Rekord-Lottogewinn in spanischem Dorf Der Mann ohne Los

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Aus Sodeto berichtet

2. Teil: "Was macht man mit dem einen, der nicht gewonnen hat?"


"Trotzdem habe ich hier Arbeit, und zwar genug", sagt er. Unter dem Dachboden stehen zwischen Whiskey- und Bierflaschen fünf Bildschirme, zwei Computer, ein Drucker, ein Scanner, zwei dunkle Drehstühle mit Stoffbezug. Es ist sein Büro. Mitsotakis ist Dokumentarfilmer, er ist der Chef einer Ein-Mann-Firma: filmen, schneiden, vertonen.

Er drehte auf allen Kontinenten, reiste durch Afrika, machte Filme über Sklaven in Ghana und Burkina Faso. "Ich will nichts anderes tun", sagt er, "drei bis viermal im Jahr bin ich für mehrere Wochen unterwegs. Das ist wunderbar." Was er ausdrücken will: Auch ohne die Millionen habe er genug Geld und Beschäftigung zum Glücklichsein.

Sodeto ist jetzt eine sehr wohlhabende Gemeinde. Vor der Lotterie-Ziehung am 22. Dezember mussten sich die Bewohner um das, was kommt, sorgen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die jungen Menschen zieht es in die Städte. Egal, wen man jetzt fragt, die Antwort lautet stets: "Alle Zukunftssorgen sind verschwunden."

"Abgegeben hat mir noch niemand etwas", sagt Mitsotakis.

"Hoffst du noch darauf?"

"Nein."

"Warum?"

"Ich weiß es nicht."

Er will sich nicht zu tief in die Seele blicken lassen. Kurz nach der Ziehung musste er seinen Seat Inca in eine Werkstatt in der nächsten Stadt bringen, weil der alte Kastenwagen ab und zu nicht ansprang.

"Ich will Ihnen ein Geschenk machen"

Diese Geschichte erzählt Mitsotakis gerne, er lächelt wieder. Als er nämlich sein Auto abholen wollte, sagte ihm der Werkstattbesitzer, dass er nicht bezahlen müsse. Die Rechnung habe jemand aus Sodeto beglichen. Wer das war, weiß Mitsotakis nicht.

Es gibt noch mehr Belege dafür, dass die Reichen ihn in ihrer alegria (zu Deutsch: Freude) nicht vergessen haben. Vor ein paar Tagen wurde Mitsotakis von einer älteren Dame angesprochen. Sie fragte: "Was wünschen Sie sich? Ich will Ihnen ein Geschenk machen." Mitsotakis antwortete: "Das müssen Sie doch nicht." Sie erwiderte: "Warten Sie nur ab!"

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Land, aus der man schließen muss, dass auch Costis Mitsotakis ein Gewinner ist. Im Herbst vergangenen Jahres hatte er entschieden: Vor mein Haus setze ich einen Gemüsegarten, der Rest vom Land kann weg, ich weiß nichts damit anzufangen. Er erzählte im Dorf, dass knapp acht Hektar Ackerland zum Verkauf stehen. Kopfschütteln, nein danke.

Ein paar Tage nach der Ziehung stand ein Freund von Mitsotakis an dessen schwarzen Eingangstor. Er lächelte und sagte, dass er sich für die Felder interessiere. Sie sprachen nur fünf Minuten miteinander, dann war das Geschäft besiegelt.

Costis Mitsotakis, der Mann ohne Los, sagt: "Er hat mir ein sehr gutes Angebot gemacht."



insgesamt 9 Beiträge
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neuroheaven 07.02.2012
1. ...
ich habe auch lotto gespielt und nix gewonnen. einfach zum kotzen. ich will auch endlich paar mille auf dem konto und ein gutes leben führen. ungerechte welt.
kwh2 07.02.2012
2.
---Zitat von Tim Röhn--- der Rest vom Land kann weg ---Zitatende--- Herr Röhn, auch wenn das Unterschichten-Fernsehen, ihn längst abgeschafft hat, gilt für Sie immer noch die aktuelle deutsche Grammatik, und nach deren Regeln an dieser Stelle der Genitiv: "der Rest *des Landes* kann weg"
pförtner 07.02.2012
3. Alle oder keiner
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie 250 Einwohner des spanischen Dorfes Sodeto sahnten bei der Weihnachtslotterie "El Gordo" mehr als 100 Millionen Euro ab. Nur einer ging leer aus: der 42-Jährige Costis Mitsotakis. Er hatte als Einziger kein Los gekauft. Trotzdem ist auch er jetzt irgendwie ein Gewinner. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,813613,00.html
Zu einem glücklichen Dorf gehören alle oder keiner !
pootpoot 07.02.2012
4.
Zitat von kwh2Herr Röhn, auch wenn das Unterschichten-Fernsehen, ihn längst abgeschafft hat, gilt für Sie immer noch die aktuelle deutsche Grammatik, und nach deren Regeln an dieser Stelle der Genitiv: "der Rest *des Landes* kann weg"
Ihr Sprachstil, Herr oder Frau kwh2, ist schlecht (der Bezug von "ihn" auf den "Genitiv" über den Umweg der "Grammatik" ist zum Davonlaufen), Ihre Interpunktion ist fehlerhaft und der andere Grammatikfehler im Artikel (bei dem es sich nicht wie bei dem von Ihnen kritisierten Fehler um eine Übersetzung unter Beibehalt der Sprachebene handelt, sondern mutmaßlich um einen Tippfehler) ist Ihnen auch nicht aufgefallen. Schwache Vorstellung, Herr Oberlehrer.
old_spice 07.02.2012
5. Quotengrieche
Warum sollte man ausgerechnet in Ostspanien einebn griechen finden, der ein glückliches Händchen in Finanzfragen hat ?
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