William und Kate als Eltern: "Normal, nur mit ein bisschen mehr Magie"

Aus London berichtet

Die Geburt des Royal Baby in Großbritannien versetzt Monarchiefans auf der ganzen Welt in Ekstase. Prinz William und Herzogin Kate wollen ihren Sohn so normal wie möglich aufziehen. Doch wie normal kann der Alltag eines Prinzen von Cambridge sein?

Es ist ein Junge! Großbritannien feiert die Geburt des neuen Thronfolgers, in London schimmert es an vielen Orten immer noch kronprinzenblau. Jedes kleine Detail zum neuen Mitglied der Königsfamilie wird von der Öffentlichkeit aufgesogen: Das Gewicht (3,8 Kilogramm), die Zeit der Geburt (16.24 Uhr), wie vielen Leuten die Bekanntgabe auf Facebook gefällt (mehr als 390.000).

Prinz William und Herzogin Kate versuchten bereits im Voraus, die öffentliche Begeisterung zu bremsen. Ein normales Leben wollen sie für ihren Sohn. Eines, in dem die Nanny sich mehr um den Haushalt als die Erziehung kümmert. Eines, bei dem die Weltpresse nicht jeden Schritt verfolgt. Doch wie normal kann das Leben eines Kronprinzen werden, der bereits vor seiner Geburt weltweit Schnappatmung auslöst? "Das Privatleben des Prinzen wird die größte Sorge der Familie werden", sagt Windsor-Expertin und William-Biografin Penny Junor.

Kindergarten, Einschulung, Gymnasium, Universität - unbeschwerte Zeiten im Leben der Bürgerlichen. Zeiten, in denen ein junger Mensch sich ausprobieren und entwickeln kann. Der Weg für den dritten Thronfolger ist hingegen vorgezeichnet. Eine erstklassige Bildung in einer Privateinrichtung soll er erhalten. Schließlich wird er einmal zur Elite des Königreichs gehören. Ein Internatsbesuch ist wahrscheinlich. Danach wird der Prinz wohl auf eine britische Universität wechseln und studieren. Kunstgeschichte vielleicht, wie seine Eltern, oder Jura. Als Junge scheint zudem die Karriere beim Militär unausweichlich.

Bei all dem werden seine Eltern sich bemühen, die Öffentlichkeit auf erträglichem Abstand zu halten. In Großbritannien haben sich die Medien zwar - vor allem auf Grund neuer Gesetze und Sanktionen - in den vergangenen Jahren etwas zurückgenommen. Doch die ausländischen Medien folgen der neuen Bescheidenheit nicht. "Außerdem ist der kleine Prinz der erste Thronerbe, der im digitalen Zeitalter geboren wurde", sagt Junor. Das Bemühen um Privatsphäre - in Zeiten von Internet, Smartphones und Twitter ein Windmühlenkampf.

"Er macht Medien für das Unglück seiner Familie verantwortlich"

William und die Medien, das ist ein Verhältnis geprägt von Verlust und Verrat. "Geradezu obsessiv will er seine Familie und Freunde vor zu viel Zudringlichkeit schützen", sagt Junor. "William wird bei dem Medienzirkus mitspielen. Allerdings zu seinen eigenen Bedingungen. Eindringlinge in sein Privatleben wird er immer bekämpfen."

Zu viele ehemalige Butler haben in Williams Kindheit Palast-Interna zu Bestsellern verarbeitet. In seinen Augen waren es Paparazzi, die seine Mutter Diana in dem Pariser Autotunnel in den Tod drängten, als er 15 Jahre alt war. "Er hat gesehen, was passiert, wenn es keine klare Linie zwischen Privatleben und Öffentlichkeit gibt", sagt Adelsexpertin Junor. "Er macht die Medien für das Unglück in seiner Familie verantwortlich."

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Familienfotos der Windsors: Geschichte der Königskinder
Wer die Privatsphäre seiner Familie nicht respektiert, gegen den geht William mit massiver Härte vor. Als französische Zeitschriften vergangenes Jahr Oben-Ohne-Fotos seiner Frau aus dem gemeinsamen Frankreichurlaub veröffentlichten, klagte der 31-Jährige. Und es ist anzunehmen, dass er mindestens mit gleicher Härte reagiert, wenn es um seinen Sohn geht.

Abtauchen bei den Middletons

Dieser Monarchie-Maschinerie stehen nun die Middletons gegenüber. Eine bürgerliche Familie, in der Zusammenhalt großgeschrieben wird. Das imponierte dem Prinzen, der seine Kindheit aristokratisch angemessen in einem vom Rest des Haushalts abgetrennten Kinderzimmer in der obersten Etage des Kensington-Palasts verbrachte. Der aus einem Alltag kam, in dem er seine Nannys häufiger sah als seine Eltern - die sich auseinanderlebten, betrogen, zerstritten und sich schließlich in aller Öffentlichkeit trennten.

Mit den Middletons hatte William endlich, was er am heimatlichen Palast stets vermisste: ein normales Familienleben. "Und das will William mehr als alles andere auch für seinen Sohn", sagt Junor.

Selten war eine Schwieger-Familie so präsent im Leben eines Thronfolgers wie die Middletons. William und Kate verbrachten bereits die Zeit vor der Geburt auf deren Anwesen in Bucklebury. Es gilt als wahrscheinlich, dass die junge Familie dorthin zurückkehrt. Vielleicht wird Kate sogar noch eine Weile bleiben, wenn der Vaterschaftsurlaub von William längst beendet ist. "Carole Middleton wird eine bedeutende Rolle im Leben des Kindes spielen", prophezeit Junor.

