"Humanitäre Katastrophe" Puerto Rico fordert Unterstützung der USA

Hurrikan "Maria" hat in Puerto Rico schwerste Zerstörungen verursacht. Der Gouverneur wendet sich nun mit einem Appell an Washington: "Die Leute dürfen nicht vergessen, dass wir US-Bürger sind."

San Juan auf Puerto Rico
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San Juan auf Puerto Rico


Angesichts der schweren Verwüstungen durch Hurrikan "Maria" auf Puerto Rico hat der Gouverneur des US-Außengebiets Unterstützung durch die Regierung in Washington gefordert. "Das ist eine humanitäre Katastrophe, die 3,4 Millionen US-Bürger betrifft. Wir werden die volle Unterstützung durch die US-Regierung brauchen", hieß es in einer Stellungnahme von Gouverneur Ricardo Rosselló. "Die Leute dürfen nicht vergessen, dass wir US-Bürger sind - und stolz darauf."

"Maria" war vergangene Woche mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern über die Karibik hinweggefegt. Auf Puerto Rico wurden mindestens zehn Menschen getötet und Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Auf der gesamten Insel gab es Stromausfälle, das Benzin wurde knapp, und die noch funktionierenden Tankstellen durften Benzin meist nur an offizielle Wagen für Rettungseinsätze abgeben. Mehrere Krankenhäuser konnten mangels Strom kaum noch arbeiten, auch Essen und Trinkwasser wurden knapp.

"Angesichts der fragilen wirtschaftlichen Lage von Puerto Rico bitten wir die Regierung von Präsident Donald Trump und den US-Kongress, entschlossen zu handeln, um Puerto Rico wieder aufzubauen", sagte nun Rosselló. Zuletzt stand das Außengebiet mehrfach am Rand der Pleite und ist auf Hilfe aus Washington angewiesen.

Das Weiße Haus hatte wenige Stunden zuvor die Darstellung zurückgewiesen, Trump widme der Lage in dem Außengebiet nicht genügend Aufmerksamkeit. Die Regierung habe einen "beispiellosen" Einsatz geleistet, um den Menschen auf Puerto Rico mit Bundesmitteln zu helfen, sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Die Reaktion sei "alles andere" als langsam gewesen. Man werde weiterhin alles tun, was möglich sei.

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Puerto Rico: Hilfe von Jennifer Lopez

Trump hatte den Katastrophenzustand für Puerto Rico ausgerufen. Er war jüngst dafür kritisiert worden, dass er in mehreren Tweets harsche Kritik an Footballspielern übte, sich aber gleichzeitig nicht zu der Zerstörung auf Puerto Rico äußerte.

Am Montagabend (Ortszeit) schrieb er bei Twitter, Texas und Florida würden sich gut schlagen - die beiden US-Bundesstaaten haben ebenfalls mit Hurrikan-Folgen zu kämpfen. "Aber Puerto Rico, das bereits zuvor unter einer maroden Infrastruktur und massiven Schulden gelitten hat, hat ernsthafte Probleme", schrieb Trump. Das alte Elektrizitätsnetz - in fürchterlichem Zustand - sei zerstört worden, genauso wie ein großer Teil der Insel. Dann erinnerte Trump noch daran, dass das Land mit Milliarden US-Dollar bei US-Banken in der Kreide stehe.

Als assoziierter Freistaat gehört Puerto Rico nicht zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Zwar sind die Bewohner US-Bürger, sie dürfen aber nicht an der Präsidentschaftswahl teilnehmen, und ihre Delegierten im Kongress in Washington haben kein Stimmrecht.

aar/dpa/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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mhwse 26.09.2017
1. Überbleibsel aus dem Spanisch-Amerikanischen Krieg
(nach einer quasi kampflosen Kapitulation der von Spanien kolonialisierten Insel) benötigten die USA Soldaten für den 1. Weltkrieg. Daher bot man den Puertorikanern die US Staatsbürgerschaft. Zugleich haben die "echten" (Geburt/10 Jahre auf der Insel gemeldet) Puertorikaner die spanische Staatsbürgerschaft.(Damit sind sie optional EU Staatsbürger) Und sie besitzen die pouertorikanische Staatsbürgerschaft. Würde Puerto Rico US Amerika als Bundesstaat beitreten, würden die Bürger die Möglichkeit verlieren in die EU als EU Bürger einzureisen .. (Trotzdem wohnen die meisten Poertorikaner auf dem US Festland ...) Alles in allem ein interessantes Thema. Gerade auch wenn man die aktuelle Politik in den USA und jetzt eben auch in Deutschland sieht ..
Celestine 26.09.2017
2.
Puerto Rico, faktisch eine Kolonie der USA. Die Bürger besitzen die amerikanische Staatsbürgerschaft, aber kein Wahlrecht. Noch keine maßgebliche Hilfe aus den USA. Die erste wichtige Botschaft von Donald Trump an die Puerto Ricaner, die Schulden. So finge sein Tweet von gestern an: "Texas & Florida are doing great but Puerto Rico, which was already suffering from broken infrastructure & massive debt, is in deep trouble." Sonst hat sich Trump in der Zwischenzeit fleißig mit dem der amerikanischen Flagge gezeugten Disrepekt beschäftigt. Also fünf Tage nach der grausamen Verwüstung hat Trump zunächst am meisten Sorge damit, ob seine Wallstreet & Hedge Fund buddies ihr Geld zurück bekommen, laut NBC News: "But he added that the island's billions of dollars of debt to the Wall Street and banks 'must be dealt with,' without elaborating." Tja, und welchen Plan hat sein Finanzminister, ex Goldman Sachs Partner Mnuchin, laut Business Insider: "There's just a chaotic debt-restructuring process and a bunch of rich, impatient Wall Streeters." Tja, so sieht es aus für eine amerikanischen Kolonie. Bei einer unsagbarer Zerstörung einer Naturkatastrophe geht es dem US Präsidenten (dem vermeintlichen Outsider aus Nicht-Establishment und dem Retter der Armen und Schwachen ROFL) vor allem um die Wallstreet Schulden, aus Deals, die laut Business Insider seinerzeit zu eher dubiosen Konditionen geschlossen waren.
macarthur996 28.09.2017
3. bärnbärg
Puerto Rico btaucht Hilfe. Trump erinnert an die Schulden die das Land bei US Bankern hat. könnte er nicht etwas von den 700 Milliarden Dollars die er für die Aufrüstung des US Militärs verwenden will, für Puerto Rico Hilfe abzwacken ?
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