Fotoserie über Hongkong Leben auf dem Dach

Kaum ein Ort ist so dicht besiedelt wie Hongkong. Der Fotograf Romain Jacquet-Lagrèze zeigt, wo die Einwohner noch freien Platz finden.

Romain Jacquet-Lagrèze/ Courtesy of Blue Lotus Gallery

Ein Interview von


  • Courtesy of Blue Lotus Gallery
    Romain Jacquet-Lagrèze, geboren 1987 in Frankreich, arbeitet als Fotograf und lebt seit über acht Jahren in Hongkong. Er beschäftigt sich seitdem fotografisch mit dem enormen Wachstum der Stadt. Sein Bildband "Concrete Stories" ist im Mai dieses Jahres erschienen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Jacquet-Lagrèze, Kinder springen Seil, Erwachsene rauchen oder hängen Wäsche auf: Warum sind Hongkongs Dächer so belebt?

Jacquet-Lagrèze : In Hongkong herrscht akuter Platzmangel. Die Wohnungen sind in der Regel sehr klein und zwingen die Menschen dazu, sich anzupassen. Sie müssen woanders Platz finden.

SPIEGEL ONLINE: Wer darf die Dächer betreten?

Jacquet-Lagrèze : Sie sind für die Bewohner der Häuser frei zugänglich - manchmal ist sogar die Eingangstür offen, sodass man sie auch betreten kann, wenn man nicht dort wohnt.

Fotostrecke

11  Bilder
Hongkongs Dächer: Der Blick von oben

SPIEGEL ONLINE: Wie suchen Sie die Dächer aus, von denen sie fotografieren?

Jacquet-Lagrèze : Ich suche Gebäude, die die richtige Höhe haben. Ich will weit oben sein, aber nicht zu weit entfernt von meinem Motiven.

SPIEGEL ONLINE: Wie entdecken Sie die Menschen auf den Dächern?

Jacquet-Lagrèze : Wenn ich auf einem Dach stehe, kann ich Dutzende andere Dächer sehen. Aber es ist nicht immer leicht, jemanden zu finden. Da meine Fotos nicht inszeniert sind, muss ich sehr geduldig und wachsam sein.

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Romain Jaquet-Lagreze:
Concrete Stories

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SPIEGEL ONLINE: Sie fotografieren Menschen, ohne dass diese es wissen. Finden Sie das in Ordnung?

Jacquet-Lagrèze : Ich fühle mich unwohl damit, in die Privatsphäre der Menschen einzudringen. Deshalb richte ich meine Kamera nur auf das, was unter freiem Himmel passiert, was man auch von den Tausenden umliegenden Fenstern aus sehen kann. Außerdem konzentriere ich mich auf Szenen und Aktionen statt auf Menschen oder eindeutig erkennbare Orte. Ich vermeide es auch, Leute so nah zu zeigen, dass man sie erkennen kann.

SPIEGEL ONLINE: Welche Szene hat Sie am meisten beeindruckt?

Jacquet-Lagrèze : Einmal fand unten auf der Straße eine Demonstration statt. Ich konnte sie von oben nicht sehen, aber hören. Plötzlich entdeckte ich eine weibliche Silhouette auf einem Dach gegenüber. Ich richtete meinen Kamera auf sie und erkannte, dass es sich um ein junges Mädchen in Schuluniform handelte, das die Demonstration mit ihrem Smartphone festhielt. Aus dieser Szene ist eines der Fotos für meinen Bildband "Concrete Stories" entstanden.

SPIEGEL ONLINE: Wird es die Gemeinschaftsdächer auch in Zukunft geben?

Jacquet-Lagrèze : Es gibt immer noch viele, aber es werden weniger. Da die Preise für Wohnungen in Hongkong immer weiter steigen, werden alte Gebäude aufgekauft, abgerissen und durch viel größere ersetzt. Bei den modernen Häusern ist der Zugang zum Dach verboten. Ich bedauere das sehr, weil die alten Stadtteile Hongkongs langsam verschwinden.



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