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Skandal in der NBA: Amerikas ganz alltäglicher Rassismus

Von , New York

In den USA haben Obamas Wahlsiege keineswegs den Weg für eine "postrassische" Gesellschaft freigemacht. Jüngstes Beispiel: Donald Sterling, Besitzer des US-Basketballteams Los Angeles Clippers, hetzte gegen Schwarze. Die Spieler seines Clubs reagierten eindrucksvoll.

Es war ein stiller Protest. Als sich die Los Angeles Clippers am Sonntag zu ihrem vierten Spiel der NBA-Playoffs gegen die Golden State Warriors aus San Francisco aufwärmten, zogen sie ihre roten T-Shirts demonstrativ linksherum an. Während des Spiels selbst trugen die Basketballer dann schwarze Socken und Armbänder.

Die Clippers verloren 97:118. Doch das war diesmal Nebensache. Denn keinem in der Oracle Arena von Oakland entging, dass am Rande des Courts einer fehlte: Donald Sterling, der Besitzer der Clippers - und der Mann, gegen den seine eigenen Spieler protestierten.

Mr. Sterling ließ sich entschuldigen. Weshalb, das bedurfte keiner Erklärung.

Der kalifornische Immobilienmilliardär steht im Mittelpunkt des jüngsten Rassismusskandals der USA. Auf mehreren Audio-Aufnahmen, die der Gossip-Website "TMZ" und dem Sportblog "Deadspin" zugespielt wurden, soll er zu hören sein, wie er Schwarze herabwürdigt - obwohl sein eigenes, lange Zeit eher glückloses Basketballteam ja auch fast nur aus Afroamerikanern besteht.

"Weißt du, dass du ein ganzes Team hast, das schwarz ist?"

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Rassismus in den USA: Protest gegen den eigenen Clubbesitzer
Die Aufnahmen enthalten zwei streitende Stimmen: eine männliche - angeblich Sterling - und eine weibliche - angeblich seine Ex-Geliebte V. Stiviano, ihrerseits schwarz-mexikanischer Herkunft. Auslöser war offenbar ein Instagram-Foto Stivianos mit dem - schwarzen - Basketball-Idol Magic Johnson.

"Es stört mich sehr, dass du herausposaunen willst, dass du dich mit Schwarzen abgibst", schimpft der Mann. "Muss das sein?" Sie könne Schwarze "privat lieben", nur nicht öffentlich. Auch solle sie zu seinen Spielen künftig "keine Schwarzen mitbringen".

"Weißt du, dass du ein ganzes Team hast, das schwarz ist?", entgegnet die Frau.

"Ich helfe ihnen", antwortet der Mann und geriert sich als großer Gönner seiner Spieler, die Millionengehälter verdienen: "Ich geben ihnen Nahrung und Kleidung und Autos und Häuser. Wer gibt ihnen das? Gibt ihnen jemand anders das?"

Die Authentizität der Aufnahmen, die US-Präsident Barack Obama als "unglaublich rassistisch und beleidigend" verurteilte, ist inzwischen weitgehend bestätigt: Sowohl die lancierten Ausschnitte wie das gesamte, einstündige Band seien "legitim", erklärte Stivianos Anwalt Mac Nehoray - die Stimmen gehörten Sterling sowie seiner Mandantin.

Amerikas Ewiggestrige widersetzen sich umso lauter

Ein Einzelfall? Mitnichten: Der Skandal um Sterling fügt sich nahtlos in eine ganze Reihe ähnlicher Ausfälle in den vergangenen Monaten ein.

Von der TV-Starköchin Paula Deen, die sich gerne von "einem Haufen kleiner Nigger" bedienen ließ, bis zum Nevada-Rancher und Tea-Party-Helden Cliven Bundy, der gerade Schlagzeilen macht, weil er findet, dass Schwarze es als Sklaven besser gehabt hätten: In den USA treibt der ganz alltägliche Rassismus bis heute krass-kuriose Blüten.

