Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Proteste in China: "Stoppt das Schlachten von Katzen!"

"Schande über Guangdong": Mit Tränen in den Augen haben Aktivisten in der südchinesischen Provinz gegen das "grausame Schlachten" von Katzen protestiert. Die Tiere werden von skrupellosen Restaurantbesitzern noch immer bei lebendigem Leibe gehäutet und gekocht.

Peking - Erlesene Zutaten und raffinierte Rezepte: Die Küche der südchinesischen Provinz Guangdong gilt als einzigartig in der Volksrepublik. "Alle Delikatessen unter dem Himmel" will man hier versammelt haben.

Wer über die Märkte der Provinzhauptstadt Guangzhou streift, sieht nicht nur Küken und Gänse in Bambuskäfigen auf den nahen Tod warten. Hier werden auch Dachse, Schlangen oder Quallen zum Verkauf angeboten - ebenso wie Katzen.

Ein Skandal, befand nun eine Gruppe von Tierschützern und entschloss sich, öffentlich gegen den Verzehr von Katzen zu protestieren - in China noch immer ein persönliches Wagnis, das häufig im Polizeigewahrsam endet.

Etwa 40 Demonstranten hatten sich am Donnerstag vor dem Regierungssitz in Peking versammelt. "Wir sind empört, dass die Katzen bei lebendigem Leib gehäutet und dann gekocht werden", sagte deren Sprecher Wang Hongyao. Diesem "unzivilisierten Verhalten" müsse Einhalt geboten werden, so Wang und übergab eine Protestnote an einen örtlichen Regierungsvertreter.

Darin fordert die Gruppe die Provinzregierung auf, Tierhändler und Restaurantbesitzer zu bestrafen, die weiterhin Katzen verkaufen oder als Fleisch zubereiten. Ein Anliegen mit wenig Chancen auf Erfolg, denn: Es gibt kein Gesetz, was dies verbieten würde.

Die Behörden wollten den Vorfall bisher nicht kommentieren. Presseberichte der vergangenen Tage sollen den Protest entfacht haben. Einige Zeitungen hatten Fotos von verängstigten Katzen in Bambuskäfigen veröffentlicht. Auf anderen Bildern war zu sehen, wie Katzen in Restaurantküchen gehäutet wurden - für die Tierfreunde ein absoluter Frevel.

10.000 Katzen landen täglich im Kochtopf

Geschätzte 5000 Katzen seien von Nanjing nach Guangzhou gebracht worden, berichtete die Zeitung "Chengdu Business Daily" in der vergangenen Woche. Auch Katzen aus Shanghai, Hangzhou und anderen Orten würden dort landen. Tatsächlich scheinen die Bewohner der Provinz einem alten Sprichwort verpflichtet zu sein, wonach die Kantonesen alles essen "was vier Beine hat bis auf Tische und Stühle und alles was fliegt außer Flugzeugen". Etwa 10.000 Katzen werden allein hier pro Tag verzehrt, schätzt "Chengdu Business Daily".

Unter den Protestierenden befanden sich zahlreiche Rentner, die sich in ihrer Freizeit um streunende Katzen kümmern. Sie erklärten, viele der Tiere - "vor allem die fetten" - seien aus den Straßen Pekings verschwunden und vermutlich von Fleischhändlern entführt worden.

"Diese Katzen sind wie unsere Kinder", sagte Cui Qingzhen, die sich seit sechs Jahren um die Streuner kümmert. "Wir dürfen es diesen Leuten nicht erlauben, so zu handeln", empörte sich die 56-Jährige.

Die Demonstranten wiesen bei ihrer Aktion außerdem daraufhin, dass besonders die als Delikatesse gehandelte, der Manguste ähnliche Zibetkatze Überträger des Sars-Virus sei. Die Atemwegskrankheit war erstmals im November 2002 in Guangdong aufgetreten und hatte mehr als 770 Menschenleben gefordert. Seit 2004 sind die Aufzucht, der Verkauf, das Töten und Essen von Zibetkatzen in der Provinz verboten.

"Haben sie nicht durch Sars gelernt, dass einige Tiere nicht verzehrt werden sollten?", fragt Cui.

ala/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Tierschützer: "Diese Katzen sind wie unsere Kinder"


SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: