Provokation in Regensburg 26 Kreuze auf Moschee-Baugelände aufgestellt

Kreuze mit den Namen von Terroropfern wurden in Regensburg auf dem Baugelände einer Moschee platziert. Die "Identitäre Bewegung" hat sich zu der Provokation bekannt, die islamische Gemeinde reagiert besonnen.

Die Kreuze auf dem Baugelände der Moschee in Regensburg
DITIB

Die Kreuze auf dem Baugelände der Moschee in Regensburg


26 weiße Kreuze standen am vergangenen Samstag auf in Regensburg dem Baugelände einer Moschee in Regensburg. Mit Klebeband waren kleine Zettel befestigt, auf denen die Namen von Opfern der Terroranschläge 2016 in Brüssel standen.

Laut Ercüment Baysal, dem Sprecher des Moscheeverbandes Ditib in Regensburg, wurden die Kreuze von einem Passanten und Mitglied der muslimischen Gemeinde entdeckt. Dieser habe direkt die Polizei und den Vorstand von Ditib verständigt.

"Wir sind entsetzt darüber, dass man den Terror von Brüssel mit der neuen Moschee in Verbindung bringt", sagte ein Ditib-Sprecher der "Süddeutschen Zeitung". "Unsere derzeitigen Gebetsräume sind bereits seit den Achtzigerjahren in Regensburg", sagt Baysal dem SPIEGEL. "Wir haben gute Beziehungen zu den Anwohnern. Diesen Angriff auf das friedliche Zusammenleben verurteilen wir aufs Schärfste, lassen uns von solchen Aktionen aber nicht provozieren."

"Ein sensibles Thema"

In einem Facebook-Post hat die "Identitäre Bewegung Bayern" sich zu der Aktion bekannt. Die rechte Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Dass sie die Aktion für sich beansprucht, sei "den Ermittlern nicht verborgen geblieben", sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Den Beamten sei klar, dass es sich um ein sensibles Thema handle. Die Kripo Regensburg prüfe gerade in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, ob eine strafrechtliche Handlung vorliege.

Es ist nicht der erste Vorfall, seit der islamischen Gemeinde im November 2017 das 5000 Quadratmeter große Grundstück in einem Gewerbegebiet im Osten der Stadt zugewiesen wurde. Bereits Anfang des Jahres waren laut der "Süddeutschen Zeitung" Tausende E-Mails im Regensburger Rathaus eingegangen. Die Absender forderten den Bau der Moschee "sofort zu stoppen" und das "vom Christentum geprägte Stadtbild" zu erhalten. Die Mails wurden anonym und teils aus Österreich und der Schweiz verschickt.

Der Ditib-Verband mit seinen rund 900 Moscheen in Deutschland bezeichnet sich gern als "politisch neutral", ist aufgrund seiner Nähe zum türkischen Staat aber umstritten. Zu dieser Kritik sagt Baysal: "Politik interessiert uns überhaupt nicht und wir achten auch darauf, dass die Politik nicht ins Gotteshaus hineinkommt."

bma



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