Bad Neuenahr - Der bislang in der Öffentlichkeit eher unbekannte Wuppertaler Theologe Manfred Rekowski sitzt ab März der Evangelischen Kirche im Rheinland vor. Bei der Wahl des neuen Präses setzte sich der 54-Jährige Oberkirchenrat auf der Landessynode gegen seine Mitbewerberinnen Petra Bosse-Huber und Ellen Ueberschär durch.
Rekowski tritt damit die Nachfolge von Präses Nikolaus Schneider an, der sich nach zehn Jahren an der Spitze der zweitgrößten Landeskirche in Deutschland in den Ruhestand verabschiedet. Er bleibt aber noch bis 2015 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Seinen letzten Jahresbericht nutzte er am Dienstag, um mit der Politik der Bundesregierung hart ins Gericht zu gehen. Er kritisierte unter anderem geheime Waffenexporte in arabische Länder und die hohen Kosten der Energiewende.
Bei der Stichwahl votierten 116 der 212 stimmberechtigten Mitglieder für Rekowski, 93 für Bosse-Huber. Zuvor hatte keiner der beiden die absolute Mehrheit erreichen können. Daraufhin war Ueberschär im dritten Wahlgang nicht mehr angetreten.
Die Wahl des neuen Präses stand unter dem Eindruck einer tiefen Vertrauenskrise in der Landeskirche. Die Kirche kämpft mit den Folgen eines millionenschweren Finanzdebakels um den kircheneigenen Dienstleistungsbetrieb bbz. Riskante Anleihegeschäfte führten dazu, dass die rheinländische Kirche mit 21,4 Millionen Euro einspringen musste. Mehrere Mitarbeiter werden in diesem Zusammenhang der Untreue, des Betrugs und der Bilanzfälschung bezichtigt.
Rekowski sagte dann auch in seiner ersten Reaktion nach der Wahl: "Die Aufgabe ist groß." Die Kirche stehe vor einer Menge an Herausforderungen und internen Problemen.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) gratulierte Rekowski. "Ich bin mir sicher, dass Sie die Landeskirche auch in schwierigeren Zeiten wieder in ruhige Fahrwasser bringen", schrieb der Mainzer Regierungschef. Zugleich dankte Beck dem scheidenden Präses Schneider für sein langjähriges Engagement und seine "mutige und offene Art". Offiziell wird Rekowski am 3. März in das Amt eingeführt.
dapd/dpa
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