Delikatessen für Weißrussland "Danke, Wladimir Putin!"

Wladimir Putins Einfuhrverbot für West-Lebensmittel hat skurrile Folgen: Statt in Russland landen Parmesan, Camembert und spanischer Schinken nun massenweise in Weißrussland. Die Preise kollabieren, die Bürger freut's.

AFP

Französischer Käse, Schokolade aus Belgien und der Schweiz, Kandiszucker aus Deutschland, echte italienische Pasta und sogar französisches Katzenfutter - Weißrusslands Bürger entdecken derzeit europäische Delikatessen. Mit dem Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der EU zwang der russische Präsident Wladimir Putin die Exporteure, sich neue Ziele zu suchen. Nun füllen sie die Supermarktregale in Weißrussland.

"Danke, Wladimir Putin!", sagt der Ingenieur Wladimir Nesterowitsch und kauft seinem Sohn eine Packung italienisches Gebäck für umgerechnet 1,70 Euro in einem Supermarkt in Minsk. Solche Importgüter gab es früher nur in ausgewählten Feinkostläden zu Preisen, die drei- oder viermal so hoch waren wie in Europa. Somit waren sie für die meisten der 9,5 Millionen Weißrussen unerschwinglich. Doch durch Russlands Embargo-Antwort auf die Sanktionen des Westens kommen massenhaft Parmesan, Camembert und spanischer Schinken zum weißrussischen Nachbarn und lassen die Preise sinken.

Mascarpone "hat sich als sehr lecker erwiesen"

"Ich habe noch nie Käse aus dem Ausland gegessen", sagt der Universitätsdozent Alexander Wassiljew. "Aber jetzt schmiere ich jeden Morgen Mascarpone auf mein Brot. Das hat sich als sehr lecker erwiesen und ich habe keinen Hunger bis zum Mittagessen." Mascarpone erfreue sich bei den Kunden besonderer Beliebtheit, sagt eine Verkäuferin in einem Supermarkt der Hauptstadt, ebenso wie Pfirsiche und Paprika, die es für einen Euro pro Kilo gibt. "In dieser Saison kaufe ich so viel importiertes Obst und Gemüse, wie ich will", sagt der Rentner Andrej Fokin.

Die Lebensmittel aus dem europäischen Ausland kommen gut an - trotz der wiederholten Mahnungen des staatlichen Fernsehens, die nationalen Produkte seien die besten. Seit 1994 von dem autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko regiert, wurden gegen Weißrussland von der EU bereits mehrfach Sanktionen verhängt, besonders wegen Unterdrückung der Opposition. Die Regierung legt daher großen Wert darauf, sich im Zweifel eigenständig versorgen zu können. So sieht das Nationale Programm für Lebensmittelsicherung vor, dass 80 bis 85 Prozent der konsumierten Nahrung in Weißrussland produziert werden muss. Vor allem in ländlichen Gebieten verkaufen die Geschäfte fast nur regionale Produkte.

Goldrausch im Lebensmittelregal

Im Schnitt investieren Weißrusslands Bürger mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel, jetzt auch vermehrt für westeuropäische. Nur dass der Preis für Alkohol aus der EU noch so hoch ist, verstimmt die Gemüter leicht. "Es ist wirklich ein Jammer, dass Putin kein Embargo gegen Alkohol erlassen hat", sagt Nesterowitsch.

Während die Weißrussen Köstlichkeiten aus der Europäischen Union genießen, stocken die lokalen Lieferanten ihre Verkäufe ins Nachbarland auf. Auch sie wollen Profit aus dem Konflikt zwischen Russland und dem Westen ziehen. Im August sind laut dem weißrussischen Landwirtschaftsministerium die Lebensmittelexporte nach Russland um sieben Prozent gestiegen. Ein goldenes Zeitalter, ein Goldrausch, habe begonnen, sagt Fjodor Priwalow, Chef des Zentrums für Agrarindustrie an der Nationalen Akademie der Wissenschaften Weißrusslands. "Solche Gelegenheiten ergeben sich einmal alle 20 oder 30 Jahre." Produkte aus Weißrussland würden derzeit bis in den Ural verkauft.

Das bekommen auch weißrussische Kunden zu spüren: Lokale Produkte werden in den heimischen Läden teurer oder verschwinden ganz aus den Regalen. Auch die Qualität nehme in letzter Zeit ab, beschweren sich einige. Der Rentner Leonid Deiko beklagt, dass er seine bevorzugte Milchsorte nicht mehr bekomme. "Ich glaube, die ganze gute Milch wird nach Russland geschickt." Die plötzliche Fülle an Lebensmitteln aus der EU lässt ihn kalt. "Ich brauche keine importierten Produkte, die würdige ich keines Blickes."

irb/AFP

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insgesamt 28 Beiträge
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Leser1000 20.09.2014
1. Bon appetit!
Na dann! Lasst´s Euch schmecken. Lukaschenko als Supporter der EU. Wer hätte das gedacht -:)! und Russlands gleich dazu.
donrealo 20.09.2014
2. Na also - tut doch
aufgrund des Einfuhrstops können jetzt die Weissrussen auf diese Delikatessen "angefüttert" werden. Deren Heissbegehren hat natürlich auch nach der Aufhebung der Restriktionen noch Bestand. Sowas nennt man eine gelungene Entwicklung des Absatzmarktes. Was will man mehr?
spon_1202257 20.09.2014
3. Wer weiß. ...
... womöglich weckt die Westware noch Begehrlichkeiten der Bevölkerung auf andere Errungenschaften des Westens! Eine bessere Strategie zur Beseitigung der Lukaschenko-Diktat ist kaum vorstellbar.
Herr Schäuble 20.09.2014
4.
Da stellet sich mir doch die Frage, wieso verkaufen sie einen Teil dieser Lebensmittel an Russland weiter, um so das Embargo zu umgehen?
reynvoetn 20.09.2014
5. Einfach Wahnsinn
War gerade eine Woche in Moskau,dort haben die Leute die ich kenne sich schon beschwert das es kein Käse mehr zu kaufen gibt und noch so einiges und das Sie jetzt nur noch Oliven haben aus Weiß Rusland. Also,kompletter Blödsinn auf alle Seiten kann man so sagen.Hoffentlich wird der Vladi bald wieder etwas Vernünftiger und hört er auf mit dieser Kriegstreiberei,und lasst Europa wieder etwas mehr im Frieden leben
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