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Rassismus-Vorwurf: Bäckerei wirbt mit schwarzem Kind für Schoko-Schnitte

Verkäuferinnen wurden beschimpft, Werbeaufsteller umgestoßen: Die Kampagne einer sächsischen Bäckerei für eine Schoko-Sahne-Schnitte hat bei Kunden für Empörung gesorgt. Zu sehen ist ein Kind aus Namibia - Verbraucher werfen dem Unternehmen Rassismus vor. 

Werbung für Schoko-Backwerk: Ein Kind aus Namibia als Fotomotiv Zur Großansicht
dapd

Werbung für Schoko-Backwerk: Ein Kind aus Namibia als Fotomotiv

Dresden - Die Werbung einer Bäckerei mit einem dunkelhäutigen Baby für Schokoladenkuchen sorgt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg für Wirbel. "Bei der Aktion ist etwas schiefgelaufen, trotzdem muss man nicht gleich Verkäuferinnen beschimpfen und Poster zerstören", sagte Christoph Raddatz, Prokurist der Bäckerei Raddatz, am Samstag im sächsischen Großenhain.

Die Werbung habe bei einigen Kunden in den Filialen in den drei Ländern und im Internet Protest und Rassismus-Vorwürfe ausgelöst. Beinahe eskaliert sei die Lage in Dresden, wo Kunden Verkäuferinnen beschimpft und Werbeaufsteller vor den Geschäften umgestoßen hätten, fügte der 25-Jährige hinzu.

Seit vergangenem Montag preist die Bäckerei auf Werbepostern ihre Schoko-Vanille-Sahne-Schnitte an. Neben einem groß abgebildeten Kuchenstück ist auf dem Plakat ein schwarzes Baby zu sehen. Unter der Abbildung ist unter anderem zu lesen: "Schoko-Traum" sowie ein Verkaufshinweis. Außerdem heißt es dort: "Abbildung nur Serviervorschlag" (für die Vollansicht auf das Bild oben klicken).

Raddatz zufolge handelt es sich um eine Wochenaktion, bei der traditionell mit dem Foto eines Mitarbeiterkindes geworben wird. "Das war auch diesmal so", verteidigte er die Werbung. "Das ist die kleine Tochter eines Mitarbeiters in Namibia. Das Mädchen heißt Sofihya", sagte er dem "Tagesspiegel". Die Hälfte seiner Familie lebe in Namibia. In dem südafrikanischen Land beschäftige Raddatz etwa 50 Mitarbeiter, unterstütze zudem verschiedene Schulen und Brunnenbauprojekte.

Die Kombination des Bildes mit dem Kleingedruckten darunter sei jedoch "wirklich unglücklich", gab Raddatz zu. Die vom Gesetzgeber geforderten Zeilen hätten anders platziert werden müssen. Auch sei es "grenzwertig", dass der Hinweis "Aktion" so über dem Foto des Mädchens prange, sagte Raddatz. Die Bäckerei betreibt nach eigenen Angaben insgesamt 100 Filialen in Deutschland.

sto/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 461 Beiträge
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1. Es ist nicht die Werbung...
sappelkopp 02.04.2011
...mit einem farbigen Mensch an sich, die hier stört. Es ist der Zusammenhang mit dem Text. Hätte der Gestalter der Werbung z.B. eine Kakaoplantage mit fröhlichen schwarzen Pflückern gezeigt, hätten die Kunden sicherlich weniger Probleme. (Das ist nur ein Beispiel und sicher grenzwertig, ich weiß unter welchen Bedingungen Kakao teilweise erzeugt wird.) Wie kann man nur so wenig nachdenken.
2. Wer nach Aufregern sucht findet immer welche
reinhard_m, 02.04.2011
Im Otto-Katalog und den Aldi-Werbeflyern wird auch mit farbigen Kindern geworben. Das gilt als Zeichen von Weltoffenheit und wird nicht weiter kritisiert. Wenn eine Firma nur weiße Kinder mit Seitenscheitel und blonden Haaren abbildet ist es für manche Menschen auch wieder Rassismus. Man kann es halt auf Dauer nicht allen Recht machen. Irgendwann wirken bewußte Dauerempörung und gesuchte Dauerbetroffenheit nur noch lächerlich.
3. würklich skandalös, pfuipfui
lauca 02.04.2011
Im Zusammenhang mit einem Kind finde ich den Ausdruck "Schoko-Traum" auch daneben. Bei einer erwachsenen Schönheit (egal ob weiblich/männlich) hätte es schön gepasst. Oder ist das nicht politisch korrekt genug? Eine, wie soll ich es sagen: recht dunkel pigmentierte Freundin von uns (doitsche Mama, doitscher Pass) fühlt sich jedenfalls immer amüsiert und sehr geschmeichelt, wenn ich sie "Schoko-Häschen" nenne. :-)
4. ach gott, wie peinlich ...
Maro2 02.04.2011
... nicht die Aktion, aber die Reaktionen. Gibtr es in unserem Land etwa unsichtbare Scheuklappen die auch gleichzeitig den gesunden Menschenverstand und Urteilsvermögen ausblenden?
5. Rassismus-Vorwurf ist idiotisch.
Student5 02.04.2011
Zitat von sysopVerkäuferinnen wurden beschimpft, Werbeaufsteller umgestoßen: Die Kampagne einer sächsischen Bäckerei*für eine Schoko-Sahne-Schnitte hat*bei Kunden für Empörung gesorgt. Zu sehen ist ein Kind aus Namibia -*Verbraucher werfen dem Unternehmen Rassismus*vor.* http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,754699,00.html
Ich finde die Werbung völlig korrekt und gut gelungen. Der Rassismus-Vorwurf ist schlichtweg idiotisch, die Angriffe sind Ausdruck fehlender oder irregeleiteter politischer Bildung. Schokolade ist süß, das Baby ist süß. Beide haben die gleiche Farbe, beide möchte man gerne mit den Lippen berühren. Es ist ein Lob auf die Schokoschnitte, aber auch auf Babys afrikanischer Herkunft. Allerdings wäre besser ein lächelndes Baby gezeigt worden; dieses sieht eher ein wenig unglücklich oder "benachteiligt" aus. In diesem Zusammenhang frage ich mich auch, warum die Bezeichnungen "Negerküsse" und "Mohrenköpfe" geächtet wurden. Es sind doch erkennbar keine unangenehmen Assoziationen, die mit den Bezeichnungen hergestellt werden sollten. Hier wie dort sind Ideologen am Werk, die den Bezug zu Volk und Wirklichkeit weitgehend verloren haben.
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