Weltweite Reaktionen: "Ein Zeichen der Stärke Lateinamerikas"

Papst Franziskus: Der stille Jesuit aus Buenos Aires Fotos
REUTERS

Glückwünsche aus aller Welt erreichen Franziskus - und viele betonen die Bedeutung des ersten Papstes vom amerikanischen Kontinent. Die Gratulanten sprechen von einem starken Signal der katholischen Kirche.

Rom - In seinem Heimatland Argentinien wurde im Kongress die Sitzung unterbrochen, als die Nachricht bekannt wurde: Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires ist neuer Papst. "Es gibt einen Papst und der ist Argentinier!", rief der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Julián Domínguez. Der Oppositionsführer und Abgeordnete Ricardo Alfonsín zeigte sich "ergriffen und glücklich. Als Argentinier fühle ich mich stolz, dass Kardinal Bergoglio der neue Papst ist."

In der Kathedrale der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires brach Jubel und Applaus aus. Die sonst sehr twitterfreudige Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner schickte erst mehr als eine Stunde später Glückwünsche über ihren Account. Sie wünsche Franziskus eine "fruchtbare Amtszeit" und erinnerte ihn an die große Verantwortung, die er jetzt übernehme, "was die Gerechtigkeit, die Gleichheit, die Brüderlichkeit und den Frieden der Menschheit betrifft". Mehrfach hatte Kirchner in den vergangenen Jahren öffentlich mit dem bisherigen Erzbischof gestritten.

Weltweit wird die Wahl des Argentiniers als starkes Signal der katholischen Kirche begrüßt. Dieses soll ihr neue Perspektiven eröffnen, so die Hoffnung vieler Gratulanten. Hier eine Übersicht:

  • US-Präsident Barack Obama sagte, er freue sich darauf, mit Papst Franziskus zusammenzuarbeiten, um Frieden, Sicherheit und die Würde aller "Mitmenschen, unabhängig ihres Glaubens" zu stärken. "Als Fürsprecher der Armen und der Schwächsten trägt er die Botschaft von Liebe und Mitgefühl weiter, die die Welt seit mehr als 2000 Jahre inspiriert hat." Zugleich sei die Wahl des ersten Papstes aus Amerika ein Zeichen der Vitalität und Stärke Lateinamerikas.
  • Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete die Tatsache, dass erstmals ein Lateinamerikaner katholisches Kirchenoberhaupt werde, sei ein "sichtbares Zeichen" der "weltumspannenden Dimension" der römisch-katholischen Kirche. Der Argentinier trete sein Amt "in Zeiten großer Herausforderungen an". Gauck wünschte dem neuen Papst für die vor ihm liegenden Aufgaben "Kraft, Weisheit und Gottes Segen".
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte dem neuen Papst Gesundheit und Kraft für seinen Dienst am Glauben und zum Wohl der Menschen: "Ich freue mich insbesondere mit den Christen in Lateinamerika, dass nun zum ersten Mal einer der Ihren an die Spitze der Katholischen Kirche berufen worden ist. Weit über die katholische Christenheit hinaus erwarten viele von ihm Orientierung, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung geht."
  • Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte dem neuen Kirchenoberhaupt und allen Katholiken. "Ich freue mich auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan unter der weisen Führung von seiner Heiligkeit, Papst Franziskus." Er ergänzte: "Wir teilen gemeinsame Ziele - vom Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte, bis zum Kampf gegen Armut und Hunger, alles wichtige Elemente der nachhaltigen Entwicklung."
  • Die Europäische Union schickte ebenfalls Glückwünsche: "Wir wünschen ein langes und gesegnetes Pontifikat, das Ihrer Heiligkeit und der katholischen Kirche ermöglichen wird, die fundamentalen Werte von Frieden, Solidarität und Menschenwürde zu verteidigen und zu fördern", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionschef José Manuel Barroso.
  • Frankreichs Präsident François Hollande übermittelte dem Papst die besten Wünsche. Frankreich werde getreu seiner Geschichte und den Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit den vertrauensvollen Dialog mit dem Heiligen Stuhl fortsetzen. Dies werde "im Dienst von Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und der Menschenwürde" geschehen.

Auch die Kirchen gratulierten:

  • Das neue Oberhaupt der katholischen Kirche zeichnet sich nach Ansicht der Deutschen Bischofskonferenz durch "sein bescheidenes Auftreten und seine kraftvollen Predigten" aus. "Heimat- und naturverbunden ist der Heilige Vater. Bekannt ist er für die Besuche an den hohen kirchlichen Feiertagen in Krankenhäusern und Gefängnissen", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. "Das schlichte Glaubenszeugnis seiner ersten kurzen Ansprache und sein Gebet zeigen der Welt: Der Heilige Vater ist bereit, das wichtige Amt und die hohe Verantwortung in tiefem Gottvertrauen zu übernehmen."
  • Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, wünschte dem neuen Papst Gottes Segen, "viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick". Bergoglio bringe als erster Papst aus Lateinamerika besondere Erfahrungen mit, die der römisch-katholischen Weltkirche neue Perspektiven eröffnen könnten.
  • Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht in der Papstwahl "ein großes Hoffnungszeichen". Präsident Alois Glück sagte: "Das ist ein programmatisches Signal für eine Kirche, die den Armen nahe ist." Dafür stehe auch die Namenswahl Franziskus. Die Wahl des Überraschungskandidaten Bergoglio deute darauf hin, "dass viele Kardinäle einen Veränderungsbedarf sehen. Er ist nicht ein Kandidat der Zentrale oder des Zentralismus."
  • Brasiliens Bischöfe reagierten mit großer Freude auf die Wahl des argentinischen Kardinals. "Das ist eine sehr angenehme Überraschung, und wir erwarten ihn mit viele Liebe und Warmherzigkeit zum Weltjugendtag (im Juli) in Rio de Janeiro", sagte der Generalsekretär der brasilianischen Bischofskonferenz, Leonardo Steiner.
  • Der Jüdische Weltkongress in New York hofft darauf, die "engen Beziehungen weiterzuführen, die zwischen katholischer Kirche und Juden in den vergangenen zwei Jahrzehnten geschaffen wurden", sagte Ronald S. Lauder, der Präsident der Organisation. "Papst Franziskus ist für uns kein Fremder." Er habe bereits an vielen interreligiösen Veranstaltungen teilgenommen. "Er hatte immer ein offenes Ohr für unsere Sorgen."
  • Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche haben den neuen Papst zu Reformen aufgefordert. "Der Heilige Franziskus war der größte Reformer der Kirche in der Geschichte, Papst Franziskus muss dasselbe tun", forderte die US-Organisation Netzwerk der Überlebenden von Missbrauch durch Priester.

