Räumung des Hambacher Forsts "Nicht zu retten"

Die umstrittene Räumung der Protestcamps im Hambacher Forst ist beinahe vollzogen, die Polizei spricht von einer ruhigen Lage. Tagebau-Betreiber RWE bleibt hart: Es gebe keine Rettung für den Wald.

Polizisten und Aktivisten im Hambacher Forst
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Polizisten und Aktivisten im Hambacher Forst


"Wir sind im Endspurt", sagte eine Sprecherin der nordrhein-westfälischen Polizei am Samstag in Aachen. Die Räumung des Hambacher Forsts steht nach Einschätzung der Beamten kurz vor dem Abschluss. Die Einsatzkräfte kämen gut voran, die Lage in dem von Braunkohleabbaugegnern besetzten Wald nahe Jülich sei ruhig. Mehr als 75 Baumhäuser und andere Befestigungen seien beseitigt worden.

Der Energiekonzern RWE will noch in diesem Herbst weite Teile des jahrhundertealten Naturwalds roden, um das benachbarte Braunkohle-Flöz weiter ausbaggern zu können. In dem Forst leben seit Jahren Umweltaktivisten, die gegen die geplante Abholzung protestieren. Vor rund zwei Wochen hatte die Polizei im Auftrag der Landesregierung von NRW mit der Räumung begonnen. Es kam zu teils handfesten Auseinandersetzungen mit Verletzten auf beiden Seiten. Ein 27-jähriger Blogger stürzte bei einem Unfall zu Tode.

Der Energiekonzern zeigt sich weiter unbeeindruckt. "Es gibt keine Chance, den Wald stehen zu lassen", sagte RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Eine Lösung, bei der ein Teil des Forsts stehen bleibe, sei technisch unmöglich. "Wir brauchen die Erdmassen unter dem Restwald, um die Böschungen stabil zu halten", so Schmitz. "Der Hambacher Forst ist nicht zu retten, egal, was die Kohlekommission entscheidet." Das aus Politikern und Experten zusammengesetzte Gremium soll bis Ende des Jahres eine Strategie zum Ausstieg aus dem Kohlestrom entwickeln und Perspektiven für den Strukturwandel in den betroffenen Regionen aufzeigen.

Zuvor hatte Schmitz im "Handelsblatt" Kritik an der Bundesregierung geäußert. Der Konzernchef vermisse Rückendeckung aus Berlin: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass man ein Unternehmen, das sich im rechtlichen Rahmen bewegt, so im Regen stehen lässt". Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) habe längst "ordnend eingreifen" müssen, meint Schmitz.

Die Umweltorganisation Greenpeace warf dem RWE-Boss vor, ihm sei jedes Gespür für die Brisanz des Konflikts abhandengekommen. "Wenn Woche für Woche weniger Menschen akzeptieren, dass ein wertvoller Wald für klimaschädliche Braunkohle zerstört werden soll, dann muss RWE bereit sein, über Alternativen zu reden", sagte Geschäftsführer Martin Kaiser, selbst Mitglied der Kohlekommission.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nannte die Räumung des Hambacher Forsts in der "taz" überfällig. Es sei ein Fehler gewesen, die illegal errichteten Baumhäuser sechs Jahre lang zu dulden, sagte er: "Egal, welche Position man zum Braunkohleausstieg hat, ein solcher rechtswidriger Zustand ist falsch. Der wird jetzt beseitigt."

bor/dpa



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