Prügelvorwürfe gegen Walter Mixa: Schläge mit Faust, Stock und Gürtel

Die Details, die nun über den angeblichen Umgang Walter Mixas mit Heimkindern bekannt werden, sind erschütternd. Der Geistliche soll seine Schützlinge massiv verprügelt haben, wie Sonderermittler Sebastian Knott herausgefunden haben will. Das Bistum nimmt dazu bislang keine Stellung.

Ausgburger Bischof: Die Verfehlungen des Walter Mixa Fotos
dpa

Augsburg/Ingolstadt - Der Bericht des von der Kirche eingesetzten Sonderermittlers Sebastian Knott offenbart, wie grausam Walter Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Heimkinder behandelt haben soll. Bei vielen Gläubigen dürfte er für die entsetzte Frage sorgen, wie es der Geistliche so weit bringen konnte.

Das Bistum Augsburg teilte auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mit, es habe den Abschlussbericht des Rechtsanwalts Knott zur Kenntnis genommen. Eine Stellungnahme gab es dazu jedoch nicht ab.

Mit einem Vokabular, das eher an Mittelalter und Inquisition erinnert, soll Mixa laut Knott die Kinder 1975 und 1996 bedroht haben. "Du landest im Fegefeuer", soll er demnach gesagt haben, "in dir ist der Satan", oder: "Ich werde dir schon die schmutzigen Gedanken austreiben." Die Nonnen des Heimes hätten sich auf den Stadtpfarrer als Zuchtmeister für die Kinder verlassen, sollen ihn aber beim Prügeln sogar angestachelt haben.

Von schlimmen Drohungen, von Schlägen mit der Faust, dem Stock und dem Gürtel schreibt der Rechtsanwalt. Die Aussagen ehemaliger Heimkinder seien glaubwürdig, versichert Knott. Strafrechtlich seien die Vorwürfe jedoch verjährt.

Walter Mixa: Bei Missbrauchsvorwürfen wolle er lügen

Der Bericht über die Gespräche mit den ehemaligen Heimkindern spart üble Einzelheiten nicht aus: "Herr Mixa zog ihm die Hose herunter und prügelte mit einem Stock auf den nackten Hintern. Nach fünf bis sechs Schlägen begann der Betroffene zu weinen. Danach brach der Stecken ab und Herr Mixa lockerte seinen Hosengürtel und schlug noch weitere fünf- bis sechsmal auf seinen Hintern." Der Mann, der 1982 als 15-Jähriger zu Mixa gerufen worden sei, sei später zum Alkoholiker geworden, so Knott.

Einem Mädchen habe der Ex-Bischof laut dem Bericht gesagt: "Ich möchte, dass du mich niemals vergisst. Dazu werde ich deine Zukunft ruinieren." Die von Knott als glaubhaft bezeichnete Frau benötige bis heute therapeutische Hilfe und sei nicht in der Lage, Beziehungen zu führen.

Mixa hatte zunächst geleugnet, jemals Heimkinder geprügelt zu haben. Erst später räumte er ein, die ein oder andere Ohrfeige verpasst zu haben.

Dazu passt ein kleines Detail, das Knott nicht verschweigt: Er habe eine E-Mail eines Priesters erhalten, der vor einigen Jahren engen Kontakt zu Mixa hatte. Im Zuge der Wiener Groer-Affäre soll Mixa gesagt haben: Wenn ihm so etwas passieren sollte - er würde lügen. 1995 hatte ein ehemaliger Schüler Groers schwere Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Erzbischof von Wien erhoben. Groer reichte ein Rücktrittsgesuch ein.

Missbrauchsvorwurf gegen Mixa entkräftet

Während Knott die Vorwürfe schlimmster körperlicher und psychischer Misshandlungen gegen Mixa als glaubhaft schilderte, entlastete die Staatsanwaltschaft Ingolstadt fast zeitgleich den Ex-Bischof vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Die Vorermittlungen wurden am Freitag eingestellt.

