alles, um im Krisenfall autark leben zu können", sagt er und blickt stolz auf die Vorräte in seinen Kellerregalen.

Blum, ein Baum von Mann mit hoher Stirn und Dreitagebart, ist einer von Zehntausenden deutschen Preppern (vom englischen Wort "to prepare", vorbereiten): Menschen, die sich akribisch gegen Katastrophen und Krisen aller Art schützen wollen. Die sich vernetzen, mit teurer Spezialtechnik eindecken, mitunter gigantische Nahrungsvorräte anhäufen, oft sogar Waffen deponieren.

Müsli aus Hafer, Zucker und Milchpulver

Angesichts von Terrorbedrohung und Klimawandel wächst die Szene seit einiger Zeit auch hierzulande - und die Prepper sind längst nicht nur angstbesessene Fanatiker.

Blum ist eher der Typ Vorsorge-Vollprofi: Der Facility-Manager arbeitete für den Katastrophenschutz und das Technische Hilfswerk, ließ sich zum Rettungssanitäter ausbilden und hilft in seiner Freizeit bei der Feuerwehr. Er glaubt an Leitfäden und Listen, seit 2008 ist er als Prepper aktiv.

Ein Erdbeben, eine Überschwemmung, die Explosion eines Chemiewerks - wie rüstet man sich gegen solche Katastrophen?

Mit kühlem Kopf und klaren Prioritäten, sagt Blum. Jeder Bundesbürger müsse sich zwei bis drei Wochen lang unabhängig versorgen können, bis der staatliche Katastrophenschutz funktioniere. Wie zum Beweis holt er ein Päckchen mit eingeschweißtem weißen Brei aus dem Kühlschrank, der an einer Holzwand im Keller steht. "Dieses Spezialmüsli habe ich selbst gemacht, es besteht nur aus Haferflocken, Zucker und Magermilchpulver. 100 Milliliter heißes Wasser drauf, schon ist eine nährstoffreiche, warme Mahlzeit fertig."

Viel wichtiger als Nahrung seien jedoch andere Dinge, die in Blums Kellerregalen geschichtet, gereiht und gestapelt sind: Filter zum Reinigen von 40.000 Litern Wasser, ein Notfallradio mit Kurbel, Medikamente und Verbandszeug, Decken und Kerzen. Falls er das Lager im Ernstfall nicht erreicht, weil er zu weit weg von zu Hause ist, kann Blum auch auf ein Zweitdepot bei Moers ausweichen, keine 15 Kilometer nördlich seiner Krefelder Wohnung.

Blum ist kein Apokalyptiker, der etwa Meteoritenhagel oder Ufo-Invasionen fürchtet. Er will für vergleichsweise wahrscheinliche Krisen wie Orkane vorbereitet sein. Denn die könne man gut vorbereitet durchstehen: "Wir sind nicht sofort am Arsch", sagt Blum. "Ich mache das alles nur, um mein Leben entspannt genießen zu können."

Offizielle Einkaufslisten vom Bundesamt

Blum differenziert: Das derzeitige Flüchtlingschaos schärfe zwar das Bewusstsein für mögliche Krisen, zuständig seien dafür aber Politiker und Sicherheitskräfte. Gegen Anschläge könne ein Prepper sowieso nichts ausrichten. "Ein Terrorist findet immer seinen Weg." Deshalb hält Blum wenig von Pistolen zur Selbstverteidigung: "Wir müssen uns auch nach dem Terror von Paris nicht alle Waffen zulegen."

Die größten Gefahren sieht er in der globalen Digitalisierung und im Klimawandel: Hacker könnten riesige Datenmengen erbeuten, Umweltkatastrophen ganze Metropolen auslöschen. "Am wahrscheinlichsten ist derzeit ein Blackout, wenn etwa Kriminelle das Stromnetz sabotieren", sagt er und legt sein Milchpulvermüsli wieder in den Kühlschrank. Zudem könne der warme Dezember eine Versorgungskrise bei Obst und Gemüse im neuen Jahr auslösen.

Was manche für die Ansichten ängstlicher Spinner halten, entspricht offiziellen Empfehlungen: Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte Deutschland den Zivilschutz massiv zurückgefahren, doch seit den Anschlägen vom 11. September 2001 dreht sich die Stimmung wieder. Mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt es sogar eine eigene Behörde, die Einkaufslisten für den Krisenfall herausgibt - und allen Deutschen empfiehlt: "Ihr Ziel muss es sein, 14 Tage ohne Einkaufen überstehen zu können."

