Wettbewerb in der Republik Kongo Schön, üppig

Size Zero? Nirgends. In der Republik Kongo huldigt der Schönheitswettbewerb "Miss Mama Kilo" einem althergebrachten Ideal.

Patrick Meinhardt

Posieren, lächeln, über die Bühne schlendern, die Jury überzeugen: Bei "Miss Mama Kilo" ist allzu Vieles wie bei Hunderten anderer Schönheitswettbewerbe auch - mit einem Unterschied: Die Teilnehmerinnen sind alles andere als dünn.

18 Frauen konkurrierten in diesem Jahr um den Titel - die Teilnehmerinnen kamen aus der Republik Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Angola, Benin und der Zentralafrikanischen Republik. Die leichteste Frau wog 100 Kilo, die schwerste 170.

Traumfrauen allesamt, findet Rossine Assemekang. Die Organisatorin von "Miss Mama Kilo" hat das westliche Schönheitsideal nie nachvollziehen können. "Unsere Frauen haben Kurven, große Hintern." Afrikanische Männer bevorzugten üppige Körper.

Seit sieben Jahren versucht Assemekang bei "Miss Mama Kilo" zu zeigen, dass solche Frauen selbstverständlich Model- und Laufstegqualitäten haben: Verkäuferinnen, Friseurinnen, Lehrerinnen, Köchinnen. Karten für die jüngste Veranstaltung kosteten umgerechnet 80 bis 160 Euro, der Wettbewerb fand in einem der besten Hotels der Hauptstadt Brazzaville statt.

Der Fotograf Patrick Meinhardt hat die Veranstaltung dokumentiert, das Posieren auf der Bühne genauso wie die Proben. Die Fotos zeigen, wie tief ein gewisses Schönheitsideal vielerorts in Afrika immer noch verankert ist. Körperfülle gilt als attraktiv, als Zeichen von Gesundheit und Wohlstand: Wer dick ist, kann sich gutes Essen leisten.

"Miss Mama Kilo" ist keine Einzelerscheinung. In Nigeria wird "Miss Curvy" gekürt. Es gab schon "Miss Real African Beauty", einen vergleichbaren Wettbewerb im Malawi, Mindestgewicht für Teilnehmerinnen: 85 Kilogramm.

Wettbewerbe wie "Miss Mama Kilo" setzen einen Kontrapunkt zu den Standards der westlichen Mode- und Schönheitsindustrie. Dort ist der Druck zum Dünnsein Ausnahmen zum Trotz so groß, dass manche Länder sie per Gesetz verbieten, auch wenn die Effektivität solcher Initiativen zweifelhaft ist. Jüngstes Beispiel ist Frankreich, wo das Parlament Mitte April für ein Verbot von Magermodels stimmte.

Ungesunde Extreme gibt es aber auch in Afrika: Dort werden einige Frauen quasi gemästet, damit sie gewissen Idealen entsprechen. Manchmal dient das dazu, sie zu attraktiveren Bräuten für Männer zu machen, die althergebrachte Vorstellungen von weiblicher Schönheit hegen.

Manche Behörden haben die Gefahr darin erkannt. Übergewicht sei mitnichten ein Zeichen für ein gutes Leben, zitierte die "International Business Times" schon vor Jahren einen Mitarbeiter der ghanaischen Gesundheitsbehörde. Vielmehr habe Dicksein ernste gesundheitliche Implikationen, mit denen Betroffene ein Leben lang zu kämpfen hätten. Teilweise zeigt sich das schon im Leben einer neuen, aufstrebenden Mittelschicht in Afrika: Sie kämpft längst gegen Übergewicht, genau wie etwa in den USA.

ulz



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