Roadkill-Eater Dachs samt Kopf im Topf

Arthur Boyt isst bevorzugt Tiere, die von Autos überfahren werden und am Straßenrand verenden. Dachs kommt bei ihm mit Kopf in den Kochtopf, besonders lecker findet er Labrador. "Uuuhh", stöhnen Freunde des Roadkill-Eaters. "Alles nur Kopfsache", sagt der Aas-Esser.

AFP

London - Sie heißen Roadkill-Eater und essen, wie der Name schon sagt, alles, was auf der Straße so übergemangelt wird und liegenbleibt. Katzen, Dachse, Füchse, Iltisse, Mäuse oder Hunde - abhängig eigentlich nur von der lokalen Fauna.

"Augen auf im Straßenverkehr", das gilt jeden Tag in besonderem Maße für den Briten Arthur Boyt, der die tierischen Verkehrstoten aufsammelt und in sein einsam gelegenes Haus im schönen Cornwall in Südwestengland schleppt.

Da heißt es dann: häuten, ausnehmen, kochen - letzteres am besten ausgiebig, denn der Ausnahme-Gourmet schreckt auch vor gut abgelegenem Autobahn-Gammelfleisch nicht zurück. Er habe schon Tiere gegessen, die bereits zwei Wochen tot waren, sagt Boyt der Nachrichtenagentur AFP. Maden oder Würmer könne man getrost abpflücken und das Fleisch dann trotzdem noch genießen.

"Ich habe schon Zeug gegessen, das war dunkelgrün und stank." Wenn man es ordentlich koche, sei das kein Problem. "Ich bin noch nie krank geworden vom Roadkill-Essen." Er habe schon Besuch gehabt von Leuten, denen hinterher schlecht war - "aber ich glaube, das war was anderes".

Dachs zum Beispiel schmeckt laut Boyt am besten, wenn man ihn gleich mit Kopf schmort, etwa fünf Stunden lang, schön mit Gewürzen und frischen Kräutern ("rot und delikat, intensiver Wildgeschmack mit Moschusnote").

"Ein bisschen wie Lamm"

"Uuuhh, machst du das wirklich?", fragen entsetzte Freunde von Boyt, wenn sie dahinterkommen, was er am Straßenrand und in der Küche so treibt. "Wenn du es probieren würdest, würde es dir vermutlich gefallen", antwortet Boyt dann. Schon seit einigen Jahren vermarktet der 74-Jährige seine eigentümliche Vorliebe, hat bereits ein Buch mit Roadkill-Rezepten veröffentlicht.

Seit den sechziger Jahren ernährt sich der Brite von Aas und empfiehlt dies ausdrücklich. Sicher, man müsse eine gewisse Hemmschwelle überschreiten. Aber: "Es geht nicht um den Geschmack des Fleisches, das ist nur eine Kopfsache."

In einer Kühltruhe bewahrt Boyt seine Fundstücke auf - darunter auch Bussarde und Blindschleichen. Seine Lieblingsspeise? Eindeutig Hund! Laut eigener Aussage hat der Rentner bereits zwei Lurcher und einen Labrador gegessen, die von Autos überfahren worden waren. "Rund und süßlich" schmeckten die, ein wenig wie Lamm. "Ich trinke Rotwein dazu, wenn es geht einen Chianti." Boyt legt Wert darauf zu betonen, dass er versucht hat, die Besitzer der Tiere ausfindig zu machen, bevor er sie verspeiste.

In Großbritannien ist es legal, am Straßenrand aufgelesene Tier zu essen - es sei denn sie wurden absichtlich überfahren.

Während schon dem hartgesottenen Industriefleischesser ganz blümerant wird bei der Idee, seit langem totes Fleisch in sich hineinzustopfen, wie mag es dann einem Vegetarier damit gehen? Ausgerechnet Boyts Frau aber isst gar keine toten Tiere - weder aus dem Supermarkt noch von der Straße. Das Zeitfenster, in dem der Roadkill-Eater seinem Würgereiz erzeugenden Hobby nachgehen kann, ist dementsprechend klein: Einmal in der Woche weilt die Gattin bei Verwandten, dann kann er den Kochlöffel schwingen. "Wenn sie über Nacht bei ihrer Mutter bleibt, ist das ein großes Fest", sagt Boyt.

ala



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