Riesending-Drama Rettung von Höhlenforscher kostete fast eine Million Euro

Die Rettung von Johann Westhauser aus der Riesending-Höhle vor einem Jahr hat 960.000 Euro gekostet. Elf Tage dauerte der Einsatz, mehr als 700 Helfer waren beteiligt. Der Forscher selbst übernimmt einen "nicht unerheblichen Beitrag".

Rettungseinsatz bei Riesending-Höhle (Juni 2014): Der Forscher selbst übernimmt einen "nicht unerheblichen Beitrag"
DPA

Rettungseinsatz bei Riesending-Höhle (Juni 2014): Der Forscher selbst übernimmt einen "nicht unerheblichen Beitrag"


Mehr als ein Jahr nachdem der Forscher Johann Westhauser aus der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden gerettet wurde, hat das bayerische Innenministerium die Kosten des Einsatzes auf 960.000 Euro beziffert. Davon trage der Freistaat einen Großteil, unter anderem für Hubschraubereinsätze der bayerischen Polizei, Material der Bergwacht sowie Lohnzahlungen für die Ehrenamtlichen.

Westhauser selbst übernehme "einen nicht unerheblichen Beitrag", teilte das Ministerium zudem mit. "Der Anteil entspricht seinen Einkommens- und Vermögensverhältnissen. Es wäre unverhältnismäßig, Westhauser vollumfänglich in Regress zu nehmen."

Westhauser hatte an Pfingsten 2014 bei einem Steinschlag in der tiefsten Höhle Deutschlands ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. In einer elftägigen Aktion wurde er aus tausend Metern Tiefe gerettet. Mehr als 700 Helfer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Kroatien waren beteiligt.

Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und die Stiftung Höhlenrettung hatten laut Mitgliederzeitung bereits 15.000 Euro als Beitrag für die Bergwacht Bayern und in- und ausländische Rettungsorganisationen überwiesen. Der Großteil stammte aus Spenden.

Material soll aus Höhle geholt werden

Westhauser wird Anfang September wieder zur Jahrestagung des Höhlenforscher-Verbandes in der Region erwartet. Rund 200 Forscher aus ganz Deutschland kommen vom 3. bis 6. September nach Schönau am Königssee. Sie wollen unter anderem über Unfälle, Rettungsstrategien und Versicherungsfragen diskutieren.

Höhlenforscher Johann Westhauser in Unfallklinik (Juli 2014): Rückkehr in die Region
DPA/Unfallklinik Murnau

Höhlenforscher Johann Westhauser in Unfallklinik (Juli 2014): Rückkehr in die Region

Während der Tagung wollen Kollegen Westhausers in die Höhle steigen. Sie planen jedoch zunächst keine Forschungsmission. Vielmehr wollen sie bei dem eintägigen Einsatz Material aus dem Riesending holen, sagte die für Anträge zur Begehung der Höhle zuständige Mitarbeiterin der Gemeinde Bischofswiesen.

Nach Westhausers Rettung wurde die Höhle mit einem massiven Stahlgitter verschlossen, um Ungeübte am Einstieg zu hindern. Wer nun in die Höhle will, muss dies bei der Gemeinde Bischofswiesen beantragen.

Schon im vergangenen Herbst hatten Bergwacht, Höhlenretter und Forscher die Höhle aufgeräumt und säckeweise Material nach oben geholt. Jetzt sollen unter anderem noch Seile aus dem oberen Höhlenbereich geborgen werden. Wann wieder in der Höhle geforscht wird, ist offen.

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insgesamt 50 Beiträge
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Roedi 22.08.2015
1. na und?
Es handelt sich bei Herrn Westhauser um einen Forscher, der mit seiner Arbeit dazu beiträgt, das Wissen der Menschen zu erweitern. Natürlich kann es dabei auch zu Unfällen kommen. Ihn aus dieser Notlage zu retten, ist selbstverständlich und die Kosten hierfür ziemlich egal. Zieht man noch die sinnlosen Hubschrauberflüge ab, die es mit Sicherheit gegeben hat und addiert den wirtschaftlichen Nutzen für die Region dazu (Unterbringung und Verpflegung der Presse usw.) sieht es außerdem sicher deutlich besser aus. Es wird in Deutschland für völlig sinnlose Projekte deutlich mehr Geld verbrannt.
PeterPan95 22.08.2015
2.
Offensichtlich geht man dort vernünftig mit dem Thema um. Bei solchen Summen halte ich es aber auch für vernünftig, nur Bergsteiger mit entsprechender Versicherung in die Höhle zu lassen.
wauz 22.08.2015
3. Prinzip der Solidarität
Herr Westhauser ist ein gestandener Mann, der weiß, was er tut. Er hat keineswegs leichtfertig gehandelt, als er in die Höhle einstieg. Sein Unfall war einfach Pech. Und da ist es schon ein wenig fragwürdig, warum man ihn überhaupt mit Rettungskosten belastet. Da gibt es andere, bei denen das aus erziehrischen Gründen sehr viel angebrachter wäre.
meinmein 22.08.2015
4. im Auftrage
Was mag wohl die Rettung der Apollo 13 - Astronauten gekostet haben? Mussten die das auch selber bezahlen?
Big_Jim 22.08.2015
5. Na und?
Wie viel Geld zahlt die Allgemeinheit für Ski Unfälle von Privatleuten? Und die müssen nicht einmal einen Anteil der Kosten tragen obwohl Selbstüberschätzung meistens der Grund sein dürfte!
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