Mixa hatte sein Rücktrittsgesuch längst beim Vatikan eingereicht und sich in ein Schweizer Sanatorium zurückgezogen. Ungewöhnlich schnell entsprach der Vatikan inzwischen seiner Bitte.

ada/dpa/AFP

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  • Freitag, 14.05.2010 – 18:07 Uhr
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Mixas Ausfälle
Rechter Rhetoriker
Walter Mixa , der Regensburger Bischof Gerhard Müller und der Kölner Kardinal Joachim Meisner bilden die Hardliner-Fraktion in der Deutschen Bischofskonferenz . Mixa spielte seit Jahren die Rolle des Enfant Terrible. mehr...

SPIEGEL ONLINE dokumentiert seine umstrittensten Thesen:
Sexuelle Revolution und Missbrauch
Im Februar gab Mixa der sexuellen Revolution Mitschuld an Missbrauchsfällen: "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig." Und weiter: "Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt." mehr zu diesem Fall...
Nazis und Atheismus
In seiner Osterpredigt 2009 stellte Mixa die Massenmorde des Nationalsozialismus und Kommunismus in Beziehung zum Atheismus. Eine Gesellschaft ohne Gott sei "die Hölle auf Erden", sagte er. Und weiter: "Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen." mehr zu diesem Fall...
Holocaust und Abtreibung
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Mütter als Gebärmaschinen
Das Leitbild, dass Frauen ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Beruf zurückkehren sollten, bezeichnete Mixa 2007 als inhuman und "gegen die Würde der Frau". Mütter würden so zu "Gebärmaschinen" degradiert. mehr zu diesem Fall...

