Wer die "Occupy"-Bewegung über drei Tage in Frankfurt am Main beobachtet hat, ist von der gesellschaftlichen Zivilbewegung inspiriert, aber auch skeptisch. Die Entwicklungsperspektiven sind völlig offen - gerade weil das protestbunte Volk von unten aufbegehrte, größere Organisationen und Parteien mit Ausnahme von Attac bisher außen vor blieben und Zielvorstellungen nur schwach entwickelt sind. Die "Occupy"-Bewegung ist eine unberechenbare Suchbewegung, noch lange keine wirkliche globale oder europäische soziale Bewegung.
In Frankfurt am Main lässt sich gut beobachten, wo die Schwierigkeiten liegen, den besetzten Platz vor der EZB zu einer Dauerdemonstration aufzubauen. Alle sind primär mit den "Basics" beschäftigt: Infrastruktur, Arbeitsgruppen, Öffentlichkeitsarbeit - mühsame, solidarische Basisarbeit. Das Entscheidende liegt noch vor den Frankfurter Besetzern: die Bürgerinnen und Bürger der Region zu ermuntern, aus Wut und Lust auf den Platz vor der EZB zu kommen und den Protest mitzugestalten. Eine Massenpräsenz des pluralen Protests ist die Voraussetzung dafür, dass der Mut zur Wut nicht nachlässt und Spuren für neuen Protest legt - wie in New York. Dazu könnte gehört zum Beispiel ein Tag des solidarischen Protests, an dem Schriftsteller, Kabarettisten, Musiker, Wissenschaftler, Gewerkschafter und andere ihre Solidarität mit den Protesten zeigen. Dazu gehört auch eine Strategiedebatte über unterschiedliche Formen des zivilen Ungehorsams.
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