Rothaarigen-Tag in den Niederlanden Welttreffen der Feuerköpfe

Sie sind Teil einer aussterbenden Spezies: Nur bis zu zwei Prozent der Weltbevölkerung haben einen roten Schopf, und es werden immer weniger. Höchste Zeit also, sich zusammenzurotten - beim Welttreffen der Artgenossen im niederländischen Breda.

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Hamburg - Wenn Bart Rouwenhorst über Rothaarige spricht, gerät der niederländische Künstler ins Schwärmen. Sie seien "etwas Besonderes", würden sich "von der Masse abheben", seien "verletzlich", besäßen aber häufig zugleich eine "besondere Willensstärke".

Soweit, so gut.

Fragt man Rouwenhost aber, was er ansonsten mit den Rotschöpfen assoziiert, wird es weniger poetisch: "Sie bekommen schnell einen Sonnenbrand und sind von Kindesbeinen an daran gewöhnt, 'Leuchtturm' genannt zu werden."

Rouwenhorst weiß so gut wie kaum ein anderer, wovon er spricht, dreht sich sein Leben doch seit rund vier Jahren um die Feuerköpfe. Rouwenhorst ist für die Rothaarigen, was der WWF für die Tierwelt ist. Er kämpft um den Artenschutz.

Zu diesem Zweck veranstaltet er in Breda das Welttreffen der Rothaarigen. An diesem Wochenende werden 4000 Rotschöpfe in der niederländischen Stadt erwartet, dazu kommen noch einmal doppelt so viele Sympathisanten.

Rouwenhorst organisiert das Stelldichein bereits zum vierten Mal, angefangen hat alles 2005. "Damals habe ich mir ein Thema für meine Bilder gesucht", sagt der Maler SPIEGEL ONLINE. "Ich habe an Künstler wie Klimt und Rosetti gedacht und mir überlegt, mich rothaarigen Frauen zu widmen." Was folgte, war die Suche nach Modellen.

"Rothaarige Frauen gibt es viele, aber ich habe nach natürlich Rothaarigen gesucht. Da wurde es schon schwieriger." Rouwenhorst durchkämmte Bars und Cafés. Doch die Ausbeute blieb mager. Im Schummerlicht der Kneipen war so mancher Treffer dabei, der sich im Tageslicht als gefärbter Fake entpuppte. "Echte Rothaarige erkennt man an ihrer Haut."

"Sie sind etwas Besonderes"

Freunde schalteten schließlich eine Anzeige in einer Zeitung. Und, siehe da, der Zuspruch war enorm. Rouwenhorst konnte zwischen 150 Modellen wählen - und machte schließlich ein Gruppenfoto. Die Resonanz war überwältigend, die Frauen baten um ein weiteres Treffen.

Seither kommen Rothaarige aus allen Teilen der Welt, Männer wie Frauen, in Breda zusammen. "Sie kommen nicht meinetwegen, sie kommen, um sich zu treffen, weil sie zu einer seltenen Spezies gehören", sagt Rouwenhorst.

Nur bis zu zwei Prozent der Weltbevölkerung sind rothaarig. Forscher gehen davon aus, dass es auch unter den Neandertalern schon Rotschöpfe gab. Verantwortlich für die außergewöhnliche Farbe der Haare ist der Farbstoff Melanin. Das Pigment kommt in zwei Variationen vor. Eine davon ist das Phäomelanin, das blondem und rotem Haar seine charakteristische Färbung gibt.

Wissenschaftler befürchten, dass die Rothaarigen bis zum Jahr 2100 aussterben könnten. Der Grund: Damit ein Kind rote Haare bekommt, müssen in der Regel beide Elternteile rot - oder zumindest hellhaarig sein. Diese Konstellation gibt es jedoch selten.

Sie sind für die anderen nur die "Leuchttürme"

Grund genug, miteinander solidarisch zu sein. Ein Teilnehmer reist seit Bestehen des "Redhead Days" aus Mexiko an, wo es landesweit nur drei Rotschöpfe gibt. "Denn die kennt er alle", sagt Rouwenhorst. "Sie gehören nämlich zu seiner Familie."

