Washington - Wie viel ist das Blut eines Präsidenten wert? Und darf es überhaupt gehandelt werden? Seit Sonntag bietet ein unbekannter Verkäufer im Internet eine Ampulle mit Ronald Reagans Lebenssaft an. Die Empörung in den USA ist groß.
PFC Auctions, ein Unternehmen mit Sitz in Guernsey, Großbritannien, veranschlagte ein Mindestgebot von 1500 Pfund (1865 Euro) für die ungewöhnliche Devotionalie - das derzeitige Angebot liegt bei 9181 Pfund (11.419 Euro). Die Auktion endet am Donnerstag.
Dem Verkäufer zufolge stammt die Probe aus einem Labor, das Reagans Blut nach dem Attentat vom 30. März 1981 analysieren sollte. John W. Hinckley junior schoss damals auf Reagan, als der gerade das Hilton Hotel in Washington verließ. Der Republikaner wurde schwer verwundet und verlor fast die Hälfte seines Blutes. Eine Kugel hatte sein Herz nur um Millimeter verfehlt.
Seine inzwischen verstorbene Mutter habe in dem Labor in Columbia, Maryland, gearbeitet, berichtete der namentlich nicht bekannte Verkäufer. Sie habe nach dem Test darum gebeten, die Ampulle mit nach Hause nehmen zu dürfen. Laut "Washington Post" sagten Ärzte, sie seien nicht überrascht über das Auftauchen des Blutes bei einer Auktion. Mediziner, Krankenschwestern und Techniker hätten eine ganze Reihe von Dingen gehortet, die an den 13-tägigen Aufenthalt Reagans im George Washington University Hospital erinnerten.
"Wenn diese Geschichte stimmt, dann ist das ein feiger Akt und wir werden alle rechtlichen Mittel nutzen, um den Verkauf zu stoppen", drohte John Heubusch, Geschäftsführer der Ronald Reagan Presidential Foundation and Library. Die Foundation bot gleichwohl an, die Probe als Spende entgegennehmen zu wollen.
Der findige Verkäufer sagte dazu nur: "Ich war ein echter Fan der Reaganomics (der Wirtschaftspolitik Reagans) und hatte das Gefühl, Präsident Reagan selbst würde es lieber sehen, wenn ich das Blut verkaufe anstatt es zu spenden." Nun also steht die Ampulle neben einer von Fidel Castro handsignierten kubanischen Flagge und einem Stück königlicher Hochzeitstorte von Prinz William und Catherine Middleton zum Verkauf.
Auch der Arzt, der Reagan Anfang der achtziger Jahre im George Washington University Hospital untersuchte, zeigte sich wenig amüsiert von der Auktion: "Man geht doch nicht hin und verkauft Laborproben oder Körperflüssigkeiten", sagte Joseph Giordano. "Das darf man nicht tun, das ist unmoralisch."
Unmoralisch oder nicht - das Interesse an Körperrelikten berühmter Persönlichkeiten war schon immer groß. Galileos Finger wurde bei der Exhumierung seiner Leiche abgeschnitten, und ist noch heute im Museo Galileo in Florenz zu bestaunen. Pop-Legende Michael Jackson soll Interesse bekundet haben am Kauf der sterblichen Überreste des 1890 verstorbenen John Merrick, im viktorianischen Zeitalter besser bekannt als der "Elefantenmensch".
Dorothy Jarlett, Haushälterin von John Lennon, bewahrte jahrelang einen Zahn des legendären Beatle auf. Im vergangenen Jahr zahlte ein Zahnarzt aus Alberta mehr als 31.000 Dollar für das gute Stück - obwohl kein DNA-Test zum Beweis der Authentizität durchgeführt werden konnte. Eine Locke von Che Guevara, die ein CIA-Agent dem Revolutionär nach dessen Tod 1967 abgeschnitten hatte, wurde im Jahr 2007 für 100.000 Dollar an einen Buchhändler aus Texas verkauft.
ala/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema Ronald Reagan | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH