Ägypten Russisches Flugzeug mit 224 Insassen im Sinai abgestürzt

Ein russisches Passagierflugzeug ist im Sinai abgestürzt - laut Behörden kamen offenbar alle 224 Insassen ums Leben. Ein Flugschreiber wurde bereits gefunden. Experten gehen von einem technischen Defekt aus.

Ungefähre Unglücksstelle: Schwieriges Terrain behindert die Bergung
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Ungefähre Unglücksstelle: Schwieriges Terrain behindert die Bergung


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In Ägypten hat sich ein schweres Flugzeugunglück ereignet. Nach Angaben der Regierung in Kairo stürzte die russische Passagiermaschine auf der Sinai-Halbinsel ab. In der nur dünn besiedelten, sehr bergigen Gegend haben Militärflugzeuge die Wrackteile entdeckt, Rettungskräfte sind inzwischen vor Ort. Laut ersten Eindrücken von der Unglücksstelle ist der Jet der sibirischen Gesellschaft Kogalymavia "komplett zerstört" worden.

Wie ein Vertreter der ägyptischen Luftfahrtbehörde der Nachrichtenagentur AFP sagte, brach über dem Sinai 23 Minuten nach dem Start der Kontakt zu einem russischen Charterflugzeug ab, das 217 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder an Bord hatte.

Über mögliche Überlebende gab es zunächst gegensätzliche Berichte. Einerseits melden ägyptischen Sicherheitskreise, dass alle 224 Menschen ums Leben gekommen sind. Gleichzeitig gab es Angaben von der Unglücksstelle, wonach aus einem großen Wrackteil möglicherweise Stimmen zu hören seien. Am Mittag hieß es von den Behörden in Kairo dann: Es gibt keine Überlebenden. Allerdings bezieht sich diese Meldung auf namentlich nicht genannte Quellen. Offiziell ist die Angabe also noch nicht.

Augenzeugen von der Unglücksstelle berichten von erschütternden Szenen. "Viele Leichen liegen auf der Erde, manche noch in ihren Sitzen festgeschnallt", sagte ein Helfer der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Maschine ist in zwei Teile zerbrochen, ein Teil des Hecks hat gebrannt. 100 Leichen haben wir schon geborgen, der Rest ist noch drin."

Die Ursache der Katastrophe bleibt so kurz nach dem Vorfall ungeklärt. Es gibt aber offenbar Hinweise auf ein technisches Problem. Unbestätigten Meldungen zufolge soll der Pilot kurz vor dem Absturz entsprechende Funksprüche gesendet und um Landung auf dem nächstmöglichen Flughafen gebeten haben. Das erklärte der Pilot Ayman Al-Mokadem, der einem Komitee zur Klärung der Unglücksursache angehört, der Nachrichtenseite "Ahram Online".

Der Flugschreiber wurde inzwischen sichergestellt, von den Daten erhoffen sich die Experten nun Aufklärung.

Maschine der Kogalymavia-Airline (am 20. Oktober in Moskau): Kontakt verloren
DPA

Maschine der Kogalymavia-Airline (am 20. Oktober in Moskau): Kontakt verloren

Der russischen Luftfahrtbehörde zufolge war das Flugzeug vom Typ Airbus A321 unterwegs vom Urlaubsort Scharm al-Scheich nach Sankt Petersburg. Dort wurde sie um 10.10 Uhr MEZ (12.10 Uhr Ortszeit) erwartet. An Bord von Flug 7K9268 befanden sich 214 Russen und drei Ukrainer. Die Airline Kogalymavia fliegt im Chartergeschäft unter der Marke Metrojet.

Laut ägyptischer Luftaufsicht flog der Jet auf einer Höhe von 31.000 Fuß (rund 9500 Meter), als er von den Radarschirmen verschwand. Nach Angaben des Flugbeobachtungsservice Flightradar verlor der Airbus kurz vor dem Absturz rapide an Höhe, etwa 1500 Meter in nur einer Minute. Danach sei der Kontakt abgerissen.

Kogalymavia-Flug bei Flightradar

Im Norden und im Zentrum des Sinai ist die militante Organisation Ansar Beit al-Makdis aktiv. Diese hatte Ende des Vorjahrs dem Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) die Treue geschworen. Laut den ägyptischen Behörden gibt es bisher keine Anzeichen, dass es sich um einen Abschuss gehandelt haben könnte.

Putin lässt Experten nach Ägypten bringen

Kurz vor der Meldung über den Absturz hatte es noch uneindeutige Nachrichten von der ägyptischen Luftüberwachung gegeben. Nachdem der Kontakt zunächst abgebrochen war, hieß es, man habe wieder Verbindung zu dem Flugzeug. "Sie befindet sich im türkischen Luftraum", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Sprecher. Wenig später wurde dann der Absturz bestätigt.

Das Flugzeug war russischen Medienberichten zufolge gut 18 Jahre alt und gehörte der Gesellschaft seit März 2012.

Dem Außenministerium in Moskau zufolge nahm die russische Botschaft in Kairo Kontakt mit den ägyptischen Behörden auf. In Sankt Petersburg wurde ein Team gebildet, das sich auf dem Flughafen um die Angehörigen der Passagiere kümmert.

Russlands Präsident Wladimir Putin ließ einen Krisenstab zusammenstellen, Luftfahrtexperten befinden sich bereits auf dem Weg nach Ägypten. Für den morgigen Sonntag rief der Präsident im ganzen Land einen Tag der Trauer aus. Offenbar laufen in Russland bereits erste Ermittlungen gegen die Fluglinie.

Auch der russische Premier Dmitrij Medwedew hat sich inzwischen bei Twitter zu dem Absturz geäußert und den Angehörigen seine Anteilnahme ausgesprochen.

jok/AFP/dpa/Reuters

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