London, Frankfurt am Main, Rom - aus einer Handvoll Demonstranten, die in New York "Occupy Wall Street" fordert, hat sich eine weltweite Bewegung gebildet, die gegen die Macht der Banken und des Finanzsystems aufbegehrt. Wie beurteilen Sie die Proteste?
Die Menschen haben die Nase voll davon, dass die Finanzindustrie den Ton angibt. Sie wollen nicht für etwas zahlen, was andere verbockt haben. Wir brauchen schärfere Regeln, damit Banken die Staaten nicht mehr erpressen können. Starke Schultern sollen mehr zur Krisenbeseitigung beitragen: durch eine Vermögensabgabe und höhere Steuern auf Spitzeneinkommen und Erbschaften.
Wie groß ist die Verantwortung der Banker für die Finanzkrise?
Im Film "Wall Street" sagt Michael Douglas als Broker: Gier ist gut. Das stimmt nicht. Die Politik muss die Gier bändigen. Wenn sie das will, kann sie es. Angela Merkel lädt aber lieber Josef Ackermann zum Essen ein, als sich um harte Regeln für die Finanzindustrie zu kümmern. Banken müssen zu höherem Eigenkapital und zur Trennung ihrer Geschäftsbereiche gezwungen werden, Spekulation muss durch eine Finanztransaktionssteuer eingedämmt werden.
Realistisch betrachtet: Sehen Sie Alternativen zu unserem Finanzsystem?
Die Alternative zu spekulierenden Großbanken haben wir schon: Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind echte Dienstleister für Wirtschaft und Menschen. Meine Vision eines neuen Finanzsystems: Stabile und dezentrale Strukturen statt Deutsche Bank und Co. mit ihren riesigen Investmentabteilungen.
Haben Sie selbst schon schlechte Erfahrungen mit unseren Banken und der Finanzwirtschaft gemacht? Welche?
Ich höre oft, dass Politik nichts gegen die Macht der Finanzindustrie ausrichten kann. Das ist eine Lüge. Sie ist gefährlich für unsere Demokratie. Sie bemäntelt nur den eigenen Unwillen zum politischen Handeln. Deswegen ist es gut, wenn Menschen auf der Straße Rückenwind für jene schaffen, die für besser regulierte Finanzmärkte kämpfen.
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