Roger Waters Ex-Pink-Floyd-Sänger kritisiert Benefizkonzert für Venezolaner

Milliardär Richard Branson plant ein Konzert für die Not leidende Bevölkerung in Venezuela. Ex-Pink-Floyd-Sänger Roger Waters hält davon nichts - und macht den USA schwere Vorwürfe.

Roger Waters (Archiv)
AP/ Shane Keyser/ The Kansas City Star

Roger Waters (Archiv)


"Es hat nichts mit den Bedürfnissen der venezolanischen Bevölkerung zu tun, es hat nichts mit Demokratie zu tun, es hat nichts mit Freiheit zu tun, es hat nichts mit Hilfe zu tun": Ex-Pink-Floyd-Sänger Roger Waters hat das vom britischen Milliardär Richard Branson geplante Benefizkonzert zugunsten der venezolanischen Bevölkerung scharf kritisiert. Branson sei auf einen Trick der USA hereingefallen, sagte Waters in einem auf Twitter veröffentlichten Video.

Branson organisiert am Freitag in der kolumbianischen Stadt Cúcuta an der Grenze zu Venezuela ein großes Konzert mit Stars wie Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel und dem puerto-ricanischen Sänger Luis Fonsi ("Despacito"). Die Einnahmen sollen der Not leidenden venezolanischen Bevölkerung zugutekommen. Auch soll Druck auf die venezolanische Führung ausgeübt werden, Hilfslieferungen ins Land zu lassen.

Ziel sei es, innerhalb von 60 Tagen 100 Millionen Dollar zu sammeln und die Grenze Venezuelas zu öffnen, "damit die humanitäre Hilfe endlich die Millionen von Menschen erreichen kann, die sie am meisten benötigen", hieß es auf der Website von Venezuela Aid Live.

Die geplante humanitäre Hilfe für Venezuela wird zusehends zum Spielball im Machtkampf zwischen dem umstrittenen Staatschef Nicolás Maduro und seinem Kontrahenten Juan Guaidó. Der Oppositionsführer, der inzwischen von rund 50 Staaten als Übergangspräsident anerkannt wurde, hat Maduro aufgefordert, aus den USA gelieferte Medikamente und Lebensmittel ins Land zu lassen.

Maduro lehnt das kategorisch ab. Der Linksnationalist sieht die Hilfen als Vorwand für eine US-geführte Militärintervention, die sich US-Präsident Donald Trump offenhält.

"Wollen wir wirklich, dass Venezuela zu einem neuen Irak, Syrien oder Libyen wird", fragte Ex-Pink-Floyd-Sänger Waters jetzt mit Blick auf andere US-Militäreinsätze. "Ich nicht, und das venezolanische Volk auch nicht."

Richard Branson
AFP

Richard Branson

Er habe Freunde in der venezolanischen Hauptstadt Caracas, fuhr der britische Musiker fort. Anders als von den USA behauptet gebe es "keinen Bürgerkrieg, kein Chaos, keinen Mord, keine offensichtliche Diktatur, keine Masseninhaftierung der Opposition, keine Unterdrückung der Presse".

Guaidó und die USA bezeichnen Maduro regelmäßig als Diktator. An der Menschenrechtslage in dem südamerikanischen Krisenstaat wird immer wieder scharfe Kritik laut.

Das erdölreichste Land der Welt leidet unter einer schweren Versorgungskrise. Viele Menschen hungern, in den Krankenhäusern fehlt es an Medikamenten und Material. Rund drei Millionen Menschen sind bereits ins Ausland geflohen.

wit/AFP

insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rabbijakob 20.02.2019
1. Bravo Roger Waters...
.... denn jemand wie er hat verstanden um was es in der Welt geht, und vielmehr hat er den Mut es zu sagen. Erstaunlich ist, dass die USA ihre humanitäre Hilfe nur auf Erdölstaaten beschränkt, und damit die Regierungen übernehmen will. Ich wüßte da noch viel mehr Staaten wo Diktatoren regieren... aber die haben kein Öl.
fkfkalle3 20.02.2019
2. Unverbogen, wie gehabt
Roger Waters hatte schon immer einen Standpunkt zu den jeweils aktuellen Problemen der Gegenwart auch der Vergangenheit. Man braucht dem kaum etwas hinzuzufügen. Mir ist die Haltung der EU mehr als suspekt. Anstatt als Verbund in einem Land zu invetieren,das schon aus Eigennutz, verschärft man die Probleme . als treuer Vasall von der USA Gnaden.
schlumz 20.02.2019
3. rabbijakobheute, 08:38 Uhr
was ist falsch daran eine hungernde Bevölkerung zu unterstützen, obwohl Sie das zynische Glück hat in einem Erdölstaat zu überleben?
scharfekante 20.02.2019
4. Bravo Roger Waters
Lieber Spiegel, warum werden die US-"Sanktionen" immer weggelassen? Das ist doch grotesk, die USA zahlen ihre Oelschulden von $ 20 MilliARDEN an Venezuela nicht, um sich dann von der Weltgemeinschaft fuer ein scheinheiliges Angebot von $ 20 MillIONEN "Hilfsguetern" feiern zu lassen. Roger Waters ist einer der wenigen Prominenten, die den Mut haben, von Ihrer Intelligenz Gebrauch zu machen.
golocine 20.02.2019
5. Eine erfrischende Stimme im Gleichklang der Berichterstattung
Wie selbstverständlich wird über Venezuela als eine Diktatur geredet. Der selbsternannte Präsident, der von Staaten anerkannt wird, die auch zum Amtsantritt des gewählten Präsidenten anwesend waren ( Maduro, für die die es vergessen haben), erscheint täglich vor den Mikrophonen der nationalen und ausländischen Medien. In einer Diktatur? In Deutschland sollte doch eigentlich noch Erinnerung an die Zustände einer Diktatur vorhanden sein. Bitte, liebe Berichterstatter, erweitern Sie doch ihren und unseren Horizont und forschen nach über die Ursachen der Lage in diesem Land. Und über die Veränderungen, die einen hohen Prozentsatz der Bevölkerung seit Hugo Chavez erlebt haben ( und ich rede nicht von den Venezolanern, die seitdem ihre Privilegien verloren haben und wie das kubanische Exil, diesen Privilegien nachtrauert). Aber es geht ja eigentlich gar nicht um die Venezolaner oder um Maduro. Es geht um das Prinzip der Nichteinmischung in Angelegenheiten eines souveränen Landes. Hat mal jemand nachgeforscht, wieviele Interventionen es auf dem amerikanischen Kontinent gegeben hat, und wieviele Demokraten an die Macht gekommen sind? Die Generäle in Guatemala, in Brasilien, Argentinien , Chile? Humanitäre Hilfe ist heutzutage der Deckmantel um eine Intervention zu rechtfertigen. Aber das die prekäre Lage auch durch eine gezielte Wirtschaftsblockade entstanden ist, ist das keine Analyse wert? Mein Gott, das Schema wiederholt sich. Wie könnte man paraphrasieren , it's oil, gold and coltan, stupid .
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.