Reformen in katholischer Kirche Zollitsch bleibt hart

In der katholischen Kirche Deutschlands wird der Ruf nach Reformen lauter. Nach Informationen des SPIEGEL haben sich mehr als 160 Priester und Diakone einem entsprechenden Memorandum angeschlossen. Doch Erzbischof Zollitsch zeigt sich unbeeindruckt. Am Zölibat will er festhalten.

Erzbischof Zollitsch: Warnung vor "kurzschlüssigem Denken"
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Erzbischof Zollitsch: Warnung vor "kurzschlüssigem Denken"


Hamburg - In den Reihen der katholischen Kirche formiert sich der Widerstand: Anfang Februar verfassten 144 Theologen ein Memorandum, in dem sie unter anderem die Abschaffung des Zölibats forderten. Nach Informationen des SPIEGEL haben sich im Erzbistum Freiburg mehr als 160 Priester und Diakone der Forderung angeschlossen. Sie fordern von den Bischöfen "die ernsthafte Einleitung eines Dialogprozesses" über Probleme, "die alle Gemeinden und eine Mehrzahl von Katholiken sehr bedrängen".

Jetzt hat sich erstmals auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in die Reformdebatte eingeschaltet - und den Forderungen nach einer Abschaffung des Zölibats mit harschen Worten eine Absage erteilt. In einem Beitrag für die Zeitung "Welt am Sonntag" (WamS) wies er die Forderungen des Theologenmemorandums nach der Zulassung verheirateter Priester und von Frauen für kirchliche Ämter zurück.

Kritik am "kirchlichen Reparaturbetrieb"

Mit Blick auf den wachsenden Priestermangel warnte Zollitsch "vor kurzschlüssigem Denken und vermeintlich einfachen Lösungen". Zwar dürfe es bei der Diskussion über eine Reform des Priesteramts keine Denkverbote geben. "Aber wer sie führen will, darf sicherlich nicht bei plakativen Forderungen stehen bleiben, die viel mit Nützlichkeitskalkülen und Pragmatismus und wenig mit theologischer Durchdringung zu tun zu haben scheinen."

Zollitsch hatte unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals im vergangenen Jahr zu einem Dialogprozess zwischen Laien, Priestern und Bischöfen aufgerufen. Nun kritisierte er, dieser Aufruf habe bei "nicht wenigen" zu dem Missverständnis geführt, schon lange bekannte Anliegen erneut in die Diskussion zu bringen.

Letztlich müsse sich die Kirche aber darauf konzentrieren, wie die Frage nach Gott in der modernen Gesellschaft wach gehalten und christlich beantwortet werden könne. Dafür sei "mehr erforderlich als ein kirchlicher Reparaturbetrieb, der an einigen Stellschrauben dreht, um so eine bessere Kirche hervorzubringen".

Zu der Erklärung der Theologieprofessoren sagte Zollitsch: "Bei allem Wohlwollen für die Autorinnen und Autoren: Mag jemand im Ernst glauben, dass die Verwirklichung der hier aufgelisteten Reformforderungen zur erwünschten Blüte von Glauben und Kirche führt?"

"Nicht jeder Reformvorschlag betrifft die Kirche in gleicher Weise"

Gleichzeitig bekräftigte er die Gesprächsbereitschaft der Kirche über Reformschritte. "Auch wir Bischöfe gehen von der Überzeugung aus, dass Änderungen des kirchlichen Lebens und der Strukturen möglich und sehr wohl nötig sind." Die Bischofskonferenz werde auf ihrer Vollversammlung im März Vorschläge erarbeiten.

Zollitsch machte sich auch für deutsche Sonderwege bei möglichen Reformen stark. "Nicht jede Änderungsidee unterläuft schon deshalb die kirchliche Einheit und die Loyalität zum Papst, weil sie Neues beinhaltet. Nicht jeder Reformvorschlag betrifft die gesamte Kirche in gleicher Weise."

Das Theologenmemorandum hatte dazu aufgerufen, in der Kirche "einen neuen Aufbruch" zu starten. Den Forderungen haben sich auch katholische Religionslehrer aus der ganzen Bundesrepublik mit einem eigenen "Aufruf zur Solidarität" angeschlossen.

Sie erhöhen damit den Druck auf die deutschen Bischöfe kurz vor deren Frühjahrstagung in Paderborn Mitte März. Initiatoren der sich auch im Internet ausbreitenden innerkirchlichen Reformbewegung sprechen vom "Geist von Kairo in unserer Kirche".

han/dapd

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
Joachim Baum 20.02.2011
1. ...
Es ist ja auch insofern folgerichtig, dass wachsende Glaubensferne sicherlich nicht am Zölibat festgemacht werden kann. Und außerdem ist auch er nur ein kleines Rad im absolutistischem katholischen Räderwerk :-)
güti 20.02.2011
2. Das Bild ist ja mal der Hammer:-)
...und der Artikel auch...wenn man bedenkt dass das einer der Weltoffensten und Reformoffensten Bischof der Kirche ist
_bla 20.02.2011
3. Zölibat
Eine ernsthafte Änderung dürfte beim Zölibat erst geben, sobald das nicht mehr als Nachgeben gegenüber Zeitgeist und Antiklerikalen verstanden wird. Dazu kommt das die katholische Kirche mit ihrem konservativen Kurs bisher nicht so schlecht gefahren ist, die liberalere evangelische Kirche hat deutlich mehr Mitglieder und Kirchenbesucher verloren.
GM64 20.02.2011
4. Der Dialog ist gut
Zitat von sysopIn der katholischen Kirche Deutschlands wird der Ruf nach Reformen lauter. Nach Informationen des SPIEGEL haben sich mehr als 160 Priester und Diakone einem entsprechenden Memorandum angeschlossen. Doch Erzbischof Zollitsch zeigt sich unbeeindruckt. Am Zölibat will er*festhalten. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,746632,00.html
wenn schon Priester so eine Petition unterzeichnen, dann heißt es, dass sie ihre eigene Kirche nicht verstehen, dass ist ein großer Mangel. Somit ist der Dialog sogar für einige Priester nötig. Wenn man über den Zölibat spricht, heißt es ja noch lange nicht, dass er am Ende abgeschafft wird. Es kann ja sein, dass am Ende dann alle zu Einsicht kommen, dass er sinnvoll und nötig ist.
Antoninus 20.02.2011
5. Kairo oder Kairos...?
Der "Geist von Kairo".: - Das lockt Lächeln (mild-priesterlich) und Trotz verstärkt hervor bei Ober-Bischöfen und den Weihbischöfen, die dem gleichen Recht unterworfen sind: der Pflicht auf den Altar des Bischofs vereidigt zu sein). Oder war der "Kairos" gemeint (wie bei KT Guttenberg?). - Ein solches Wehen des "Hl. Eiligen" ist seit den frühen Konzilstagen von Rom nicht mehr verzeichnet worden.
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