In Breda gibt es wissenschaftliche Lesungen, Ausstellungen, gemeinsame Picknicks, speziell dekorierte Schaufenster. Alles dreht sich um die Haarfarbe, man trifft sich, weil man das gleiche Schicksal teilt. "Seit sie denken können, werden sie gehänselt. Rothaarige fallen immer auf. Egal, was sie machen und egal, ob ihnen die Aufmerksamkeit recht ist. Hier können sie die Erfahrungen teilen."

Das klingt fast ein wenig nach Selbsthilfegruppe: In Gesprächen über Sommersprossen, Sonnenbrand und die fiesesten Hänseleien baut man einander auf.

Neben diversen Legenden sind inzwischen einige Besonderheiten der Rothaarigen auch wissenschaftlich belegt: Häufig sind sie bei einer Operation schwieriger zu betäuben als andere Menschen, sie haben auch deutlich weniger Haare als der Durchschnittsblonde oder die Durchnittsbrünette auf dem Kopf.

Mythenumwoben waren die rothaarige Frauen nicht nur im Mittelalter. Ein französisches Sprichwort besagt, sie seien entweder gewalttätig oder hinterlistig - meist aber beides.

Ganz frei von der Anziehungskraft der Legenden ist allerdings auch Organisator Rouwenhorst nicht. Rothaarige seien einer neuen Studie zufolge sinnlicher, für andere Menschen attraktiver - und haben angeblich mehr Partner als die Blonden oder Brünetten.

"Wenn ich gewusst hätte, was ich mir mit den Treffen aufhalse, hätte ich die Finger davon gelassen", sagt Rouwenhorst rückblickend. Organisation, Finanzierung, Logistik für 12.000 Besucher - kein leichtes Unterfangen. Ihn quält vor allem eine Sorge: "Normalerweise finden Eltern ihre rothaarigen Kinder in der Menge sofort. Aber am Wochenende? Ich habe Angst, dass es am Ende ein riesiges Durcheinander kleiner, verlorener rothaariger Kinder gibt."