Obamas Wahlsiege haben keineswegs eine "postrassische" US-Gesellschaft eingeläutet, wie manche hofften. Im Gegenteil: Es scheint, als widersetzten sich Amerikas Ewiggestrige umso lauter.

Das offenbart sich nicht nur in kruden Worten, sondern in den vielen rassistisch durchwirkten Debatten, die die USA in jüngster Zeit bewegt haben - in der Politik, der Gesellschaft, der Wirtschaft und, ironischerweise, nun auch im Basketball.

Vor dem Sterling-Skandal hielten Bundys Entgleisungen die Amerikaner in Bann. Die begannen eigentlich als etwas ganz anderes. Der 67-jährige Cowboy erkennt die US-Regierung aus Prinzip nicht an. Doch der gehört das Land, auf dem er seine 500 Kühe grasen lässt. Seit 1993 weigert sich Bundy also, die Gebühren dafür zu entrichten - und schuldet dem Staat nun mehr als ein Million Dollar.

Farmer verstört mit seinem Wissen "über den Neger"

Mitte April schickte das zuständige Bureau of Land Management (BLM) Agenten in die Halbwüste Nevadas, um Bundys Vieh zu konfiszieren. Der Zwangsauftrieb endete jedoch, als Bundy den Regierungsvertretern bewaffnet entgegentrat - angefeuert von bis zu 1500 Militia- und Tea-Party-Konsorten.

Die Fronten zogen sich bis durch den US-Kongress: Dort pries Republikaner-Senator Rand Paul Bundy als Volkshelden, während Pauls demokratischer Senatsrivale Harry Reid ihn einen "einheimischen Terroristen" nannte.

Doch dann tat Bundy kund, was er "über den Neger weiß": "Sie treiben ihre jungen Kinder ab, sie stecken ihre jungen Männer ins Gefängnis, weil sie nie gelernt haben, Baumwolle zu pflücken." Und: "Ich habe mich oft gefragt, ob sie es als Sklaven besser haben."

Die zuvor jubelnden Republikaner konnten sich plötzlich nicht schnell genug von ihm absetzen.

Ähnlich geht es nun Sterling. Aktive und ehemalige Basketball-Stars distanzieren sich, einer nach dem anderen: Magic Johnson, LeBron James, Kobe Bryant, Charles Barkley. Die NBA prüft Konsequenzen.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass Sterling dergestalt auffällt. Sein Rassismus ist lange dokumentiert. Die Clippers verzichteten denn auch diesmal auf einen Boykott und begnügten sich mit dem schweigenden Protest. Was ist schon ein bisschen Rassismus gegen den Rausch in den NBA-Playoffs?

Am 15. Mai sollte Donald Sterling einen "Preis für sein Lebenswerk" verliehen bekommen - von der US-Schwarzenorganisation NAACP. NAACP-Chefin Lorraine Miller sagte die Ehrung inzwischen aber ab.