William will seiner Frau das Schicksal von Diana ersparen

Carole Middleton wird die einzige, richtige Großmutter des jungen Prinzen sein. Entgegen des Protokolls soll sie Kate in der Zeit nach der Geburt unterstützen. Die Nähe zur Familie, eine weitere Lehre aus Williams Familienhistorie. Seine Mutter Diana fühlte sich am Hof stets isoliert. Das will er seiner Frau ersparen.

Doch ewig wird sich die junge Familie nicht hinter den Middletons verstecken können. Hat der Thronfolger Nummer drei erst einen Namen und ein öffentliches Gesicht, dürfte er bald wie seine Eltern eine Ikone der weltweiten Popkultur werden. Vorbei sind dann die Zeiten der Zurückgezogenheit. Irgendwann wird der Kensington-Palast renoviert sein, der Umzug nach London anstehen. Und die Welt wird auf Neuigkeiten des Royal Baby Boys warten.

"William weiß, dass sein Sohn nicht zu 100 Prozent normal aufwachsen kann", sagt Junor. Er verstehe durchaus, dass er die Nähe zum Volk bewahren muss - schließlich werde der Kleine einmal König von England. Keine totale Abkehr vom königlichen Diktat also. Keine grundlegende Revolution am Hof. Eher Tradition mit einem modernen Twist, sagt Junor. Davon profitiere die britische Monarchie am meisten. Denn nichts, so die Windsor-Expertin, schade dem Königshaus so sehr wie ein unnahbares Image. "Sie müssen versuchen, so zu sein wie wir. Nur mit ein bisschen mehr Magie."

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
monzaman 23.07.2013
Zitat von sysopDie Geburt des Royal Baby in Großbritannien versetzt Monarchiefans auf der ganzen Welt in Ekstase. Prinz William und Herzogin Kate wollen ihren Sohn so normal wie möglich aufziehen. Doch wie normal kann der Alltag eines Prinzen von Cambridge sein? Royal Baby: William und Kate wollen für Privatsphäre kämpfen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/royal-baby-william-und-kate-wollen-fuer-privatsphaere-kaempfen-a-912664.html)
Ich komme mir vor wie auf BUNTE Online...
2. Wir müssen jetzt mal ...
ohnefilter 23.07.2013
... an den vielbeschworenen "Steuerzahler" denken. Was hat Otto Normalverbraucher" (Joe Blow) von dieser Geschichte? Gar nix. Am Ende zahlt der kleine Mann. Gut, dass es in Deutschland gerecht zugeht und wir keine Prinzen ernähren.
3. O Vanitas!
ellereller 23.07.2013
Im Artikel heißt es: "'William weiß, dass sein Sohn nicht zu 100 Prozent normal aufwachsen kann', sagt Junor. Er verstehe durchaus, dass er die Nähe zum Volk bewahren muss - schließlich werde der Kleine einmal König von England." Wenn der Vater oder der Großvater des Prinzen von Cambridge auch nur ein bisschen von de Langlebigkeit dessen Ur- und Ururgroßmutter geerbt haben, dann dauert es locker 70 Jahre, bis er den Thron besteigt. Völlig abwegig, dass man ihm deswegen keine normale Kindheit gönnt. Diejenigen, die jetzt seine seine ersten Zähnchen bejubeln, werden Staub sein, wenn er die Krone trägt.
4.
frau_flora 23.07.2013
Zitat von ohnefilter... an den vielbeschworenen "Steuerzahler" denken. Was hat Otto Normalverbraucher" (Joe Blow) von dieser Geschichte? Gar nix. Am Ende zahlt der kleine Mann. Gut, dass es in Deutschland gerecht zugeht und wir keine Prinzen ernähren.
LOL, nein, wir ernähren dafür machtbewußte Kanzlerinnen, unfähige Innenminister und raffgierige (Ex-) Bundespräsidenten. Ganz ehrlich? Manchmal wünsch ich mir auch so'n Königshaus, das ist wenigstens schön bunt.
5.
schwerpunkt 23.07.2013
Zitat von ohnefilter... an den vielbeschworenen "Steuerzahler" denken. Was hat Otto Normalverbraucher" (Joe Blow) von dieser Geschichte? Gar nix. Am Ende zahlt der kleine Mann. Gut, dass es in Deutschland gerecht zugeht und wir keine Prinzen ernähren.
"Gar nichts" würde ich nicht sagen. Immerhin hat die Monarchie in England einen nicht unerheblichen Anteil am Tourismus in Großbritannien, in sofern, als das viele Menschen unter anderem genau deswegen england besuchen, geld dort lassen und Souveniers kaufen. Ich hörte, dass allein der ienzelhandel mit Souveniers zur Geburt des Tronfolgers bisher damit rund 300 Millionen Pfund Umsatz machte. Insofern glaube ich dass die Monarchie mit der Faszination die sie auf viele Menschen ausübt, durchaus auch ein Wirtschaftsfaktor ist. Im Genesatz dazu halte ich ich den Attraktivitätsgrad diesbezüglich hier in Deutschland für durchaus .. naja .. überschaubar (außer für eventuelle Currywurstbuden in der Nähe des Reichstages). Ich selbst kann mit Manrchie nicht sonderlich viel anfangen, kann es aber durchaus akzeptieren, dass sie auf viele Menschen faszinierend wirkt und eventuell sogar insoirierend. Auf jedenfall inspirierender als die Regierungsform in Deutschland.
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