Das ist auch Blums Ziel, seine Mission lautet: Deutschland soll vorsorgen. Daher hat er im Sommer 2013 die "Prepper Gemeinschaft Deutschland" (PGD) gegründet. Rund 2500 Likes hat das Facebook-Profil der Gruppe, seine Webseite nennt Blum "das größte Prepper-Fachportal im deutschsprachigen Raum". Er geht davon aus, dass es deutschlandweit 150.000 Prepper gibt.

Waffennarren? Nein, danke

6000 Menschen erreicht die PGD laut Blum pro Tag. Mitgliederlisten oder offizielle Zahlen gibt es nicht, aber jeden Sonntag etwa tauscht sich die Szene in einer offenen "Talkrunde" über die neuesten Trends aus, zudem gibt es Prepper-Workshops, lokale Treffen, Tauschbörsen.

Blum nimmt die Auswirkungen von Klima-, Finanz- und Flüchtlingskrise deutlich wahr: "In den vergangenen zehn Monaten hat sich die Zahl unserer Anhänger im Netz mehr als verdoppelt", behauptet er.

Nicht alle sind in seiner Gemeinschaft willkommen: "Vor allem Verschwörungstheoretiker sind ein Problem", sagt Blum, "aber von denen grenzen wir uns klar ab. Krisen nehmen nämlich keine Rücksicht auf Religion oder Politik." Hinzu kämen die sogenannten Doomer: Waffennarren, die laut Blum "auf eine Katastrophe warten und sich dann mit Gewalt profilieren wollen".

Inzwischen arbeitet Blum an einer Vereinssatzung, knapp 20 Stunden pro Woche investiert er in die PGD. Unabhängig davon nimmt das Sicherheitsdenken einen großen Teil seines Lebens ein.

Wenn ein starker Sturm angekündigt ist oder er den Großraum Krefeld verlässt, packt Blum seinen olivgrünen Garanten ein, den "Notfallrucksack". Darin stecken etwa Trinkwasserbeutel, ein Radio, Kohletabletten. "Wenn alles zusammenbricht, kann ich damit sicher nach Hause laufen", sagt Blum und lächelt glückselig.

Im Video: Prepper in den USA

Sandra Sperber

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1.
vox veritas 06.01.2016
Zur Info: Der Katastrophenschutz funktioniert nur lokal oder regional. Sobald mehr als zwei Bundesländer betroffen sind, z.B. durch Stromausfall (das im Artikel beschriebene Szenario), steht man mit dem Rücken an der Wand. Insbesondere die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Geld zum Einkaufen ist problematisch. Geldautomaten brauchen Strom und Lebensmittel in den Supermärkte versorgen den Einzugsbereich für maximal zwei Tage.
2.
mam71 06.01.2016
Über das Ausmaß kann man streiten, aber vorbereitet zu sein schadet nie. Zumindest den klassischen "Notfallrucksack" kann sich jeder hinstellen. Unser gesamtes wirtschaftliches und soziales Leben ist inzwischen weitgehend "just in time" organisiert, es gibt auf allen Ebenen keine oder nur noch geringe Vorratshaltung. Bricht die Kette an einer Stelle zusammen, ist ganz schnell Ende.
3.
Oberleerer 06.01.2016
Vorratshaltung ist im Grunde das instinktive Verhalten von Tier und Mensch. Der große Unterschied ist, daß sich Prepper zur Rechtfertigung Katastrophen ausdenkien. Problematisch ist es, daß sie viel Zeit und Resourcen verschwenden, um sich auf dieses eine Ereignis vorzubereiten. Ich kenne einige davon, allesamt hochintelligent, gut organisiert und Meister ihrer jeweiligen Proffession. Vermutlich liegt es an dieser Spezialisierung, daß man das Ganze aus dem Blick verliert. Eine Katastrophe hört sich so an: Der Euro bricht zusammen und binnen weniger Stunden sind die Supermärkte leer gekauft oder geplündert. Anschließend ziehen nicht gepreppte Leute plündernd durchs Land. Das mag eine logische Ereigniskette sein, aber jeder einzelne Punkt steht auf tönernen Füßen. Z.B. Wenn der Euro zusammenbricht ändert sich für viele nichts, weil sie ohnehin kein Geld haben.
4.
espet3 06.01.2016
Es wird nicht anders sein wie nach dem letzten Krieg. Da werden die Städter in einem neueren Fall wieder am schlimmmsten dran sein und wieder aufs Land strömen und Teppiche, Schmuck usw bei den Bauern versuchen eintauschen.
5. zu kurz gedacht
shechinah 06.01.2016
Solange der Mann nicht auch Waffen und Munition bevorratet, baut er nur ein Depot für Leute mit Waffen und Munition auf.
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