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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fucus-wakame 05.09.2009
1. Kommunikationsstärke
Desweiteren sind rothaarige Frauen für ihre Offenheit und Kommunikationsstärke bekannt.
Sebastian Ayala 05.09.2009
2. Rotharige in Mexiko
In Mexiko gibt es mehr als drei rotharige, ich selbst bin ein rotschopf und mein Bruder auch. Meine Mutter ist deutsche und ist blond, aber mein Vater ist mexikaner, dunkelheutig mit pechschwarze Haare. Was mich wundert, ich hatte tatsächlich probleme bei einer Vollnarkose, weil die Beteubung nicht richtig wirkte und mir nur schwindelig wurde. Die Ärzte haben sich gewundert und haben gefragt, ob ich harte Drogen nehmen würde?! Letzendlich wurde ich trotz allem operiert, ohne Schwerzen.
Sique 05.09.2009
3. Rothaarige sterben nicht aus...
Das ist eine oft wiederholte, aber trotzdem grundsätzlich falsche Aussage (verwandt mit "die Blonden sterben aus"). Es zeigt, dass derjenige das Wirken der Mendelschen Gesetze nicht richtig verstanden hat. Ja, es stimmt, dass das Allel für rote Haare rezessiv ist. Ja, es stimmt, dass gemischterbige Menschen, die neben dem Allel für rote Haare noch ein Allel für andersfarbige Haare haben, selbst nicht phänotypisch rothaarig sind. Aber das bedeutet eben nicht, dass die roten Haare aussterben! Denn haben gemischterbige Eltern, die jeweils rezessiv Träger des Allel für rote Haare sind, gemeinsame Kinder, dann besteht zu 25% die Chance, dass ein Kind reinerbig im Genotyp rothaarig wird und damit auch tatsächlich rote Haare bekommt; und zwar völlig unabhängig davon, wieviele Rothaarige es sonst auf der Erde gibt, und unabhängig davon, ob die Eltern selbst rote Haare haben. Selbst wenn man jetzt hinginge und alle echten Rothaarigen vom Kinderkriegen abhielte, wäre das nicht das Ende der Rothaarigen. Denn die meisten Vererbungsvorgänge, in denen das Allel für Rothaarigkeit weitergegeben wird, finden bei Nicht-Rothaarigen statt. Und treffen sich zwei solcher Nicht-Rothaarigen mit rezessivem Rothaarigen-Allel, und haben sie gemeinsam Kinder, dann besteht wieder jene 25%-Chance für ein Kind mit roten Haaren. Das ist übrigens auch der Grund, warum viele Erbkrankheiten, die durch defekte Allele verursacht werden, nicht aussterben, auch wenn die daran Erkrankten selbst so gut wie nie Kinder bekommen: Dadurch, dass das defekte Allel rezessiv ist, kann nicht dagegen selektiert werden - nur bei Reinerbigen kommt es überhaupt zum Ausdruck, aber fast alle erben diese Anlagen von gemischterbigen Eltern. Sollte ein defektes Allel dagegen tatsächlich dominant sein, dann wird sehr stark dagegen selektiert: Jeder Träger dieses Allels, egal ob reinerbig oder gemischterbig, erkrankt dann an dieser Krankheit und hat dann oft keine Nachkommen, an die er dieses defekte Allel vererben kann. Dominante, aber defekte Allele können sich also so gut wie nicht weiterverbreiten und sterben sehr schnell aus.
Sique 05.09.2009
4. Kurze Rechnung...
Man kann es sich übrigens ausrechnen. Wir wissen, dass 2% aller Menschen rothaarig sind. Gehen wir von einer völligen Gleichverteilung aller Allele aus, dann heißt das, dass im Durchschnitt in jedem 50. Fall (0,02 = 2%) bei einer Zeugung zwei Allele für Rothaarigkeit zusammenkommen. Das bedeutet, dass etwa 14% aller zeugungsfähigen Menschen ein Allel für Rothaarigkeit haben müssen, denn 0,14 * 0,14 ~ 0,02. D.h. nach dieser Rechnung vererben 14% aller Menschen Rothaarigkeit. In Wirklichkeit treten die Rothaarigen gehäuft in Europa, Vorderasien und Nordafrika auf, während sie im Rest der Welt viel seltener sind. Damit erhöht sich die Chance auf Rothaarigkeit in diesem Gebiet, während sie in anderen Gebieten viel geringer ist. Damit dürfte der tatsächliche Anteil natürlich viel niedriger liegen. Wenn z.B. nur 5% der Menschheit Träger des Allels für Rothaarigkeit wäre, dann würde sich im Laufe der Zeit der Anteil der Rothaarigen auf 0,05 * 0,05 = 0,0025 = 0,25% einpegeln... viel weniger als heute, aber eben auch nicht "ausgestorben".
marypastor 05.09.2009
5. Rot
Zitat von sysopSie sind Teil einer aussterbenden Spezies: Nur bis zu zwei Prozent der Weltbevölkerung haben einen roten Schopf, und es werden immer weniger. Höchste Zeit also, sich zusammenzurotten - beim Welttreffen der Artgenossen im niederländischen Breda. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,647009,00.html
[QUOTE=sysop;4257261]Sie sind Teil einer aussterbenden Spezies: Nur bis zu zwei Prozent der Weltbevölkerung haben einen roten Schopf, und es werden immer weniger. Höchste Zeit also, sich zusammenzurotten - beim Welttreffen der Artgenossen im niederländischen Breda. Koennte sein, dass rot ausstirbt. In meiner Jugend 1950 hatten wir 6 Rothaarigen in der Klasse. Richtig schoen rothaarig. In der heutigen meiner Enkel gibts nur noch schwarz bzw. Kaffe und Milch. Schwarz ist offenbar doch die staerkere Rasse.
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