Chronik
31. März 2010
Mixa soll vor mehr als 30 Jahren als Stadtpfarrer im oberbayerischen Schrobenhausen in einem Kinderheim Mädchen und Jungen geschlagen haben. Fünf ehemalige Heimkinder behaupteten in eidesstattlichen Erklärungen, Mixa habe sie als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den 70er und 80er Jahren mehrmals geschlagen. Das Bistum Augsburg dementierte die Vorwürfe und beteuerte, Mixa habe zu "keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche angewendet". Mixa weist die Vorwürfe zurück.
1. April 2010
Mixa bietet den ehemaligen Zöglingen des Heimes ein Gespräch an und erklärt: "Ich versichere nochmals, dass ich zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe." Die Laienorganisation "Wir sind Kirche" fordert ihn auf, sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen.
2. April 2010
Die Betroffenen erklären, sie wollten nicht mit dem Bischof reden, solange dieser Prügel-Attacken abstreite.
4. April 2010
Mixa versichert in einem Interview der "Welt am Sonntag", er habe "ein reines Herz". Gewalt und Priestertum seien mit dem Glauben unvereinbar.
7. April 2010
Das Kuratorium der Waisenhausstiftung in Schrobenhausen setzt einen Rechtsanwalt als Sonderermittler ein.
10. April 2010
Die "Augsburger Allgemeine" berichtet über angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Kinderheim in Schrobenhausen: Mixa solle Geld der Waisenhausstiftung Schrobenhausen wiederholt "nicht zweckmäßig" verwendet haben.
12. April 2010
Mixa räumt Versäumnisse im Umgang mit Geld der Waisenhausstiftung ein. Als Seelsorger habe er sich "nicht akribisch um finanztechnische Fragen gekümmert" und dies immer anderen überlassen, die mehr davon verstünden. Das sei "wahrscheinlich ein Fehler" gewesen, den er einräume "und im Nachhinein auch bedauere". Die "Unklarheiten" seien aber im Jahr 2000 bereinigt worden.
16. April 2010
Bischof Mixa räumt überraschend mögliche Ohrfeigen gegen Kinder ein: "Die ein oder andere Watschen kann ich nicht ausschließen." Schwere körperliche Züchtigungen bestreitet er aber weiterhin.
17. April 2010
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, fordert von Mixa eine Aufklärung der Vorwürfe.
19. April 2010
Mixa bedauert eigenes Fehlverhalten: "Es tut mir im Herzen weh und leid, dass ich vielen Menschen Kummer bereitet habe. Ich bitte um Verzeihung", sagt er bei einer Sitzung des Priesterrats seiner Diözese. Das Gremium fordert eine lückenlose Aufklärung, eine Solidaritätserklärung mit ihrem Bischof geben die Priester nicht ab.
21. April 2010
Die Deutsche Bischofskonferenz rät Mixa öffentlich zu einer Amtspause. Zollitsch sagt, er habe wie auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx zusammen mit Mixa überlegt, ob "eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könnte". Noch am selben Abend unterzeichnet Mixa überraschend sein Rücktrittsgesuch an den Papst.
22. April 2010
Die Diözese bestätigt Mixas Rücktrittsgesuch offiziell und kündigt an, der Bischof werde sich bis zur Entscheidung des Papstes aus der Öffentlichkeit zurückziehen.
29. April 2010
Benedikt XVI. empfängt im Vatikan Zollitsch, Marx und den Augsburger Weihbischof Anton Losinger zu einer Audienz. Im Mittelpunkt steht Mixas Rücktrittsgesuch.
7. Mai 2010
Nach Angaben des bayerischen Justizministeriums hat die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen gegen Mixa wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eingeleitet. Es soll dabei um einen Fall aus Mixas Zeit als Bischof von Eichstätt 1996 bis 2005 gehen
8. Mai 2010
Walter Mixa verliert sein Bischofsamt. Papst Bendikt XVI. nimmt in Rom den Rücktritt Mixas an. Schwammige Begründung nach kanonischem Recht: Mixa muss wegen Krankheit oder "anderer schwerwiegender Gründe" in den Ruhestand. Mixa ist damit auch nicht länger Militärbischof der Bundeswehr.
12. Juni 2010
Walter Mixa bezieht seine Wohnung im Augsburger Bischofspalais wieder, was in Augsburger Kirchenkreisen als Anmaßung empfunden wird. Als emeritierter Bischof hat Mixa kein Hausrecht mehr und muss sich die Erlaubnis des Diözesanadministrators Weihbischof Josef Grünwald einholen. Ob dies bereits erfolgte, ist unklar.
16. Juni 2010
Walter Mixa betont in einem Interview mit der "Welt", er habe seine Rücktrittserklärung vom April 2010 nicht selbst geschrieben. "Der Druck, unter dem ich die vorgefertigte Resignation unterschrieben habe, war wie ein Fegefeuer. Drei Tage später habe ich sie in einem Schreiben an den Papst widerrufen. Ich wusste in den Tagen weder ein noch aus."
20./21. Juni 2010
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" berichten von einem rund drei Dutzend Seiten langen geheimen Dossier, das der päpstliche Nuntius in Berlin, Jean-Claude Perisset, am 27. April dem Vatikan übergeben haben soll. In der Akte werden schwere Vorwürfe gegen Walter Mixa erhoben. Zeugen sprechen darin offenbar von einem schweren Alkoholproblem des Klerikers und von sexuellen Übergriffen.
23. Juni 2010
Mixa verzichtet nun doch auf eine Rückkehr in sein Amt und stellt seinen Rücktritt nicht mehr in Frage. Er nimmt seine zuvor geäußerten Vorwürfe zurück, durch eine Intrige zum Amtsverzicht gedrängt worden zu sein. Außerdem verlässt Mixa seine Wohnung im Bischofshaus. Das Bistum Augsburg sucht ihm eine "vorübergehende" Unterkunft
22. Juli 2010
Das Augsburger Ordinariat bestätigt, dass Walter Mixa seinen Ruhestand im Franziskanerinnen-Kloster der Maria-Stern-Schwestern im Landkreis Donau-Ries verbringen wird. Als Ruhestandsgeld stehen ihm mehr als 5000 Euro brutto zur Verfügung. Mixa steht es frei, Aushilfen in der Seelsorge anzunehmen und Sakramente wie Firmungen zu spenden.