71 Jahre nach seinem Verschwinden Schweden erklärt "Judenretter" Wallenberg für tot

Raoul Wallenberg bewahrte Tausende Juden vor dem Tod in Auschwitz. 1945 geriet der Schwede in sowjetische Gefangenschaft und war seitdem verschollen. Jetzt erklärten Behörden ihn offiziell für tot.

Raoul Wallenberg (undatiertes Archivbild)
DPA

Raoul Wallenberg (undatiertes Archivbild)


"Judenretter", "Engel von Budapest", "Schwedens Schindler": Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg hat zahlreiche Beinamen bekommen. Er rettete 1944 im deutsch besetzten Ungarn Tausende Juden aus den Deportationszügen der SS nach Auschwitz - mit Schutzpässen der schwedischen Regierung. 1945 verschwand Wallenberg in Sowjet-Gewahrsam. Jetzt erklärte ihn Schweden offiziell für tot.

Man sehe den 31. Juli 1952 als seinen Todestag an, sagte Pia Gustafsson von der schwedischen Finanzbehörde, die für das Personenstandsregister zuständig ist. Es handele sich jedoch um ein rein formelles Datum. "Juristisch mussten wir ein Datum mindestens fünf Jahre nach seinem Verschwinden wählen, und es gibt Lebensspuren bis Ende Juli 1947", sagte Gustafsson.

Ein Mitglied der Familie Wallenberg hatte im Frühjahr dieses Jahres eine offizielle Sterbeurkunde beantragt. Die Behörden legten eine Frist von sechs Monaten fest, in der sie Suchanzeigen veröffentlichten. Es hatte sich jedoch niemand auf die Anzeigen gemeldet.

Raoul Wallenberg wurde am 4. August 1912 geboren, er gehörte zu Schwedens reichster und machtvollster Finanzdynastie. Im Juli 1944 kam er in das von den Nationalsozialisten besetzte Budapest - und bewahrte Tausende ungarische Juden vor dem Tod, indem er ihnen schwedische Papiere ausstellte.

Nach seiner Festnahme am 17. Januar 1945 in Budapest durch sowjetische Soldaten verlor sich Wallenbergs Spur. 1957 veröffentlichte die Sowjetunion ein Dokument, wonach er in der Zentrale des Geheimdienstes KGB in Moskau festgehalten wurde und am 17. Juli 1947 an einem Herzinfarkt starb. Historiker zweifelten diese Version immer an; sie gingen davon aus, dass Wallenberg hingerichtet wurde.

"Die Bitte um eine Sterbeurkunde ist ein Weg, dem Trauma zu begegnen, das wir erlebt haben, ein Kapitel zu schließen und das nächste aufzuschlagen", heißt es in einer Erklärung der Familie. Die Angehörigen von Wallenberg, darunter seine 95 Jahre alte Halbschwester Nina Lagergren, kämpfen immer noch darum, die Umstände seiner Festnahme und seines Todes zu erfahren.

Nina Lagergren mit einem Foto ihres Bruders Raoul Wallenberg (Januar 2015)
AFP

Nina Lagergren mit einem Foto ihres Bruders Raoul Wallenberg (Januar 2015)

Mehr zum Thema:

aar/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.