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insgesamt 183 Beiträge
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1. Versteckter Verteilungskampf
hajdydobajdy 28.04.2014
Die USA verstecken hinter Rassenkonflikten die Armut. Wird auch hier der Fall sein. Dunkelhäutige Menschen dominieren in den USA den Sport, weil es für sie die einzige Möglichkeit ist vielleicht ein Leben ohne Armut zu leben. Durch die Wirtschaftskrise und Deindustrialisierung ist es dann verständlich, wenn viele Weißhäutige dann neidisch werden auf erfolgreiche Dunkelhäutige im Sport und ihren Platz einnehmen möchten. Es klingt fast unglaublich, jedoch die USA sind eher stolz auf ihre Rassenkonflikte. Kommt vielleicht daher, dass jeder Einwanderer ein reicher Mensch werden möchte. Man schämt sich dann, wenn man es nicht schafft. Daher kann die nationale Eigenschaft kommen, eher über Rassenkonflikte als über Armut zu berichten. Ist natürlich auch ein Grund, warum man in den USA das Armutsproblem nicht angeht.
2. Dass sich überhaupt jemand wundert, wundert mich.
cadaquesien 28.04.2014
Der alte Mann ist stinkereich, und ihm gehört dieses Team. Es GEHÖRT ihm. So wie ein Spielzeug vielleicht, das einem Kind gehört. Und so spielt er auch damit. Es ist doch absurd, zu glauben, dass der Mann vor irgendetwas Respekt oder Achtung hat (außer vielleicht vor Leuten, die noch mehr Geld haben als er selbst). "Schwarze" bezahlt man dafür, dass sie für einen den Hampelmann machen, - in diesem Fall halt mit dem Bällchen spielen - mit denen pflegt man doch keinen Umgang.
3. Es wird zunehmen.
ak-73 28.04.2014
Vorweg: Ich heiße das, was ich jetzt prophezeie nicht gut, aber ich befürchte die Spannungen in den USA werden eher größer denn weniger - da der Anteil der weißen Bevölkerung zusehends schrumpft und sich zunehmend bedroht fühlen wird. Minderheiten (das gilt auch für Hetero-/Homosexuelle) und (vermeintliche) Mehrheiten sind eben auch Konkurrenten um Einfluss, Macht und Ansehen - und wer glaubt, dass Menschen nicht in Gruppen darum kämpfen, der wird sich schwer getäuscht sehen. Statt Kriege klassischer Art Bürgerkriege innerhalb von Gesellschaften. Ich gestehe: Ich bin pessimistisch. Alex
4. Nsa
schreckgespenst 28.04.2014
Zitat von sysopAPIn den USA haben Obamas Wahlsiege keineswegs den Weg für eine postrassistische Gesellschaft freigemacht. Jüngstes Beispiel: Donald Sterling, Besitzer des US-Basketballteams Los Angeles Clippers, hetzte gegen Schwarze. Die Spieler seines Clubs reagierten eindrucksvoll. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/rassismus-in-der-nba-clippers-chef-sterling-a-966462.html
Scheinbar hat niemand in den Medien ein Problem mit dem veröffentlichen von privaten Telefongesprächen, so lange es den "richtigen" schadet. Privater als ein Telefongespräch zwischen zwei Perseonen kann eine Unterhaltung fast nicht sein, trotzdem wird es von niemanden kritisiert.
5.
plasmopompas 28.04.2014
Zitat von sysopAPIn den USA haben Obamas Wahlsiege keineswegs den Weg für eine postrassistische Gesellschaft freigemacht. Jüngstes Beispiel: Donald Sterling, Besitzer des US-Basketballteams Los Angeles Clippers, hetzte gegen Schwarze. Die Spieler seines Clubs reagierten eindrucksvoll. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/rassismus-in-der-nba-clippers-chef-sterling-a-966462.html
Warscheinlich wird sich Mr. Sterling selbst noch nicht einmal als Rassisten sehen. das ist das eigentliche Problem, das der alltägliche Rassismus von vielen Leuten, nicht nur in des USA, als völlig normal angesehen wird.
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Donald Sterling: NBA-Teambesitzer in der Kritik

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Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.
NBA - Meister und MVPs seit 2000
Jahr Team Season-MVP Finals-MVP
2016 Cleveland S. Curry L. James
2015 Golden State S. Curry A. Iguodala
2014 San Antonio K. Durant K. Leonard
2013 Miami Heat L. James L. James
2012 Miami Heat L. James L. James
2011 Dallas D. Rose D. Nowitzki
2010 LA Lakers L. James K. Bryant
2009 LA Lakers L. James K. Bryant
2008 Boston K. Bryant P. Pierce
2007 San Antonio D. Nowitzki T. Parker
2006 Miami S. Nash D. Wade
2005 San Antonio S. Nash T. Duncan
2004 Detroit K. Garnett C. Billups
2003 San Antonio T. Duncan T. Duncan
2002 LA Lakers T. Duncan S. O'Neal
2001 LA Lakers A. Iverson S. O'Neal
2000 LA Lakers S. O'Neal S. O'Neal


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