Crack-Süchtige in Rio Aus dem Dunkeln geholt

Sie leben in größter Armut, ihr bisschen Geld geben sie für Crack aus: In Rio de Janeiro verkaufen Dealer Drogen an die Ärmsten. AP-Fotograf Felipe Dana stellt Betroffene in einer eindrucksvollen Porträtserie vor.

AP

Von


Crack ist billig, macht extrem schnell abhängig und ist rund um die Uhr zu haben. In brasilianischen Großstädten gibt es an vielen düsteren Orten Drogen zu kaufen. Doch wenige sind so trostlos und so gefährlich wie die Slums, die sie Cracolândia nennen. Crack-Land.

Die Anzahl der Crack-Abhängigen ist zuletzt extrem angestiegen. Laut neuen Studien zählt Brasilien inzwischen zu den Ländern, in denen weltweit am meisten Crack geraucht wird. Die staatlichen Programme, die die Sucht eindämmen sollen, zeigen kaum Erfolg.

Geprägt wurde der Begriff Cracolândia in São Paulo. In der Region Luz vegetierten zeitweise bis zu 2000 Crack-Süchtige unter erbärmlichen Umständen zwischen den Dealern, die Tag und Nacht ihre Ware anbieten.

Auch in Rio de Janeiro gibt es Cracolândias. Sie entstehen schnell, mitten in einer Favela, manchmal auch in direkter Nachbarschaft eines Armutsviertels. Und manchmal auf Plätzen, unter Brücken oder entlang von Hauptverkehrsstraßen.

Einer der Crack-Umschlagplätze in Rio liegt in der Nähe des Maracanã-Stadions, in dem im vergangenen Juli das Endspiel der Fußball-WM stattfand. Verwahrloste Menschen schlafen unter freiem Himmel, hinter Mauervorsprüngen, in hohlen Brückenpfeilern, inmitten von Unrat und Müll.

Vor der Fußball-WM hat der Staat in Rio etliche Favelas zurückerobert und Einheiten der sogenannten Befriedungspolizei UPP dort stationiert. Drogenbosse wurden verhaftet oder vertrieben. Und viele Viertel, die bis dahin No-Go-Areas waren, gelten seither als befriedet.

Doch die Crackdealer wurden von den Polizeiaktionen nur aufgescheucht. Binnen kurzer Zeit entstanden neue Drogen-Umschlagpunkte. Teilweise direkt neben und selbst in den von der Polizei befriedeten Favelas wie etwa dem Viertel Jacarezinho. Der Staat ist machtlos.

Viele Crack-Raucher werden schon nach dem ersten Konsum süchtig. Das Zeug, billig hergestellt aus einem Krümel Kokain, Backpulver und Wasser, wirkt nach wenigen Sekunden, die Nervenzellen im Gehirn des Konsumenten drehen durch. Doch der Rausch währt nur fünf bis zehn Minuten. Viele Süchtige brauchen mehrmals am Tag ihre Dosis, die finanziert werden muss, auch wenn sie so billig wie ein Schokoriegel ist. Beschaffungskriminalität und Prostitution sind oftmals die Folge.

Für seine Porträtserie hat AP-Fotograf Felipe Dana Frauen und Männer vor einer Leinwand in Szene gesetzt: mitten in ihrem Elend. Einige haben noch einen Job und soziale Beziehungen. Andere haben schon alles verloren. Eine seiner Protagonistinnen, Daniela Pinto, raucht seit vier Jahren Crack. Sie träumt von Frieden und Liebe. Und davon, endlich wieder clean zu sein.

AP



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.