Von Marc Pitzke, New York
"20th Century Castles" nennt er seine Firma, Burgen des 20. Jahrhunderts. "Moderne Gegenstücke zu den mittelalterlichen Trutzstellungen Europas", wie er auf seiner Website missilebases.com prahlt. Bisher hat Peden 49 Silos verkauft. Manche wechselten mehrmals den Besitzer, wenn sich die Objekte als allzu renovierungsresistent entpuppten.
Unter anderem aktuell im Angebot:
Käufer müssen zuvor einen Fragebogen ausfüllen. Etwa: "Sind Sie mehr ein neugieriger Tourist oder ein ernsthafter, potenter Kaufinteressent?" Oder: "Sind Sie sich über den Zustand solcher Immobilien im Klaren?" Oder: "Akzeptiert Ihre Familie oder Ihr Ehepartner einen Umzug?"
Bruce Townsley kaufte sich 1997 für schlappe 99.000 Dollar ein Atlas-F-Silo in Texas, nachdem Peden sein Geschäft in der berühmten "Tonight Show" vorgestellt hatte. Townsley bastelte aus der Röhre eine moderne Junggesellenbude mit runden Wänden und vielen Treppen, zwei Jahre dauerte das. Das Silo liegt auf Federn, um einem Atomschlag trotzen zu können. Es schwankt ab und zu leicht.
Das Silo als Wasserreservoir, Film-Safe, Campingplatz
Andere Silo-Freunde kommunizieren via Internet. Die Facebook-Seite "NebraskaSilos", die die Atlas-F-Anlagen im US-Bundesstaat Nebraska mit Bildern und Kommentaren verklärt, hat immerhin 32 Fans. "Meine Güte, das hier macht mich ganz verrückt, sieht toll aus, in prima Zustand und wow", freut sich einer über Fotos einer Anlage im Ort Seward.
Begeisterte finden sich im ganzen Land. Ob in Missouri, wo sich einst Benediktiner-Nonnen aus Protest gegen die Aufrüstung an die Zäune der Minuteman-Silos anketteten, oder in New Mexico. Dort hat sich der Automechaniker Keary Olson im Kommandobunker einer Atlas-F-Abschussrampe in der Nähe der Ufo-Pilgerstätte Roswell zur Ruhe gesetzt. "Ich habe mein Leben lang in der Stadt verbracht", sagte er dem "Albuquerque Journal". "Weshalb das jetzt sicher eine Umstellung sein wird."
Nicht weit davon entfernt hat eine Kooperative ein Silo in ein Wasserwerk umgewandelt, um die 340 Seelen des Wüstendorfs Lake Arthur mit Trinkwasser zu versorgen. Ein weiterer Bau in New Mexico ging an einen Trickspezialisten aus Hollywood, der in den verlässlich kühlen Temperaturen Filmmaterial aufbewahren will. Weitere Silo-Anlagen wurden Campingplätze.
Was gibt es Schöneres als einen alten Atombunker?
Für Gary Baker aus Roswell sind die Bunker Abenteuerspielplätze. "Was gibt's Schöneres, als da draußen herumzutoben", sagt der Mann, der sich "Silo Man" nennt, der Lokalzeitung "Durango Herald". Schon als Kind nutzte er die stillgelegten Silos, um mit Freunden Abseilen zu üben. Heute unterhält er die Fan-Website www.siloworld.com und besitzt selbst einen Bunkerbau, den er Interessenten weltweit als Lager für Computerdaten oder Museum andient.
Ein bestehendes Silo-Museum gibt es bereits, das Titan Missile Museum in Arizona, die einzige zugängliche Titan-II-Anlage der Nation. Das unterirdische Gemäuer hat drei Tonnen schwere Türen, drei Meter dicke Wände und tatsächlich eine echte Titan II in der Röhre, deren Abschuss man dort simulieren darf.
Andere Einrichtungen fanden eine nicht ganz so harmlose Bestimmung. Im Ort Wamego in Kansas nutzten Drogenhändler ein umgebautes Atomsilo, um LSD herzustellen. Undercover-Agenten ertappten sie auf frischer Tat, als sie den Bau mit einer Truck-Ladung verließen. Vor allen Gefahren ist man selbst im Atombombensilo nicht geschützt.
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