Das Minutenprotokoll der Papstwahl lesen Sie hier.

heb/dpa/AFP

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1. Einfluss auf Lateinamerika
raber 13.03.2013
Mit so vielen Katholiken in Lateinamerika war es nur eine Zeitfrage bis ein Papst aus der Region gewählt wurde. Hoffentlich kann er nicht nur die Katholiken der Welt in die richtige Richtung führen sondern auch die Kirchen, Politiker und Einflusspersonen Lateinamerikas zu einem ehrlicheren Verständnis und Durchführung der katholischen Prinzipien bringen. Zu oft war und ist diese Kirche mit den Reichen verbunden und vernachlässigt die Armen. Es reicht nicht nur jeden Sonntag zur Kirche zu gehen, die Kirchenfürsten zu Luxusessen einzuladen und sich mit Schenkungen zu brüsten, sondern wirklich die Prinzipien zu leben. Ehrlichkeit und Respekt sind die Haupttugenden die abhanden gekommen sind.
2. Starkes Signal?
unsermichel 13.03.2013
Zitat von sysopREUTERSGlückwünsche aus aller Welt erreichen Franziskus I. - und viele betonen die Bedeutung des ersten Papstes aus Südamerika. Die Gratulanten sprechen von einem starken Signal der katholischen Kirche. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/reaktionen-auf-papst-wahl-ein-zeichen-der-staerke-lateinamerikas-a-888747.html
Was für ein Signal? - Die Stärke eines 76-Jährigen, der seit langem als nicht gesund gilt? - Ja, auch ich wünsche dem Mann die Kraft, die ihm als "Anwalt der Armen" zugeschrieben wird. Dass er den Namen Franziskus gewählt hat, erscheint ja schon mal vielversprechend, vielleicht liegt bei ihm die Kraft in der Weisheit des Alters. Nachdem ich den Namen gelesen hatte, dämmerte jedoch eine ganz andere Erinnerung, und beim Googeln bestätigte sich dieser flüchtige Gedanke, dass es da mit seiner Rolle während der argentinischen Militärdiktatur doch einige Ungereimtheiten gegeben hatte, die bis heute offenbar nicht geklärt sind. Trotz aller Skepsis gehe ich dem neuen Papst unbefangen entgegen - er kann in den Jahrzehnten ja auch viel gelernt haben und sich nun auf die Kernkompetenz des Christentums konzentrieren, als kleiner Mensch für kleine Menschen da zu sein, als Mächtiger Werte vorzuleben oder zumindest zu weisen, die alltagstauglich sind ... Wir werden sehen, was "Il Papae No 263" zu bewegen imstande ist, bewegen will und vor allem: bewegen kann. Dass er diesen spießigen Altherrenclub im Vatikan zu grundlegenden Reformen bewegen kann (so er es denn überhaupt will) glaube ich allerdings nicht ...
3. kein wunder
donvito85 13.03.2013
angesicht der kontinuierlichen Kirchenaustritte im Westen, wundert es nicht mehr einen lateinamerikanischen Papst zu ernennen.... ein Versuch wenigstens die letzte Bastion des Katholizismus aufrecht zu erhalten....
4.
Atheist_Crusader 13.03.2013
Zitat von sysopREUTERSGlückwünsche aus aller Welt erreichen Franziskus I. - und viele betonen die Bedeutung des ersten Papstes aus Südamerika. Die Gratulanten sprechen von einem starken Signal der katholischen Kirche. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/reaktionen-auf-papst-wahl-ein-zeichen-der-staerke-lateinamerikas-a-888747.html
Diese Aussage ist sehr nahe dran an "Die brauchten einen Lation für die Quote.". Normalerweise sollte man davon ausgehen, dass die Konklave den wählt, den sie für den geeignetsten hält (wie auch immer man "geeignet" definiert). Und damit ist es vollkommen egal, wo er herkommt. Wenn in den letzten zwanzig Konklaven jedes Mal der potugiesische Kandidat am geeignetsten schien, dann ist absolut nichts falsche dran, wenn sich die Portugiesen dann eben die Klinke in die Hand geben. Zu sagen, die Wahl sei ein zeichen der Integration oder Toleranz oder Blablubb, unterstellt im Grunde, dass die Wahl vor allem aus PR-technischen Gründen getroffen wurde.
5. Ich glaube eher....
wohin 13.03.2013
.....es ist eine politisch motivierte Wahl der Kardinäle: das erwachende aufstrebende Lateinamerika muss unter allen Umständen katholisch gehalten werden!
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