Mysteriöser Unbekannter Der "Kampfmönch" von Rottweil

Ein Unbekannter in Mönchskutte läuft über ein Schulgelände - und seither steht ein Städtchen im Schwäbischen Kopf. Was ist da passiert?

Von Verena Hölzl


Rottweil/Hamburg - "Dies ist schon wieder eine unruhige Nacht für viele in Rottweil", sagt Peter Arnegger. Er ist Herausgeber der "Neuen Rottweiler Zeitung", wo er sich jetzt in einem offenen Brief persönlich zu Wort gemeldet hat. Denn das beschauliche Städtchen im Schwäbischen ist in Aufruhr. Die 25.000-Einwohner-Gemeinde rätselt dieser Tage über einen mysteriösen "Kampfmönch", der seit anderthalb Wochen sein Unwesen treiben soll.

Die einen können über die Hysterie lachen, andere mussten angeblich vor lauter Schreck ins Krankenhaus gebracht werden. Fakt ist: Ein Unbekannter zog sich vergangene Woche eine Mönchskutte über und lief so über das Gelände einer Rottweiler Schule. Wer hinter der vermummten Gestalt steckt und was es mit dem Auftritt auf sich hatte, weiß niemand.

Eine 16-jährige Schülerin, die Zeugin der Szene wurde, knipste ein Foto und schaltete besorgt die Polizei ein. Die Geschichte verbreitete sich rasend schnell auf den Schulhöfen und über die sozialen Netzwerke. Bald war nicht mehr nur von einer seltsamen Gestalt, sondern auch von Blut und Messer die Rede. Die Polizei ermittelt, hält diese Beschreibungen allerdings für frei erfunden. Pressesprecherin Bärbel Schatz nennt es das Prinzip der "stillen Post": "Es begann mit dem mulmigen Gefühl einzelner und wuchs sich über das Internet schnell zu einer allgemeinen Verunsicherung aus."

Polizei warnt vor Panikmache

Die Polizei geht davon aus, dass die vermummte Gestalt ein sogenannter Cosplayer ist, der es darauf angelegt hat, einer Figur aus dem Computerspiel "Assassin's Creed" zu ähneln. "Es gibt keine Hinweise, dass von der unbekannten Person Gefahren ausgehen oder bereits Straftaten begangen wurden", sagt Polizei-Chef Michael Schlüssler. Man gehe dennoch allen Hinweisen von Eltern und Schülern nach, die angeblich sogar schon von Albträumen geplagt werden.

Panikmache sei nicht ratsam, so Schlüssler. Der schulübergreifende Elternbeirat von Rottweil gab deshalb in Abstimmung mit der Polizei einen Elternbrief heraus, der die nüchternen Fakten in Erinnerung rufen soll.

Neben Gerüchten mehren sich auf Facebook, wo die Geschichte für einen regelrechten Run auf die Fanpage der örtlichen Zeitung sorgte, auch Kommentare von Beobachtern, denen die Geschichte arg aufgebauscht vorkommt. Ein Nutzer etwa meint: "Dann wohnt mal in Stuttgart! Wenn jedem, der hier auffällig verkleidet herumläuft, ein böswilliger Tatbestand unterstellt würde, dann wären die Straßen leer, farblos und langweilig." Eine andere Nutzerin sieht es noch entspannter: "Irgendwie ist es ja witzig." Zwei Likes in einer Stunde hat sie dafür immerhin bekommen.

Völlig nüchtern betrachtet ist der Unbekannte in einem Kostüm, das es im Internet zu kaufen gibt, über eine Wiese gelaufen. "Nicht ansatzweise strafbar", sagt die Polizei und hofft, dass der Spuk um den "Kampfmönch" damit ein Ende findet.

mit Material von dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
Wolffpack 03.07.2014
1.
Zitat von sysopEin Unbekannter in Mönchskutte läuft über ein Schulgelände - und seither steht ein Städtchen auf der Schwäbischen Alb Kopf. Was ist da passiert? http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/rottweil-kampfmoench-laeuft-ueber-schulgelaende-a-979051.html
Was tut man nicht alles um schulfrei zu haben ;) Nicht das ich es damals anders gemacht hätte :P
mesopotamien00 03.07.2014
2.
Assassin Creed is alive LoL
sansebar 03.07.2014
3.
genau! das ist die verkleidung von altair aus dem computergame "assassins creed". das ein cosplayer so viel aufregung auslösen kann!.
NauMax 03.07.2014
4.
Da verkleidet sich jemand als Protagonist aus einem Videospiel (im Spiel bis an die Zähne bewaffnet sehe ich hier nichts dergleichen) und ein ganzer Ort steht Kopf. Was ist an dieser Robe jertzt schlimmer als an einem Schwarzen Kaputzenpullover, außer dass man schon sehr blöd sein müsste, um in dieser Aufmachung irgendwas strafbares anzustellen?
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 03.07.2014
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"...und Schülern nach, die angeblich sogar schon von Albträumen geplagt werden." Was ist da schon wieder kaputt? Minenarbeit im Kongo ist schlimmer. Von deren Erträgen kriegen Kinder aber keine Albträume, sondern tolle Smartphones.
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