Russland Dutzende Menschen sterben an billigem Wodka-Ersatz

In Sibirien sind mehr als 30 Menschen gestorben, nachdem sie offenbar einen Badezusatz statt Schnaps getrunken hatten. Ermittler durchsuchten mehr als hundert Geschäfte und nahmen Verdächtige fest.


In der russischen Stadt Irkutsk sind mindestens 33 Menschen wegen nicht für den Verzehr bestimmten Alkohols ums Leben gekommen. Nach Angaben der Ermittler waren am Wochenende insgesamt 42 Menschen ins Krankenhaus eingewiesen worden. Die meisten Betroffenen waren demnach zwischen 30 und 50 Jahren alt.

Wie Behörden berichteten, war der Badezusatz deutlich als nicht zum Verzehr bestimmt gekennzeichnet. Trotzdem hätten die Opfer ihn wie Schnaps getrunken. Der Alkohol sei unter dem Namen "Bojaryschnik" ("Weißdorn") als Kosmetikprodukt vertrieben worden.

Den Angaben zufolge wurden zwei Verdächtige festgenommen. Ermittler durchsuchten mehr als hundert Geschäfte, die den Badezusatz verkauften. Wer solche Produkte verkaufe, müsse zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew der "Moscow Times". Noch ist jedoch unklar, ob der Badezusatz als Ersatz für Alkohol verkauft worden war.

In Russland werden jedes Jahr viele Menschen Opfer von gepanschtem Alkohol, vor allem finanziell schlechter gestellte Russen. Allein 2015 starben 53.000 Menschen an giftigem Methylalkohol.

In Irkutsk sind in den vergangenen Jahren viele Menschen in die Armut abgerutscht. Alkohol können sich nur noch wenige leisten. Seit einer Preiserhöhung im vergangenen Jahr, mit der die Behörden die Alkoholsucht bekämpfen wollten, hatte der Schwarzmarkthandel zugenommen. Viele der dort angebotenen Getränke sind gepanscht.

Video: "Wir verkaufen das normalerweise als Lösungsmittel"

REUTERS

zsa/Reuters/AFP/AP

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