Tod von 64 Menschen in Kemerowo Gouverneur tritt nach Brandkatastrophe zurück

Der Brand in einem Einkaufszentrum im sibirischen Kemerowo hat politische Konsequenzen. Aman Tuleyev, Gouverneur der Region, gibt sein Amt ab. "Die einzig richtige Entscheidung", sagt er selbst.

Aman Tuleyev
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Aman Tuleyev


In einer Videobotschaft auf der Website seiner Behörde hat sich der Gouverneur von Kemerowo, Aman Tuleyev, an die Öffentlichkeit gewandt. Darin verkündete er seinen Rücktritt. Das sei die "einzig richtige, bedachte Entscheidung", sagte er.

Grund für den Rücktritt ist die Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum im sibirischen Kemerowo, bei der 64 Menschen ums Leben kamen. Mehr als 40 von ihnen sollen noch Kinder gewesen sein. 70 weitere Menschen wurden verletzt. Das Feuer war am vergangenen Sonntag in der obersten Etage eines Kaufhauses ausgebrochen. Ein Kabelbrand in einem Kinosaal sowie ein Kurzschluss gelten als mögliche Erklärungen für die Brandursache.

Der Fall hatte besonderes Aufsehen erregt, weil der Alarm nicht funktionierte und Notausgänge verschlossen waren. Präsident Wladimir Putin reiste zum Unglücksort und traf sich dort mit der Führungselite, aber nicht mit Vertretern der Bevölkerung. "Seit einer Woche funktionierte der Alarm nicht. Warum? Eine Woche lang wurde er nicht repariert! Warum waren die Türen verschlossen?", sagte Putin bei einem Treffen mit Alexander Bastrykin, dem Chef der Ermittlungsbehörde.

In den vergangenen Tagen waren bereits mehrere Menschen festgenommen worden. Ein Gericht nahm unter anderem die Geschäftsführerin, einen technischen Leiter und einen Wachmann des Einkaufszentrums für zwei Monate in Untersuchungshaft.

Zudem reichten Angehörige von Opfern der Brandkatastrophe Klage gegen Einsatzkräfte der Stadt ein. Sie werfen den Polizisten und Feuerwehrleuten "Untätigkeit" vor. Aus Sicht der Angehörigen habe es ihnen "an der nötigen Ausrüstung und den nötigen Fähigkeiten" gefehlt, um Menschenleben zu retten.

vks/Reuters/AFP



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Lankoron 01.04.2018
1. Was diese spontanen
Politikerrücktritte sollen, verstehe ich sowieso nicht. Es hilft nicht bei der Klärung der Sachverhalte, es steht ja weder Schuld noch Unschuld fest, verantwortliches Handeln wäre doch eher eine zügige Aufklärung und dann das Ziehen entsprechender Konsequenzen.
krauseberg 01.04.2018
2. Schuld steht fest
Zitat von LankoronPolitikerrücktritte sollen, verstehe ich sowieso nicht. Es hilft nicht bei der Klärung der Sachverhalte, es steht ja weder Schuld noch Unschuld fest, verantwortliches Handeln wäre doch eher eine zügige Aufklärung und dann das Ziehen entsprechender Konsequenzen.
Die Schuld dafür, dass es keine ausreichenden Brandschutzvorrichtungen gab steht fest. Daran ist die fehlende staatliche Kontrolle und die grassierende Korruption in Russland Schuld. Der Mann ist eigentlich ein halbes Bauernopfer, da diese Probleme seit Jahrzehnten bekannt sind und der russische Staat bei der Korruptionsbekämpfung völlig versagt. Dafür ist der Staatspräsident verantwortlich, aber Putin wird wegen ein paar hundert toter Kinder nicht zurücktreten. Der läßt lieber massiv Militär in der Stadt auffahren, damit die Bürger nicht gegen das korrupte Regime demonstrieren können.
clausina 01.04.2018
3. Was soll das?
die Politiker sollen nicht zurücktreten sondern aufklären.Der Weg ist ihnen aber wohl zu schwer.Sie fallen ja weich.Und Sie müssen zur Verantwortung gezogen werden.Mit allen Konsequenzen..Aber das klappt in Deutschland ja auch nicht.
Frittenbude 01.04.2018
4.
Zitat von clausinadie Politiker sollen nicht zurücktreten sondern aufklären.Der Weg ist ihnen aber wohl zu schwer.Sie fallen ja weich.Und Sie müssen zur Verantwortung gezogen werden.Mit allen Konsequenzen..Aber das klappt in Deutschland ja auch nicht.
Politiker übernehmen politische Verantwortung, da ist ein Rücktritt die maximale Konsequenz und angesichts dieser Tragödie angemessen. Die Aufklärung übernehmen die Ermittlungsbehörden.
iasi 01.04.2018
5. hier werden die Folgen von Korruption drastisch deutlich
Vorschriften werden nicht eingehalten, Posten werden nicht aufgrund von Eignung und Fähigkeit vergeben, ... Dass das korrupte System sich schützt, indem einer gezwungen wird, die Verantwortung zu übernehmen, damit alle anderen weiter machen können, wie gewohnt, ist nicht neu. In Rumänien wurden der Landesvater und seine Frau erschossen, damit die korrupten Eliten auch weiterhin "ihr" Land ausnehmen konnten. Putin bleibt so lange an der Macht, so lange er überzeugt den Blender zu spielen versteht. Dabei wird er selbst geblendet, da er ja glaubt, er hätte die Macht.
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